Buchtipp
"Kindheit am Rande der Verzweiflung - Die fatalen Folgen von Isolation und Lockdown": Bernd Siggelkow, Gründer und Leiter des Hilfswerks "Die Arche", schildert in seinem neuen Buch die Folgen der Corona-Pandemie für benachteiligte Kinder und Jugendliche.
Siggelkow Buchtipp

Die abstrakten Zahlen zu Corona, die am grünen Politikertisch geführten Debatten über nötige oder überflüssige Maßnahmen gegen die Pandemie, macht der Jugendwerksleiter Bernd Siggelkow greifbar und konkret.

"Kindheit am Rande der Verzweiflung - Die fatalen Folgen von Isolation und Lockdown"

In seinem Buch "Kindheit am Rande der Verzweiflung - Die fatalen Folgen von Isolation und Lockdown" (Claudius Verlag, München) beschreibt Siggelkow, Gründer und Leiter des weitverzweigten christlichen Hilfswerks "Die Arche", das 4.500 benachteiligte Kinder und Jugendliche betreut, ungeschminkt und authentisch die Situation dieser Kinder und ihrer Familien.

Bernd Siggelkow stößt auf erschreckende Zustände

Dabei ist Siggelkow ganz nah an der Realität. Er besucht regelmäßig die Familien mit einem Rundum-Service, der von der Lieferung dringend benötigter Lebensmittel bis hin zu moralischem Zuspruch reicht, und holt die Kinder wo immer möglich aus ihrer häuslichen Situation. Dabei stößt er auf erschreckende Zustände - alleinerziehende Mütter, die mit der Situation völlig überfordert sind, und Kinder, die vereinsamt vor sich hinleben und jeden Anschluss an Schule und Bildung verloren haben.

Bei ihnen geht es nicht um einen zusätzlichen Tapeziertisch in der Küche für die Hausaufgaben, sondern wie sie an einen Laptop kommen, wie sie in beengten Wohnverhältnissen inmitten vieler Geschwister überhaupt einen Rückzugsort für die Schule finden.

Häusliche Gewalt während des Lockdowns

Weil Außenkontakte fehlen, berichtet Siggelkow von Familien, die immer auf engstem Raum zusammenleben müssen, was zu Konflikten bis hin zu häuslicher Gewalt führen kann. Deshalb kommt er zu dem bitteren Fazit, dass es während des Lockdowns theoretisch für viele Kinder sicherer gewesen wäre, "in einem dunklen Park spazieren zu gehen, als sich im eigenen Kinderzimmer aufzuhalten".

Siggelkow stellt seine Erkenntnisse, die er aus persönlichen Begegnungen gewonnen hat, immer wieder in einen größeren Rahmen, wenn er etwa einschlägige Studien zitiert, und sucht nach Lösungen. Die Corona-bedingten Schuldefizite könnten, so einer seiner Vorschläge, Lehramtsstudierende mit einem speziellen Förderunterricht ausgleichen, jedes Kind sollte eine "Grundsicherung" von 600 Euro bekommen, die in technischen Support und eine gute schulische Infrastruktur investiert werden sollten.

Siggelkow fordert die Politik zum Handeln auf

Die nüchterne Bestandsaufnahme, die der Autor ohne emotionales Pathos vorlegt, macht aber vor allem deutlich, dass sich die Politik ganz schnell und ganz intensiv um diese abgehängten Kinder und ihre Familien kümmern muss. Denn ansonsten würde der Teufelskreis von Bildungsferne, Armut und mangelnder gesellschaftlicher Teilhabe einer ganzen Bevölkerungsgruppe auf Dauer betoniert.

Bernd Siggelkow

Kindheit am Rande der Verzweiflung

Die fatalen Folgen von Lockdown und Isolation

Verstörte Kinder, verzweifelte Eltern, zerrüttete Familien, Armut, Gewalt, Verwahrlosung und Hilflosigkeit: Das verborgene Leid, das Bernd Siggelkow bei seinen Besuchen bei Familien in prekären Verhältnissen erlebt, ist ein Akt des Grauens. Die Hilfesysteme sind heruntergefahren, viele Kinder- und Jugendeinrichtungen geschlossen. Auch wenn die Coronapandemie irgendwann überwunden sein wird: Das Leid, das Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien erfahren haben, wird lebenslange Folgen haben. Der Arche-Gründer und Sachbuchautor Bernd Siggelkow beschreibt die zum Teil dramatische Situation, in der sich Kinder befinden, und skizziert, wie eine Gesellschaft beschaffen sein müsste, in der das Kindeswohl nachhaltiger geschützt ist.

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