Dorfkirche soll bleiben
In Bernlohe, einem Gemeindeteil der Stadt Roth, steht eine winzige evangelische Dorfkirche. Die Gemeindemitglieder haben sie in den 1950er-Jahren selbst gebaut – und kämpfen jetzt für ihren Erhalt.
Die Kirche im Rother Stadtteil Bernlohe

Darüber, wie der Kirchbau in Bernlohe zustande gekommen ist, wunderte sich Pfarrer Hugo Karl Schmidt noch Jahre später. In der Festschrift zum 50. Jubiläum der Dorfkirche wurden 2005 die Erinnerungen des damals 95-Jährigen gesammelt. Als nach dem Krieg weiterhin nur wenige Menschen zum Gottesdienst in die Stadtkirche nach Roth kamen, "kam mir der Gedanke, in Bernlohe ein Kirchlein zu bauen", damit der Fußweg kürzer würde. Ein Gemeindemitglied stiftete spontan ein Grundstück, der Kirchenvorstand wurde überzeugt, die Bernloher spendeten das nötige Holz aus ihren Wäldern und machten sich an den Bau. Aufgrund der hohen Spendenbereitschaft war nach drei Jahren der Kredit getilgt.

Heute, 66 Jahre nach der Einweihung, muss die Kirchengemeinde Roth sparen. So wie alle Gemeinden bekam sie von der Landeskirche den Auftrag, ein Immobilienkonzept zu erstellen, erzählt Pfarrerin Elisabeth Düfel. Von Anfang an gab es das Votum im Kirchenvorstand, dass die Kirchen erhalten bleiben sollen. "Aber trotzdem sehen wir mit Sorge, dass die Dorfkirche viele finanzielle Mittel braucht, besonders mit Blick auf die Rücklagen. Und da kommt schon die Frage auf, wie lange die Gemeinde das noch stemmen kann." Statt abzuwarten wurden die Gemeindemitglieder aktiv und gründeten im September einen Förderkreis, "um diese Kirche finanziell ein Stück weit durch Eigenleistung zu sichern." Nicht nur evangelische Dorfbewohner sind seitdem Mitglieder geworden. Organisiert wird der Förderkreis von Ehrenamtlichen aus einer neu gegründeten Steuerungsgruppe, aus dem Mesner-Team und dem Ortsbeirat.

Aus Platzmangel entstanden die Open-Air-Konzepte 

Die Rettung der Dorfkirche ist von außen betrachtet ähnlich wunderlich wie ihre Entstehung. Über Jahre hinweg hatten die Bernloher wenig Interesse an ihrer Kirche, die Gottesdienste waren eher spärlich besucht, sagt die Pfarrerin. "Durch Corona hatten wir mit den Abständen dann nur noch 19 Plätze in der Kirche und standen damit vor der Wahl, entweder ganz zuzumachen oder auf andere Art gottesdienstliches Leben zu ermöglichen."

Also zog man aus - auf die Wiese, die zur Dorfkirche gehört. Es entstanden frische Konzepte für Open-Air-Gottesdienste, die viele neue Gesichter anlockten. Dazu kamen Konzerte mit einheimischen Musikern, ein rappelvolles Weißwurstessen bei der Kirchweih, Aktionen mit Konfirmanden und eine neue Sitzecke im Grünen, die sofort zum "Seniorenstammtisch" bei den Gottesdiensten wurde. Im Mai 2022 will man offiziell Radwegekirche werden, schließlich liegt Bernlohe direkt am fränkischen Wasserradweg entlang der Rednitz. Für die Pfarrerin sind die Kirche und das Gelände ein "Schatzkästlein". So viel Grün und so viel Platz habe man in der Stadt nicht. "Die Kirche in Roth ist auch schön und groß", sagt Förderkreismitglied Tanja Gerner.

"Aber wenn man hier bei uns reinkommt, ist das wie ein Wohnzimmer. Man fühlt sich geborgen."

Ziel: Finanzielle Rücklagen generieren

Dass jetzt so viel los ist in Bernlohe, das liegt für Tanja Gerner auch an Elisabeth Düfel, einem "Geschenk Gottes" für die Gemeinde. Die Pfarrerin betont dagegen die Kraft der Gemeinschaft. "Die Vernetzung im Dorf ist mir wichtig. Die Vereine werden eingespannt und die Menschen merken: Es ist ihre Kirche, ihr Platz, ihr Dorf." Das habe einen Schneeballeffekt. Und den erhofft man sich auch für den Förderkreis. "Das erste Ziel wäre, die Rücklagenbildung für die Kirche zu sichern. Und das zweite Ziel ist, auch zum Unterhalt beisteuern zu können", so die Pfarrerin.

5.000 Euro pro Jahr wären das insgesamt für die Kirche, weitere 7.000 für das Gemeindehaus nebenan. Bis jetzt hat der Förderkreis 36 Mitglieder und damit knapp 2.000 Euro jährlich zur Verfügung. Aktuell ist in der Bernloher Kirche eine kleine geschichtliche Ausstellung mit alten Zeitungs- und Gemeindeblattartikeln sowie Fotos zu sehen. Die wurde - natürlich - von den Ehrenamtlichen selbst zusammengestellt.

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