8.09.2020
Schulstart in Bayern

Personalsituation und Digitalisierung verbessert? Bayerns Kultusminister blickt zuversichtlich auf neues Schuljahr

Heute beginnt das neue Schuljahr im Freistaat - Lehrkräfte, Eltern und Schüler blicken mit gemischten Gefühlen auf die Rückkehr in die Schulen in Corona-Zeiten. Der bayerische Kultusminister Piazolo dagegen verbreitet Optimismus.
Schule Bücher Tafel

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) blickt trotz steigender Corona-Infektionszahlen optimistisch auf das beginnende neue Schuljahr.

Trotz aller Sorgen in der Corona-Pandemie sollte man sich auf die Schule freuen, "nur so kann man befreit lernen", sagte er in München. Zudem zeigte er sich zuversichtlich, dass die Schulen mit den geltenden Hygienevorschriften und der aktuellen Personalausstattung gut aufgestellt sind.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und die Grünen beklagten dagegen einen "eklatanten Lehrermangel".

Schulstart in Bayern

Laut Piazolo gehören drei bis vier Prozent der Lehrkräfte - nämlich Schwangere und solche mit Vorerkrankungen - zur Corona-Risikogruppe und würden vom Präsenzunterricht freigestellt. Allerdings habe man in diesem Jahr auch den "Luxus" von 1.000 neuen Lehrstellen und zugleich leicht gefallenen Schülerzahlen, betonte der Kultusminister.

Das Verhältnis zwischen Schüler- und Lehrerzahlen sei also besser als vergangenes Schuljahr. Insgesamt seien für dieses Schuljahr 4.700 Lehrkräfte neu eingestellt worden, die meisten aber natürlich, um Stellen von Pensionären wiederzubesetzen.

Die Lehrkräfte, die vom Präsenzunterricht befreit seien, seien aber dennoch im Dienst, betonte Piazolo. Sie könnten etwa von zu Hause aus mehr Korrektur- und Verwaltungsaufgaben übernehmen oder Unterricht per Video vorbereiten. Im Gegenzug könnten die übrigen Lehrkräfte mehr Präsenzunterricht übernehmen und dafür Korrekturaufgaben abgeben.

Unterricht in Corona-Zeiten

Der Gestaltungsspielraum dafür sei in den Schulen groß. Als weitere Unterstützung stünden 800 Teamlehrkräfte zur Verfügung, die aber Lehrer, die vom Präsenzunterricht befreit sind, nicht Eins zu Eins ersetzen sollen.

Kritik an der Personalplanung kam am Freitag hingegen vom BLLV. Dessen Präsidentin Sabine Fleischmann sagte laut Mitteilung: "Die politisch Verantwortlichen reden den eklatanten Lehrermangel schön. Sie erwecken den Eindruck, die riesigen Löcher in der personellen Versorgung könnten mit immer neuen Notmaßnahmen gestopft werden."

Die Schulleitungen vor Ort hätten alles getan, damit angesichts des Lehrermangels der Unterricht gut starten könne. Und dennoch prallten derzeit zwei Krisen aufeinander, sagte Fleischmann - in ihren Augen also Lehrermangel und Corona-Pandemie.

Kritik an Personalplanung

Auch die Grünen kritisieren die Personalplanung des Kultusministeriums. Die schulpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Anna Toman, sagte, dass Piazolo mit lediglich 800 Teamlehrkräften die Lücke von etwa 4.000 Lehrkräften, die vom Präsenzunterricht befreit werden, füllen wolle.

"Teamlehrkraft" sei zwar ein schöner Begriff, dahinter würden sich aber Ungeschulte verbergen, die keinerlei Erfahrung hätten, vor einer Klasse zu stehen. Die Tatsache, dass diese erst gesucht werden, lasse vermuten, dass die meisten nicht vor Weihnachten eingesetzt werden könnten, geschweige denn zum Schulstart.

Digitalisierung in den Schulen

Piazolo dagegen sieht die Schulen im Freistaat auch in Sachen Distanzunterricht auf einem guten Weg. Die Corona-Pandemie habe auch Schwung für die Digitalisierung bedeutet, betonte er. Im vergangenen Schuljahr hätten mehr als 50.000 Leihgeräte wie Tablets oder Notebooks zur Verfügung gestanden. Sie seien aber nicht alle abgerufen worden.

Für dieses Schuljahr gebe es nun insgesamt 100.000 Geräte, weitere 150.000 sollen hinzukommen. Das Kultusministerium wolle zudem beim Fernunterricht den Lehrkräften Best-Practice-Beispiele zur Verfügung stellen.

"Kranke Kinder gehören nicht in die Schule"

Zugleich appellierte Piazolo an die Vernunft der Eltern, sollten ihre Kinder erkältet sein. Im Zweifel sollten man sie dann lieber zu Hause lassen und mit ihnen zum Arzt gehen. Bei Fieber und Husten sollten sie grundsätzlich nicht in die Schule - nicht nur in Pandemie-Zeiten: "Kranke Kinder gehören nicht in die Schule", betonte Piazolo.

Lehrkräfte auf Corona getestet

Für Lehr- und Verwaltungskräfte gebe es jetzt nach den Sommerferien kostenlose Corona-Reihentests - entweder im Testzentrum oder beim Arzt. Mehr als 55 Prozent hätten sich bereits für einen Test angemeldet.

Ähnliche Testungen solle es auch nach den Herbstferien geben, weil die Menschen dann erfahrungsgemäß wieder in den Urlaub fahren.

Die Arbeiterwohlfahrt in Bayern (AWO) hat genau solche Tests am Freitag für das Personal in Kitas und Schulen gefordert - und zwar regelmäßig. Auch müssten die Gurgel-Tests weiterentwickelt werden, um die Prozedur der Testung erträglicher zu machen.

Maskenpflicht im Unterricht

Größte Neuerung für das anstehende Schuljahr dürfte die Maskenpflicht sein, die bereits am vergangenen Montag beschlossen wurde. In den ersten neun Tagen des neuen Schuljahres müssen Schüler und Lehrer an weiterführen Schulen auch im Unterricht Maske tragen.

Für alle Schularten und Altersklassen gilt weiterhin, dass ein Mund-Nasen-Schutz im Nahverkehr, auf dem Schulweg, auf Schulgängen, Toiletten und dem Pausenhof verpflichtend ist.

Eine Maskenpflicht im Unterricht wird es darüber hinaus auch nach den ersten zwei Wochen immer dann geben, wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz über dem Wert von 35 liegt.

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