Sie geben sich auf Tiktok oder Instagram als Gleichaltrige aus, bahnen Kontakte an, treffen sich oder lassen sich explizite Fotos schicken, mit denen sie die Kinder und Jugendlichen unter Druck setzen. Cybergrooming ist eine Form von sexualisierter Gewalt im Netz, die inzwischen schon Grundschulkinder treffen kann. Täter*innen nutzen die sozialen Medien und Chats, Spiele wie Fortnite, um sich als Gleichaltrige auszugeben und Vertrauen aufzubauen. Täter*innen sind nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche können Gleichaltrige sexuell belästigen.

Die bewusste Kontaktaufnahme zu Minderjährigem im Internet mit dem Ziel sexueller Handlungen ist in Deutschland strafbar. Alleine der Versuch kann mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. 

Im Jahr 2024 wurden bundesweit 3.457 Fälle von Cybergrooming erfasst (2023: 2.580 Fälle). Die Polizei geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. 

Was können Eltern gegen Cybergrooming unternehmen?

Wenn die Kinder ein Smartphone erhalten, verlieren die meisten Eltern den Einblick in die Welt der Kinder. Was die Kinder auf dem Smartphone tun, kann nur schwer kontrolliert - und unsachgemäße Nutzung nur unzureichend verhindert werden. Ob ein Kind von Cybergrooming betroffen ist, bekommen die Eltern also unter Umständen gar nicht mit.

Der beste Tipp aller Beratungsseiten: Eltern sollten versuchen, einen ehrlichen und offenen Austausch mit den Kindern nicht zu verlieren. Die sollten eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Kinder über ihre Online-Erlebnisse sprechen können, ohne sofort bewertet zu werden.

Oft hilft es, beim Abendessen selbst zu erzählen, was wir als Eltern in den sozialen Medien oder Online erleben oder gesehen haben. Vielleicht berichten wir davon, was uns verstört hat, was wir seltsam gefunden haben oder dass wir beobachtet haben, wie der Algorithmus gerade gezielt bestimmte Informationen in den eigenen Stream gespült hat. Dann können wir unsere Kinder fragen, was sie denn sehen, welche Inhalte sie zugespielt bekommen und welche Erlebnisse ihre Mitschüler*innen denn machen.

Vielleicht zeigen wir selbst ein Bild oder einen Post oder teilen diesen mit der Familie. Das ist eine gute Gelegenheit, über den geteilten Inhalt zu diskutieren. Oder wir sprechen darüber, wie wir unseren Freund*innen und Bekannten folgen - und erzählen, warum wir den einen unsere Likes geben und anderen nicht. Dann können wir fragen, mit welchen Freund*innen unsere Kinder Kontakt haben - und wie die Kommunikation unter ihnen läuft. 

Medienkompetenz fördern

Wenn Eltern ihren Kindern strikte Nutzungsregeln für das Smartphone erteilen, sorgt das häufig für Stress und Auseinandersetzungen. Eine permanente Überwachung oder gar ein Internetverbot sind aber der falsche Weg. Vielmehr sollten Eltern Vertrauen aufbauen und die Medienkompetenz stärken.

Oft ist es einfacher, gemeinsam die Regeln festzulegen und etwa auch Zeitkorridore zu vereinbaren, während denen das Kind das Smartphone nutzen kann. Es kann helfen, gemeinsame Chatregeln festzulegen. So kann eine Familie für sich beispielsweise vereinbaren: „Wir teilen niemals persönliche Daten oder private Fotos; wir geben keine wichtigen Daten wie ein Passwort weiter. Alle wichtigen Infos werden ausschließlich mündlich und persönlich weitergegeben." - Damit sind alle Familienmitglieder vor Phishing geschützt.

Technische Maßnahmen gegen Cybergrooming

Wer ein neues Tool auf dem Smartphone installiert, sollte dies am besten gemeinsam mit dem Kind machen. Dann können Kindersicherungen eingestellt und transparent kommuniziert werden. Die Kinder sehen dann auch, welche Informationen genau die Eltern sehen – und fühlen sich dann weniger beobachtet und kontrolliert. Auch können gemeinsam die Sicherheitseinstellungen kontrolliert werden.

Hilfreich ist es auch, anzukündigen, wann und warum der Account des Kindes überprüfen wird. Ein Elternteil könnte ankündigen: "Im ersten halben Jahr möchte ich einmal im Monat sehen, was du dir anschaust. Gerne schauen wir gemeinsam auf dein Konto und sprechen darüber." Oder: „Ich melde mich einen Tag bevor ich auf deinen Account schaue. Ich werde dann kontrollieren, ob die Einstellungen noch stimmen.“ Je offener die Eltern im Umgang mit den Smartphones sind, desto eher werden die Kinder auch die Kontrolle akzeptieren.

