8.11.2020
Bildung

320 Studierende in neun Studiengänge starten in Zeiten von Corona an der Evangelischen Hochschule Nürnberg

Die Präsidentin der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN), Professorin Barbara Städtler-Mach, hätte die Studierende gerne in Präsenz begrüßt, doch dieses Jahr lief alles anders ab. Was ProfessorInnen der Hochschule zum digitalen Semester und über ihre Erfahrungen aus dem Sommer sagen.
Evangelische Hochschule Nürnberg Außenansicht

Wieder befindet sich Deutschland in einem Teil-Lockdown. Auch die Evangelische Hochschule Nürnberg (EVHN) kennt das schon, fand doch das Sommersemester in weiten Teilen digital statt. Nun aber fingen am Montag 320 Erstsemester an.

Doch das Wintersemester begann wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen anders als sonst. "Zum Semesterstart hätten wir die Erstsemester sehr gerne in Präsenz begrüßt, wie jedes Jahr alle gemeinsam in der LUX - Junge Kirche Nürnberg", sagt die EVHN-Präsidentin und Professorin Barbara Städtler-Mach, Sonntagsblatt.de. Stattdessen fanden mehrere Zoom-Begrüßungen der einzelnen Studiengruppen statt.

"Es gab viele tolle, kreative und gemeinschaftsfördernde Elemente, zum Beispiel ein Andachtsvideo des Regionalbischofs, online-Fitness-Übungen, Kennenlernen in Kleingruppen oder auch einen virtuellen 3D-Rundgang durch die Hochschule", erklärt Städtler-Mach. Bereits im Sommersemester konnte Sonntagsblatt.de mit Professorinnen und Professoren der Hochschule über die Auswirkungen eins digitalen Semesters sprechen.

Zoom-Vorlesungen sind anstrengendere als gedacht

Professorin Martina Plieth  lehrt und forscht im Studiengang "Gemeindepädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit" an der EVHN. Ihre größte Vorlesung im Sommersemester hatte rund 60 Teilnehmer, davon sah sie maximal 24 auf dem Bildschirm. "Man guckt permanent auf den Monitor, muss gleichzeitig auf den Chat achten und eigentlich eine Stunde nonstop in die Kamera schauen, das erschöpft einen sehr", sagt sie. Für sie seien diese Vorlesungen viel anstrengender gewesen als die Präsenzvorlesung. Trotzdem erklärt sie auch, dass die Umstellung auf die digitale Lehre im Großen und Ganzen recht gut geklappt hat: "Es war auch nicht alles negativ."

Martina Plieth: "Wir wollen doch keine "Zoomies" werden, wir wollen doch Menschen bleiben."

Gleichzeitig sieht sie auch eine Schwierigkeit in der Vermittlung des Lehrstoffs. "Wie soll ich in Zeiten von Social Distancing andere aufrufen, in Beziehungen zu treten?", fragt Plieth. Sie sei dazu übergegangen, dass die Studierenden bei ihr anrufen können. So habe es auch ungewöhnliche Fragen gegeben. "Die Patentochter einer Studierenden wollte wissen, warum Gott Corona nicht einfach wegmachen könnte", erzählt die Professorin.

Insgesamt sei der Kontakt mit vielen Studierenden persönlicher geworden. Dagegen fände der Small Talk in den Pausen nicht statt. Das Zwischenmenschliche fehle immer wieder. Im Sommer fiel beispielsweise auch die Examensfeier aus.​

Evangelische Hochschule Nürnberg: Gerüstet für das digitale Wintersemester

Professor Michael Bayer sieht vieles ähnlich wie seine Kollegin: "Letzten Endes ist mir aber wieder deutlich geworden, warum ich den persönlichen Kontakt zu Studierenden und das Lehren in Präsenz so schätze und warum ich eben nicht an einer Fernhochschule tätig bin oder tätig sein möchte."

Gleichzeitig habe er das Hochschulleben außerhalb des Hörsaals als negativ empfunden, da der direkte Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen fehlte. "Alle Begegnungen müssen geplant und abgestimmt werden", so Bayer.

Zum Wintersemester und den Start der Erstsemester sagt er: "Ich denke, dass das Wintersemester an unserer Hochschule im Großen und Ganzen dem Sommersemester gleichen wird, mit der zusätzlichen Herausforderung, dass dann eine große Gruppe Erstsemester ihr Studium aufnehmen wird." Die Integration dieser Studierenden erfordere nochmal ganz andere Anstrengungen.

Situation im Sommersemester habe alle überrascht

Dem pflichtet auch Professorin Brigitte Bürkle bei: "Technik, Verwaltung, Bibliothek und wir Dozierende – in den letzten Wochen waren alle sehr kreativ, wir sind gut vorbereitet für das Wintersemester." Denn gerade für die Erstsemester, für die alles neu sei, überlege man schon länger, wie man ihnen einen guten Einstieg ermöglichen kann.

Für sie sei das Sommersemester eine sehr gemischte Erfahrung gewesen. Immerhin habe die Schließung der Hochschule mit dem kurzen Vorlauf alle überrascht. "Insgesamt können meiner Meinung nach alle Hochschulmitglieder stolz auf sich sein, dass es so gut gemeistert werden konnte", sagt Bürkle.

Präsidentin der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Prof. Dr. Barbara Städtler-Mach
Die Präsidentin der Evangelischen Hochschule Nürnberg: Prof. Dr. Barbara Städtler-Mach.
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