Was ist der Ewigkeits- oder Totensonntag? An diesem Tag, der 2025 auf den 23. November fällt, geht es um das, was wir sonst gern wegschieben: den Tod. Wir erinnern uns an Menschen, die gestorben sind – und wir halten inne. Das hat eine lange Geschichte.

Der Totensonntag ist nicht nur ein kirchlicher, sondern auch ein staatlich geschützter Tag: ein stiller Feiertag. Öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen – Sport ausgenommen – sind von 2 Uhr früh bis Mitternacht verboten. Weil er immer am letzten Sonntag des Kirchenjahres liegt, fällt er je nach Kalender zwischen den 20. und 26. November.

Wir erklären, warum der Totensonntag in der evangelischen Kirche ein Feiertag ist – und weshalb seine Tradition tiefer reicht, als viele denken.

Ewigkeitssonntag oder Totensonntag – das Kirchenjahr geht zu Ende

Mit dem Ewigkeits- oder Totensonntag endet das Kirchenjahr. In vielen Kirchen wird an diesem Tag ein Gottesdienst gefeiert, in dem die Namen der Verstorbenen verlesen werden. 

Neben dem Gedenken spielt auch der Blick auf die eigene Lebenszeit eine Rolle. Wer es schafft, Abschied und Tod nicht zu verdrängen, sondern ihnen im Alltag einen Platz zu geben, gewinnt oft einen anderen Zugang zum Leben. Vergänglichkeit kann dann auch als Klärung und nicht nur als Verlust verstanden werden.

Und es sind nicht nur evangelische Christ:innen, die diesen Tag nutzen: Viele Gläubige anderer Konfessionen gehen vor Beginn der Adventszeit noch einmal auf den Friedhof.

In den Religionen wird unterschiedlich erinnert – aber überall wird erinnert

Alle Religionen der Welt antworten auf die Frage nach dem Tod. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen Christ:innen ihren Glauben an "die Auferstehung der Toten und das ewige Leben". 

Im Christentum spielte der Umgang mit den Toten immer eine zentrale Rolle. Über Jahrhunderte wurden Menschen auf Kirchhöfen bestattet – mitten im Dorf, mitten im Leben.

Mit dem Totengedenktag im November bekam auch der spätere Totensonntag seinen Platz. Und der passt – mit fallenden Blättern, grauem Himmel und den ersten Schnee- oder Graupelschauern – ganz natürlich in diese Jahreszeit.

Totengedenken bei Kelten und im Kloster Cluny

Totengedenken ist keine christliche Erfindung. Keltische Völker feierten am 1. November ihr großes Jahresfest "Samhain" – ein Übergang zwischen Erntedank und Neujahr, der als Vorläufer von Allerheiligen und Allerseelen gilt. Und irgendwann wurde aus diesem Fest das, was wir heute als "Halloween" kennen: eigentlich "All Hallow Eve", der Vorabend von Allerheiligen.

Im 11. Jahrhundert griff Abt Odilo aus dem Kloster Cluny das Thema erneut auf. Er führte einen eigenen Gedenktag für alle Verstorbenen ein: den Allerseelentag. Die Tradition traf einen Nerv und verbreitete sich rasch. Spätestens im 14. Jahrhundert kam sie in Rom an. Ein Gräbergang am Nachmittag des Allerheiligenfestes ist für 1578 belegt – vermutlich war er aber schon älter.

In Bayern haben diese Tage noch einmal eine eigene Ausprägung. Hier prägen die katholischen Bräuche nach Allerheiligen und Allerseelen das Gedenken. Dazu gehört bis heute das Backen von Seelenzöpfen oder Allerheiligenstriezeln, die früher an Arme und Kinder verschenkt wurden.

Totensonntag – ein Kind der Reformation

Für die evangelischen Kirchen gilt der Totensonntag als Feiertag – und er geht klar auf die Reformationszeit zurück. Er war eine bewusste Alternative zum katholischen Allerseelentag und wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals in einer Kirchenordnung erwähnt.

Seine landesweite Einführung in Preußen folgte allerdings viel später. König Friedrich Wilhelm III. bestimmte 1816 – bewegt von den vielen Toten der Befreiungskriege – einen "Feiertag zum Gedächtnis der Entschlafenen". Seitdem wird er immer am letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen.

Ob es eines Tages eine ökumenische Zusammenführung dieser Gedenktage geben wird? Niemand weiß es. Doch eines verbindet die Menschen bis heute: Viele Familien – katholische wie evangelische – gehen an diesen Tagen auf den Friedhof, legen ein Gesteck nieder, zünden eine Kerze an und halten einen Moment inne.