6.03.2019
Kommentar

Biene oder Schnake: Warum es keine guten und bösen Tiere gibt

"Rettet die Schnaken!" – Wer würde so eine Kampagne unterstützen? Vermutlich niemand. Es sind halt keine Bienen. Die haben als Sympathieträger gerade dem Volksbegehren Artenvielfalt über 1,8 Millionen Stimmen verschafft. Mit Wespen hätte das vermutlich auch nicht geklappt.
Wolf - Artenschutz

Gegenwärtig diskutiert die Nation über den Umgang mit Wölfen. Tierschützer verwahren sich energisch dagegen, deren Abschuss wenigstens in begrenzter Zahl zu gestatten. Doch was ist mit den armen Schäfchen, denen das nach Deutschland zurückgekehrte Raubtier Nacht für Nacht so blutig den Garaus macht?

Tier ist eben nicht gleich Tier. Zwar ist "Tierwohl" ein neuerdings geradezu inflationär verwendeter Begriff, doch zeigt der Mensch je nach Art ein sehr unterschiedliches Interesse am Wohlergehen seiner Mitgeschöpfe. Auf den Hund lässt der Deutsche natürlich nichts kommen. Die Massentierhaltung von Rindern und Schweinen, Puten und Hühnern ist hingegen den meisten Menschen ziemlich egal, solange das Fleisch nur schön billig ist. Auch wer im Streichelzoo ein blökendes Lämmchen erblickt, möchte über den Festbraten am Ostersonntag wohl lieber nicht nachdenken.

Sind Bienen besser als Schnaken?

Doch der Hang zum Tierwohl speist sich nicht nur aus Attributen wie süß oder niedlich. Im Grunde ist Tierwohl universell, doch das führt ins Uferlose. Ein besonders bizarres Beispiel war Ende Februar in Bensheim zu erleben, als eine Ratte im Kanaldeckel stecken blieb. Was früher oder später Nachbars Katze erledigt hätte, rief dort die Feuerwehr auf den Plan, die den Nager befreite. Andere Städte beklagen eine Rattenplage und geben ihren Bürgern Tipps, wie sie die Lebensbedingungen der Krankheitsüberträger nicht durch ihr Fehlverhalten befördern. Bald legt vielleicht auch die Stadt Bensheim wieder Giftköder aus.

Wie man es auch dreht und wendet: Es gibt keine guten Tiere und keine bösen. Welche gehätschelt und welche verspeist werden, welche der Mensch hegt und pflegt und welche er vernichtet, das ist rationalen Argumenten nicht zugänglich. Wir wollen die Vielfalt der Insektenwelt erhalten, schon aus Selbsterhaltungstrieb, weil sie die Vermehrung von Pflanzen sicherstellen. Wir essen gerne Honig, doch nachts wollen wir uns nicht stechen lassen oder schlimme Krankheiten einfangen. Aber sind Bienen deshalb besser als Schnaken?

Für artgerechte Haltung und ein Ende ohne unnötige Qual zu sorgen gebietet die ethische Verantwortung. Doch Leben und Gesundheit von Menschen dem Tierwohl hintanstellen? Unfug. Deshalb werden Schnaken bekämpft. Ratten auch.

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Zurzeit ist überall von Bienen die Rede, obwohl es Winter ist und kalt – eigentlich keine Saison für die fleißigen Tierchen. Doch ihr Summen ist gerade überall zu hören, weil die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) das Volksbegehren »Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen!« initiiert hat und damit ins (Gelb-)Schwarze getroffen hat.
Sonntagsblatt