13.02.2019
Kommentar

Über die Debatten(un)kultur rund um "Rettet die Bienen"

Ob Artenschutz oder Tempolimit: Zur Zeit wird jede Debatte gleich dogmatisch. Statt Grabenkämpfe aus Gesinnungslagern zu führen, sollten sich die Kontrahenten besser zuhören.
Biene - Umweltschutz - Artenvielfalt

Die Eintragungszeit für das Volksbegehren Artenvielfalt ist zu Ende. Wie die Debatte über "Rettet die Bienen" geführt wurde, zeigt, wie empfindlich unsere Gesprächskultur geworden ist.

Was vielleicht daran liegt, dass das von einem prinzipiell guten Ansinnen geprägte Volksbegehren in erster Linie den Landwirten Vorgaben macht und dabei Industrie, Straßenbau oder kommunalen Flächenfraß vergisst. Nur zwei Beispiele: Nach dem 15. März sollen keine Wiesen mehr gewalzt werden, egal, ob vorher noch Schnee liegt. Und: Vor dem 15. Juni sollen keine Wiesen gemäht werden dürfen. Wer sich ein bisschen mit Landwirtschaft befasst, weiß, dass solche Stichtage nicht funktionieren, da Wetter und Vegetation mitspielen müssen. Gegner des Volksbegehrens werfen den "Bienenrettern" daher vor, sich ihr grünes Gewissen mit einem "Ablass" per Unterschrift zu erleichtern.

Sensibilisierung nötig

Dass ein Thema wie der Artenschutz von sich gegnerisch bildenden Lagern als dogmatisch begründet dargestellt wird, ist nicht neu. Erst vor wenigen Wochen wurde die Debatte rund um Diesel-Fahrverbote in den Medien breit diskutiert. Schnell bezichtigten sich auch hier die Vertreter unterschiedlicher Positionen gegenseitig der "Ideologie" und erinnerten an zwei Boxer, die knurrend in ihrer Ecke sitzen und nur auf den Gong warten, um im Ring zum heftigen Schlagabtausch zusammenzukommen. Auch hier geht es um die Umwelt und unsere Gesundheit, nicht zuletzt um die Schöpfung.

Und dann gibt’s noch den kreativen Ansatz, wie ihn beispielsweise die Biolandwirte Michael Stolzenberger aus Bütthard bei Würzburg oder Peter Bodendörfer aus Kirchensittenbach bei Hersbruck zeigen: Sie wollen auf einigen Flächen öko-zertifiziertes Saatgut aus Wild- und Kulturarten für eine "Bienenweide" streuen und vergeben Patenschaften, mit denen sich Interessierte für 50 Euro pro 100 Quadratmeter ihr auf Wunsch mit Namensschild versehenes Stück Natur erwerben können. Wie Bodendörfer dem Sonntagsblatt mitteilte, waren schon für rund 9.000 Quadratmeter Fläche bis 10. Februar Zusagen eingegangen. –

Ist aber eine Bienenweidenpatenschaft nach der Unterschrift zum Volksbegehren nicht nur ein erweiterter "Ablass"? Auf jeden Fall ist die Aktion nachhaltiger. Gut, dass die Gesellschaft durch das Volksbegehren für den Artenschutz sensibilisiert wurde. Und idealerweise lernen wir alle aus den Grabenkämpfen darum, dass Zuhören und miteinander Reden besser ist, als es sich in den eigenen Gesinnungslagern gemütlich zu machen.

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Sonntagsblatt