9.06.2014
Mehr als 8.000 Exponate

Privatmuseum ist Wunderkammer des Hesselberglandes

Der bemalte Porzellanteller war den Erben wohl zu altbacken: "Immer fröhlich und zufrieden" steht drauf, und bestimmt stand das gute Stück mal in einer Bauernstube im Hesselbergland. Nun gehört es zum Inventar des Heimatmuseums von Hans Spatz (69) in Ehingen – zusammen mit rund 8000 anderen Stücken.
Der Sammler Hans Spatz
Hans Spatz hat sich mit seinem privaten Heimatmuseum einen alten Traum verwirklicht. Zeugnisse evangelischer Volksfrömmigkeit wie dieses Konfirmationsbild von 1916 gehören zum stolzen Inventar seines Hauses.

Der Ruhestandslandwirt hat seinen Hof zu einem Schaufenster in die Vergangenheit seiner Heimat gemacht. Von der Metallwärmflasche über ein ausrangiertes Wehrmachtsfahrrad bis zum Emailleschild "Hier spricht die NSDAP", an dem einst die Parteigliederungen ihre Sprechstundenzeiten mitteilten, reicht die Sammlung. Das meiste hat irgendwie mit der Region zu tun, aber natürlich gibt’s auch Abseitiges wie eine Sonderausgabe der Zeitschrift "Quick" zum Tode von Präsident Kennedy. Aber ein historienbewusster Jäger und Sammler schmeißt eben auch sowas nicht weg.

Hans Spatz wuchs in einer Wirtschaft in Oberschwaningen auf. Dort spitzte er die Ohren, wenn die Alten von früher erzählten und begann schon bald, jene Sachen als Schätze zu hüten, die andere auf den Schutt warfen. 2001 verwirklichte er seinen Lebenstraum vom eigenen Heimatmuseum. Seit die Leute sehen, in welch guten Händen ihre Erbstücke bei Spatz sind, bekommt er die Exponate nachgetragen.

"Und verkauft wird sowieso nix, das ist doch Ehrensache"

Und so wird’s auch bleiben: Denn die Sammlerleidenschaft hat er seinem Sohn Wolfgang vererbt.

Dossier

Bayerischer Kirchentag auf dem Hesselberg

Der Hesselberg, mit rund 689 Metern höchster Berg Mittelfrankens und in der Nähe von Wassertrüdingen, ist seit dem Jahr 1951 eng mit der evangelischen Kirche verbunden. Vor 66 Jahren eröffnete dort der damalige Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) die neu gegründete Landvolkshochschule. Aus diesem Einweihungsfest entwickelte sich der heutige Bayerische Kirchentag. In unserem Dossier erfahren Sie mehr über den Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg.

Welche Exponate gibt es zu sehen?

Manchmal bringen die Leute einfach etwas vorbei, manchmal braucht man einen langen Atem. Als junger Mann erlebte Spatz in Röckingen den Bildervortrag eines Feldfotografen aus dem Ersten Weltkrieg. 50 Jahre später wanderte die Sammlung als Schenkung ins Spatz´sche Museum. Zu den jüngsten Errungenschaften gehört ein fast kompletter Friseurladen aus Ehingen.

Was gibt’s sonst zu sehen? Bierkrüge in Hülle und Fülle, mehrere Volksempfänger, ein Benzinfaß, aus dem 1942 in Griechenland Wehrmachtsfahrzeuge betankt wurden. Ein königlich-bayerisches Ortsschild "Friedrichsthal" aus Holz, Puppenstuben, eine Wäschemangel, ein Rechnungsbuch der Gemeinde Beyerberg aus dem 18. Jahrhundert, eine Tante-Emma-Registrierkasse.

Auf der Tafel des Gasthauses Blank ist noch mit Kreide der Übernachtungspreis für "2 Betten mit Frühstück" eingetragen: 2 Mark 50. Ein Webstuhl, ein Rechnungsbelag der Gasolin-Tankstelle Ehingen vom 1.9.1957. Und noch weiteres, die Aufzählung ist nicht ganz vollständig.      

Mehr Informationen

HEIMATMUSEUM SPATZ, Am Mühlbach 18, 91725 Ehingen

Tel. (09835) 422

E-Mail spaha@freenet.de

Internet www.heimatmuseum-spatz.de

Im Angebot sind auch Wandertouren über den Hesselberg.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt