29.07.2018
Krankenhausseelsorge

Klinikseelsorge in der Forensischen Psychiatrie in Bayreuth

Die Forensische Psychiatrie stellt auch die Seelsorge vor besondere Herausforderungen. Pfarrerin Christine Laute erlebt dort immer wieder "die Schattenseiten der Leistungsgesellschaft".
Pfarrerin Christine Laute
Pfarrerin Christine Laute an einem ihrer Arbeitsplätze – der Kapelle im Bezirkskrankenhaus Bayreuth.

Die Patienten in der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth haben meist keinen leichten Lebensweg hinter sich. Im Elternhaus haben sie zum Beispiel nicht gelernt, mit Problemen umzugehen, und manchmal kommt es auch vor, dass frühere Opfer später zu Tätern werden. Da ist zum Beispiel jemand, der durch eine Babyklappe ins Heim kam und dann auf die schiefe Bahn geriet, oder ein jüngerer Erwachsener, der immer tiefer in die Sucht hineinrutschte.

Freilich, die oft traurigen und heftigen Geschichten entschuldigen nicht die Taten, aufgrund derer die Patienten im Rahmen des Maßregelvollzugs in der Klinik untergebracht sind. Und doch können sie helfen, die einzelnen Schicksale ein bisschen besser verstehen zu lernen und den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Christine Laute seit sechs Jahren Klinikseelsorgerin

Das weiß auch Pfarrerin Christine Laute, die seit sechs Jahren als Klinikseelsorgerin im Bezirkskrankenhaus Bayreuth arbeitet und die Seelsorge als eine echte Chance sieht. "Da ist eben jemand, der sich für die Patienten interessiert und ihnen vorbehaltlos begegnet", sagt Laute, "außerdem ist jeder Mensch Geschöpf und Ebenbild Gottes, aber gleichzeitig auch Sünder, der auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen ist."

Gerade die Patienten in der Forensischen Psychiatrie, die aufgrund einer schweren psychischen Krankheit oder einer Suchterkrankung eine Straftat begangen haben, sind ja doppelt stigmatisiert und haben allzu oft kaum Kontakte nach außen. Wie gut tut es da, wenn einfach jemand da ist und sich für einen interessiert, ohne gleich zu verurteilen, und wenn man sich seine Ängste und Probleme von der Seele reden kann: Lebensthemen, Alltagsbewältigung und Konflikte in der Klinik oder aber Rückschläge in der Therapie. Die Mitarbeiter seien sehr engagiert und die Therapien für viele Patienten auch sehr hilfreich, weiß die Pfarrerin, und doch käme es vor, dass manche kaum oder gar nichts damit anfangen können.

Viele Patienten begleitet Christine Laute auch schon über viele Jahre hinweg. Und nicht selten kommt es vor, dass explizit religiöse Themen, aber auch die Frage nach Glaube und Vergebung zur Sprache kommen. Da ist zum Beispiel jemand, der gerne den Sonntagsgottesdienst in der Kapelle besucht und für den der Glaube Halt bietet. Mit ihm spricht Christine Laute oft über solche Fragen. "Ich möchte ihm weitergeben, dass Gott ihn sieht, dass er Gottes Kind ist", sagt sie, "das ist für mich im Grunde genommen die befreiende und komprimierte frohe Botschaft."

"Man lernt viel über das Menschsein"

Die seelsorgerliche Arbeit mit psychisch kranken Menschen ist für Christine Laute schon lange ein Thema. Nach ihrer Schulzeit absolvierte sie ein soziales Jahr in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen und jobbte während ihres Studiums immer wieder in diesem Bereich. "Die Arbeit war für mich schon damals sehr bereichernd und sie ist es auch heute noch", erzählt die Seelsorgerin rückblickend, "man lernt viel über das Menschsein und sieht immer den ganzen Menschen an, seine Ressourcen, seine Kräfte, seine Kreativität und seine Selbstwirksamkeit."

Zu ihrer Arbeit im Bezirkskrankenhaus Bayreuth gehören aber nicht nur Besuche und Einzelgespräche, sondern auch Gottesdienste in der freundlich und hell gestalteten Kapelle und ab und an auch auf den Stationen der Klinik, außerdem die Organisation von Konzerten und der Patientenausflüge. Gerade diese Ausflüge oder aber der alljährliche Tanz in den Mai sind für die Patienten von großer Bedeutung, können sie doch so ein Stück normales Leben erfahren und vielleicht auch so etwas wie Lebensfreude spüren. Leicht ist die seelsorgerliche Begleitung der psychisch kranken und suchtkranken Patienten freilich nicht.

Auch Christine Laute hatte anfangs etwas mulmige Gefühle und manchmal auch gewisse Vorbehalte gegenüber den psychisch kranken Straftätern. Doch in der Zwischenzeit denkt sie darüber kaum mehr nach, denn sie ist überzeugt, dass diese Menschen eine zweite Chance verdient haben. "Ich erlebe hier immer wieder die Schattenseiten der Leistungsgesellschaft", sagt die Pfarrerin. "Gerade deshalb ist es mir wichtig, dass diese Patienten nicht vergessen werden und dass ich ihnen die nötige Aufmerksamkeit schenke, denn sie haben es ebenso verdient wie andere Menschen auch."

 

Forensische Psychiatrie

Straftäter, die Gerichte aufgrund ihrer psychischen Erkrankung als nicht oder vermindert schuldfähig erklären, werden in forensisch-psychiatrische Kliniken (psychiatrischer Maßregelvollzug) zur fachgerechten Behandlung untergebracht. Die Voraussetzungen dazu sind im Strafgesetzbuch geregelt. Voll schuldfähige Straftäter verbüßen hingegen ihre Strafe in Justizvollzugsanstalten. Die Einrichtungen des Maßregelvollzugs sind Fachkliniken mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Forensische Psychiatrie und Psychotherapie ist nicht Strafvollzug und ist nicht Sicherungsverwahrung.

(Quelle: www.dgppn.de)

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