Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung
Viele Menschen mit Behinderung leiden in der Corona-Krise unter Isolation. Zudem verlieren sie überdurchschnittlich oft ihren Job. Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung fordern Organisationen Politik und Gesellschaft zum Handeln auf.

Vor einer "Rolle rückwärts" bei der Inklusion in Corona-Zeiten warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband in Bayern.

Denn die Corona-Maßnahmen träfen Menschen mit Behinderung besonders hart, teilte der Verband am Mittwoch in München anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung am Donnerstag (3.12.) mit.

Menschen mit Behinderung sind besonders betroffen 

Die Krise habe gezeigt, "dass wir auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft noch lange nicht so weit gekommen sind, wie wir gedacht und gehofft hatten", sagte Paritätische-Vorständin Margit Berndl.

Schwerbehinderte sind dem Sozialverband VdK Bayern zufolge Krisenverlierer am bayerischen Arbeitsmarkt.

Die psychische Not und die Ängste seien größer geworden, berichtete Susanne Dittrich-Leonhard vom Nürnberger Verein Integral, einer Mitgliedsorganisation des Paritätischen: "Menschen mit Behinderung leiden besonders unter der Isolation und der Einsamkeit."

Durch die lange Zeit allein hätten viele von ihnen manche Dinge verlernt, Zutrauen sei verloren gegangen. Durch die fehlenden niedrigschwelligen Angebote verlören viele Menschen wichtige Hilfen, Tagesstruktur und ihr soziales Netzwerk, und die Sozialarbeiter verlören den Kontakt zu den Menschen.

Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung im Blick behalten

Dittrich-Leonhard kritisierte, dass in der Corona-Krise meist nur von Menschen mit Behinderung in Einrichtungen gesprochen werde.

An die Bedürfnisse derer, die allein oder in ihren Familien leben, werde häufig nicht gedacht. Zudem seien viele Menschen mit Behinderung von der Digitalisierung abgehängt, oft schlicht weil ihnen das Geld für Laptop oder Smartphone fehle.

Menschen mit Behinderung in Bayern seien in der Corona-Krise überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen, kritisierte VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher.

Die Zahl arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung steigt

Im Oktober hatten laut Arbeitsagentur in Bayern knapp neun Prozent der Arbeitslosen das Merkmal "Schwerbehinderung" - der bundesweit höchste Anteil aller Bundesländer. Zudem stieg im Freistaat die Zahl arbeitsloser Menschen mit Schwerbehinderung im Jahresvergleich seit Oktober 2019 um 19 Prozent - stärker als in allen anderen Bundesländern.

Die Angst von Menschen mit Schwerbehinderung, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wachse leider nicht unbegründet, sagte Mascher. Da sich zurzeit viele Arbeitnehmer noch in Kurzarbeit befänden, befürchtet sie, dass die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten im weiteren Krisenverlauf rasch ansteigen könnte.

Der VdK Bayern forderte mehr Unterstützung für arbeitsuchende Menschen mit Behinderung. Sie brauchten mehr Programme für Qualifizierung und Weiterbildung.

Die Ausgleichsabgabe für Unternehmen, die keine Behinderten einstellen oder die Pflichtquote nicht erfüllen, müsse angehoben werden. Zudem müssten staatliche Fördermittel aus den Corona-Hilfspaketen an Zusagen zu Inklusionsmaßnahmen geknüpft werden.

Miteinander und Menschlichkeit in der Krise

Auch der Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Christoph Klingan, sprach sich für mehr Inklusion aus.

Er wünsche sich, "dass Berührungsängste zwischen den Menschen mit und ohne Behinderung abgebaut werden", sagte er in der Internetreihe "Mittwochsminuten" des Erzbistums. Es gelte, sich trotz aller Unterschiede gegenseitig in den Blick zu nehmen.

Die Corona-Regeln seien für viele Menschen mit Behinderung, die ganz unterschiedliche Einschränkungen hätten, schwierig umzusetzen, sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Der Infektionsschutz für diese besonders vulnerable Gruppe dürfe nicht dazu führen, dass sie "abgeschottet und vergessen" werde. Für Miteinander und Menschlichkeit unter Corona brauche es "Fantasie und Mut". 

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