Das Thema "Umweltbildung" ist Heike Lorenz ein echtes Anliegen. "Die Kinder sollen von klein auf lernen, Verantwortung für Umwelt und Natur und für Mutter Erde zu übernehmen", sagt sie. Lorenz leitet die integrative evangelische Kita Columbus im oberfränkischen Hof. In ihrem Kita-Alltag ist die Natur allgegenwärtig: 

"Wir sind viel mit den Kindern draußen, und wenn wir wissen wollen, wie eine Erdbeere aussieht, schauen wir sie nicht auf einem Tablet an - dann gehen wir in den Garten und naschen eine", sagt sie und lacht: So ergebe sich ein viel größerer Gewinn "für die Synapsenvernetzung im Gehirn".

Als sie über Freunde vom alljährlich stattfindenden "World Cleanup Day" erfuhr, war für Lorenz sofort klar: Sie ist mit ihrer Kita dabei. 2008 aus der estnischen Initiative "Let's Do It!" hervorgegangen, mobilisiert die internationale Bewegung Millionen von Menschen weltweit, auf die Straßen und in die Natur zu gehen und dort "aufzuräumen", also achtlos weggeworfenen Müll einzusammeln. 

Seit 2024 wird der "World Cleanup Day" am 20. September als offizieller UN-Aktionstag begangen. Initiativen und Gruppen können sich an Veranstaltungen beteiligen oder ihren eigenen "Cleanup" anmelden - in Deutschland sammelten im vergangenen Jahr laut Angaben der Veranstalter dabei mehr als 672.000 Teilnehmende 2.326 Tonnen Müll.

Umweltschutz und christlicher Glauben hängen zusammen

Solche Aktionen gibt es immer wieder auch dezentral - in Altbayern meist unter dem Begriff "Ramadama" (Hochdeutsch in etwa: "Aufräumen tun wir"). In der Kollektivaktion "World Cleanup Day" aber gehe es auch darum, ein Zeichen zu setzen. So heißt es vom deutschen Ableger, man verfolge das Ziel, mindestens fünf Prozent der Bevölkerung am "World Cleanup Day" zu mobilisieren. Denn dies sei der Schwellenwert, "den die Wissenschaft als kulturellen Kipppunkt für nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel beschreibt". Weiter wolle man Entscheidungsträger, Wirtschaft und Politik für "die Dringlichkeit des Problems" sensibilisieren.

Auch Heike Lorenz hat heuer ein "Cleanup" angemeldet - ihre Kita ist zum ersten Mal dabei. Sie erwartet, dass beim Müllsammeln einiges zusammenkommt: 

"Unsere Kita befindet sich im Bahnhofsviertel in Hof, und hier liegt wirklich viel Müll auf den Straßen - und auch in den Saale-Auen, die hier ganz in der Nähe sind." 

Für Lorenz, deren Kita zum Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) gehört, gibt es eine klare Verbindung zwischen Umweltschutz und Glauben. "Wenn wir mit Liebe und um Respekt miteinander umgehen und gut füreinander sorgen, sind wir Christen in Tätigkeit", sagt sie. Im Kita-Alltag spricht das pädagogische Personal viel mit den Kindern über die Goldene Regel, den ethischen Grundsatz, andere so zu behandeln, wie man auch selbst behandelt werden wolle. Respekt vor der Umwelt gehört da dazu, findet Lorenz.

Schöpfungszeit soll zum Nachdenken über Verantwortung anregen

Der "World Cleanup Day" fällt stets in die ökumenische Schöpfungszeit zum Schutz der Umwelt, zu der Kirchen unterschiedlicher Konfessionen jedes Jahr aufrufen. Dieses Jahr lautet das Motto: "Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?" aus dem biblischen Buch Hiob (38,18). Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ergänzt dazu, das Bibelzitat solle zu Demut und Staunen anregen und dazu, über die eigene Verantwortung im Umgang mit der Schöpfung nachzudenken.

Für Heike Lorenz liegt der Zusammenhang auf der Hand: "Wenn ein Kind über die Schönheit eines Schneckenhauses staunt, über das fantastische Wesen Hummel oder über den Duft von Schneeglöckchen, dann ist das ein Wunder", sagt sie. "Und die Dankbarkeit und die Demut vor Gottes Schöpfung, die kommt dann von ganz allein." Sie hofft, dass sie mit der Teilnahme ihrer Kita am "World Cleanup Day" einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, diese Schöpfung zu bewahren.