Smartphones sind eine Erweiterung der Lebensumgebung unserer Kinder. Aus diesem Grunde reagieren Kinder und Jugendliche auch so sensibel, wenn die Eltern die Geräte der Kinder kontrollieren. Sie haben den Eindruck, dass die Eltern die Privatsphäre überschreiten. Und hier können Eltern signalisieren, dass sie diese private Kommunikation durchaus respektieren, aber das Kind begleiten wollen und die Grenzen aufweisen. 

Diskussionen aushalten

Welches Spiel, welche App darf mein Kind nutzen? Oft gibt es Streit in der Familie, weil die Kinder eine App nutzen möchten, die Eltern dies aber nicht möchten oder den Zeitpunkt als zu früh erachten. Hier hilft nur ein offenes Gespräch: Eltern sollten erklären, was gegen die Apps oder Tools spricht – und warum sie die Nutzung verbieten. Oft hilft es auch, ein temporäres Verbot zu vereinbaren, also etwa zu erklären, dass man die Entscheidung in einem Jahr erneut diskutieren kann. Dann können die Jugendlichen nach einem halben oder ganzen Jahr nachfragen und das Thema erneut auf die Tagesordnung bringen.

Warnzeichen erkennen

Ernst nehmen sollten Eltern, wenn sich das Verhalten des eigenen Kindes verändert. Wirkt das Kind verschlossen oder ängstlich? Wird es immer stiller und passiver? Kauft es sich überraschend neue Kleidung oder Dinge, die es sich eigentlich nicht leisten könnte oder die völlig aus der Ordnung fallen? Möchte es über die eigenen Online-Aktivitäten nicht mehr sprechen und versucht, die Aktivitäten auf dem Smartphone zu verbergen? 

Oft ist es für Eltern gar nicht so einfach, ein Gespräch mit dem Kind zu beginnen. Vielleicht kann ein ruhiger Moment oder eine Situation beim Abendessen genutzt werden, um ein Gespräch anzukündigen und zu sagen, dass man mit dem Kind ein wichtiges Thema besprechen möchte. Dann sollte das Verhalten beschrieben werden und das Kind gefragt werden, warum es sich so verhält. Vielleicht gibt es eine ganz andere Erklärung für das Verhalten. 

Im Verdachtsfall richtig handeln

Wenn das eigene Kind aber plötzlich mit dem Smartphone vor den Eltern steht und einen Chatverlauf zeigt mit einem Inhalt, der eindeutig auf Cybergrooming verweist, geht es darum, richtig zu handeln. Eltern sollten ihre Kinder ernst nehmen, ihnen in Ruhe zuhören und Mitgefühl und Verständnis zeigen. 

Hierfür gibt es konkrete Empfehlungen des Kinderschutzbundes: Die Eltern sollten die Chatverläufe sichern, aber keine anzüglichen Inhalte speichern, weil diese strafbar sein können. 

Die Eltern sollten ihren Kindern signalisieren, dass sie nicht schuld sind - sondern die Mobber*innen oder die Täter*innen sich falsch verhalten. Die Kinder sollten nicht mehr reagieren und auf Nachrichten und Anschuldigungen oder Drohungen nicht mehr reagieren. Die Groomer sollten gesperrt werden, die Accounts können auch den Socialmedia-Betreibern gemeldet werden.

Dann sollten Kinder und Jugendlichen ihre Mail-Accounts ändern, ihre Telefonnummer ändern oder Profile im Netz sperren oder einschränken. 

Anschließend sollte umgehend die Polizei kontaktiert werden, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wenn Mitschüler*innen betroffen sind oder die Täter*innen sind, sollte auch die Schule informiert werden.

Vor allem bei Fotos gilt: Niemand darf Fotos von Menschen ins Netz stellen ohne Genehmigung. Und niemand darf Lügen verbreiten oder die Kinder beleidigen und schlecht machen

Beratungsstellen bei Cybergrooming

 

  • JUUUPORT: Der Verein berät Jugendliche bei Fragen und Problemen rund ums Web, z.B. bei Cybermopping
  • Beratung zum Thema Cybermobbing: Weisser Ring
  • Anwälte bieten kostenlose Beratung für Menschen bis 21 Jahre: Safe im Recht
  • Verein Cybermobbing - bietet Onlinehilfe und Angebote für Schulen
  • NummergegenKummer: Der Verein ist aus dem Kinderschutzbund hervorgegangen. Kinder und Jugendliche können sich dort am Telefon oder online beraten lassen: Telefon 116 111 oder per mail.
  • Polizei: Auf der Internetseite www.polizei.beratung.de finden sich Beratungsstellen in der Nähe.