NS-Judenverfolgung
Die Gedenkstätte Denkort Deportationen in Würzburg erinnert an die Verfolgung jüdischer Menschen in der NS-Zeit. Dabei folgt sie einem besonderen Konzept, das zugleich zentral und dezentral ist. Nun soll sie weiter wachsen.
Der "DenkOrt Deportationen" in Würzburg erinnert mit einem Denkmal von dutzenden Koffern und Bündeln an die Nazi-Gräuel.
Der "DenkOrt Deportationen" in Würzburg erinnert mit einem Denkmal von dutzenden Koffern und Bündeln an die Nazi-Gräuel.

Die Gedenkstätte Denkort Deportationen vor dem Würzburger Hauptbahnhof wächst weiter. Am 24. September sollen bei einer Feierstunde 32 weitere Gepäckstücke an dem dezentralen Mahnmal für die vom NS-Regime deportierten Jüdinnen und Juden platziert werden, teilte der Verein Denkort Deportationen am Montag mit. Insgesamt stehen dann zukünftig 79 Gepäck-Skulpturen vor dem Bahnhof – jede steht für eine der 109 Gemeinden, aus denen Juden verschleppt wurden.

Zentrales und dezentrales Mahnmal zugleich

Das Besondere am Denkort ist, dass er ein zentrales und dezentrales Mahnmal zugleich ist. Zu jedem Koffer, Rucksack und Bündel, das in Würzburg steht, gibt es einen "Zwilling" in der Herkunftsgemeinde der Deportierten, um auch dort an das Unrecht in der NS-Zeit zu erinnern. Nach der Denkort-Eröffnung mit 47 Gepäckstücken im Juni 2020 haben in zahlreichen unterfränkischen Kommunen mit ehemals jüdischer Gemeinde oder Bevölkerung Debatten über die Beteiligung am Mahnmal begonnen.

An der Feierstunde zur Erweiterung des Mahnmals nehmen neben Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) auch der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, der in Würzburg lebende Josef Schuster, sowie der Schweinfurter Landrat Florian Töpper (SPD) für die unterfränkischen Landrätinnen und Landräte teil. Auch aus den 32 Kommunen, die sich nun neu mit einem Gepäckstück beteiligt haben, werden Vertreter*innen bei der Aufstellung dabei sein, hieß es.

Weitere Vergrößerung geplant

Insgesamt wurden aus Unterfranken in den Jahren 1941 bis 1944 mehr als 2.000 jüdische Bürger*innen verschleppt und größtenteils ermordet. Die erste größere Deportation unterfränkischer jüdischer Menschen fand vor fast 80 Jahren am 27. November 1941 statt. Bei der Feierstunde zur Erweiterung des Mahnmals am 24. September soll auch an die fünfte Deportation vom 23. September 1942 gedacht werden, bei der 563 Menschen aus Würzburg ins jüdische Ghetto nach Theresienstadt deportiert wurden.

Der Trägerverein des Denkorts geht davon aus, dass es in den kommenden Monaten eine weitere Vergrößerung des Mahnmals geben wird.

 

 

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