19.05.2020
Coronavirus in Afrika

Theologin berichtet aus Kenia: Menschen empfinden Isolation und Quarantäne "als Bestrafung"

Durch das Virus Covid-19 und die damit verbundenen Einschränkungen hat sich in Kenia das Leben dramatisch verändert.
Margaret Obaga (Mitte) an einem Infostand von Mission EineWelt.
Margaret Obaga (Mitte) an einem Infostand von Mission EineWelt.

Die kenianische Theologin Margaret Obaga berichtet aus ihrer Heimat nach Bayern. Sie war von 2014 bis Ende 2019 ökumenische Mitarbeiterin beim evangelischen Partnerschaftszentrum Mission EineWelt in Neuendettelsau.

Persönlicher Kontakt und Begegnung auf Tuchfühlung "gehören sozusagen zur DNA des gemeinschaftlichen Lebens auf jeder Ebene", beschreibt sie die Umstellung für die Kenianer.

Verschiedene Arten von Händeschütteln und Umarmungen gehörten dazu, wenn Grüße ausgetauscht würden. Enger Kontakt sei für die gängigen Trauer- und Beerdigungsrituale wichtig.

Isolation und Quarantäne als Bestrafung

Die Menschen seien sich bewusst, dass Einschränkungen notwendig seien, würden aber Isolation und Quarantäne als Bestrafung empfinden, erläuterte Obaga. Der Zwang "zum kulturellen Umschalten" führe immer wieder zu Konflikten zwischen den Menschen und mit staatlichen Anordnungen.

Die Herausforderung für Regierung und Bevölkerung sei da am größten, wo viele Menschen zusammenlebten: in den Slums und den Stadtzentren. Am härtesten treffe es die Menschen, die im Niedriglohnbereich arbeiteten. Das sei die Mehrheit der kenianischen Bevölkerung.

Hilfe aus Bayern

Obaga arbeitet beim Aufbau der kenianischen Diakonie der Evangelisch-Lutherische Kirche (KELC) mit. Die Hilfsorganisation habe inzwischen erste finanzielle Unterstützung von der bayerischen Landeskirche erhalten, teilte sie mit. "Wir werden überschüttet mit Anfragen, ob wir Lebensmittel und Hygieneartikel besorgen und verteilen können", schilderte sie die Lage.

Besonders groß sei der Bedarf nach Hilfe bei Menschen in schwierigen Lebenssituationen, bei den Kranken, den Älteren, den Waisen, den Witwen und den Menschen mit Handicaps. Die Situation habe sich nach dem Abgang von Schlammlawinen und Überschwemmungen nach ungewöhnlich starken Regenfällen im ganzen Land noch verschlechtert.

Die lutherischen Gemeinden der KELC hätten digitale Angebote für Spiritualität und Seelsorge, erklärte die Theolgin weiter. Auf diesem Weg könne man den Mitgliedern auch die Richtlinien zum Social Distancing, zum Händewaschen mit Seife und zum Tragen von Masken erklären.

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