Ökumenisches Projekt
Eine neue Website lädt zu einer virtuellen "Reise durch die Bibel" ein. 14 Etappen führen durch zentrale Texte aus dem Alten und dem Neuen Testament. An dem ökumenischen Projekt war der evangelische Pfarrer Christian Düfel beteiligt. Im Interview erklärt er, wie viel Neues es dabei zu entdecken gibt – selbst für Bibelkenner.
Christian Düfel, evangelischer Pfarrer, Erlangen
Der evangelische Pfarrer Christian Düfel aus Erlangen war von evangelischer Seite aus an dem ökumenischen Projekt "Reise durch die Bibel" beteiligt

Für eine virtuelle Reise durch die Bibel haben das Erzbistum München und Freising und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern eine neue Website erarbeitet. 14 Etappen führen durch zentrale Texte aus dem Alten und dem Neuen Testament. Der Erlanger Pfarrer Christian Düfel war von evangelischer Seite aus an der Auswahl und der Umsetzung beteiligt. Im Gespräch mit sonntagsblatt.de erklärt er, was hinter dieser "Reise durch die Bibel" steckt – und wie selbst Bibelkenner davon profitieren können.

Herr Düfel, Glaubenskurse und Bibelkreise gibt es ja zuhauf - warum sollte man sich auch als vermeintlich Bibelfester auf die "Reise durch die Bibel" machen?

Christian Düfel: Die Bibel gilt immer noch das meistgelesene und meistübersetzte Buch der Welt. Unsere Sprache und Kultur sind tief von ihr geprägt. Das Wissen über ihre Inhalte nimmt aber stetig ab. Auch die vermeintlich Bibelfesten werden immer weniger. Und nur im kulturellen Bücherschrank zu stehen, das ist zu schade für diese Texte, die Menschen seit so vielen Jahren begleiten. Die Bibelinteressierten finden in der Reise durch die Bücher der Bibel eine gute Möglichkeit, durch die ausgewählten Texte sich weiteres Wissen zur Bibel zu erwerben und sich auch persönlich ansprechen zu lassen. Jede Etappe orientiert sich an den Fragen: Wann und in welcher Situation ist der biblische Text entstanden? Was wollte er den Menschen damals sagen? Welche Bedeutung hat er für uns heute? Die Bibelkenner werden dabei Bekanntes, aber auch Neues entdecken können.

Worin sehen Sie die Chancen des Projektes, auch Bibelferne durch die virtuelle Aufbereitung zu erreichen?

Düfel: Die virtuelle, kostenfreie Reise hat einen niedrigen Schwellenwert. Es ist zwar eine Reise in eine Welt, die in vielem fremd geworden ist, und biblische Vorstellungen und Ausdrucksweisen sind oft nicht mehr unmittelbar verständlich. Die Reise bietet aber die Möglichkeit, sich leicht in 14 Etappen einen Überblick zu verschaffen. Alles, was man für die virtuelle Reise braucht, sind ein internetfähiges Endgerät und ein wenig Zeit, Neugier und Lust, die Schätze zu heben, die in der Bibel verborgen sind. Und dabei hoffen wir, dass nicht nur die kulturellen Bezüge, sondern auch die existentielle Bedeutung der biblischen Texte für die Reisenden sichtbar werden.

Wie unterscheiden sich die katholischen und evangelischen Lesarten und Sichtweisen auf die biblischen Erzählungen, wenn es um das Vermitteln des Inhalts geht?

Düfel: Die Bibel ist für alle Christinnen und Christen das zentrale Buch ihres Glaubens. Und die Aufgabe, die Bibel im Gespräch zu halten, unterscheidet sich nicht konfessionell. Die Lesarten unterscheiden sich kaum, so wie es in den Bibelwissenschaften auch kaum Differenzen gibt. Natürlich wurden die Bibeltexte in unterschiedlichen Zeiten anders ausgelegt und da gibt es in der Historie immer wieder andere Interpretationen, Schwerpunkte und Folgerungen. Das ist doch spannend! Die Texte auf dieser ökumenischen Reise kann man immer entweder in der Einheitsübersetzung oder der Lutherbibel anklicken. Und schon das zeigt eine gegenseitige Wertschätzung und sagt etwas über die Verbundenheit.

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