31.03.2018
Brauchtum & Technik

Künstlerin fräst Ostereier mit Zahnarztbohrer

An Ostern hat das Ei Hochkonjunktur: aus Schokolade oder Marzipan, hartgekocht oder leergepustet, gefärbt, bemalt – oder gefräst wie bei Barbara Neuhaus aus Bischofswiesen. Bis zu 30 Stunden braucht die Künstlerin für ein Ei – und eine Menge Geduld.
Barbara Neuhaus fräst Ostereier mit dem Zahnarztbohrer.
Barbara Neuhaus fräst Ostereier mit dem Zahnarztbohrer.

Aus Hühner-, Enten- oder Gänseeiern macht Barbara Neuhaus filigrane Kunstwerke im Miniaturformat. Das Arbeitsgerät der Biologie- und Sportlehrerin ist ein Zahnarztbohrer. Mit dem Instrument, dessen hohes Sirren bei vielen Menschen Fluchtreflexe auslöst, fräst die Oster-Enthusiastin kunstvolle Lochmuster in die Ei-Rohlinge. Zart, gefühlvoll und mit äußerster Präzision geht sie dabei zu Werke. Als Anhaltspunkt dienen ihr feine Schablonenvorlagen, die sie vorher mit dem Bleistift auf die Oberfläche gezeichnet hat.

Ein ganzes Set unterschiedlicher Bohrköpfe kommt zum Einsatz, damit Barbara Neuhaus die unterschiedlichen Muster herausarbeiten kann. In der Regel geschieht das auf der Terrasse ihres Hauses in Bischofswiesen, da es mitunter ordentlich staubt. "Das hat auch den Vorteil, dass ich die Eier einfach hinter mich werfen kann, wenn es mal zu Rissen kommt", erklärt die Mutter von vier Kindern. Bei jedem zehnten Ei kommt das vor. "Man hört es kurz davor schon am Bohrgeräusch", sagt die 60-Jährige.

Ostereier mit Lochmuster und Delphin.
Ostereier mit Lochmuster, Seefahrergeschichten und bunten Ornamenten.
Zahnarztbohrer fräst Löcher ins Ei.
Mit dem Zahnarztbohrer fräst Barbara Neuhaus Löcher ins Ei.
Ostereier anmalen.
Anschließend bemalt die Künstlerin aus Bischofswiesen die Eier mit Aquarellfarben, Tusche und Lack.
Eier mit Lochmuster.
Dabei entstehen fragile Gebilde mit mehr Löchern als Schale.
Gans im Eierschalen-Nest.
Jedes Ei ist ein Unikat: Die Gans im Eierschalen-Nest und das Wiegen-Ei ...
Ei zur Geburt der Tochter.
... das Ei zur Geburt iher Tochter ...
Vogel-Eier.
... genauso wie die Eier mit Vogelmotiven im asiatischen Stil.
Anleitung für Fräs-Eier.
Punkt 3 ist Betriebsgeheimnis: Wie man die Eihaut entfernt, ohne die Eier zu beschädigen, weiß Barbara Neuhaus von ihrem Schwager, der Apotheker ist.
Eier in Verpackung.
Bis zum nächsten Jahr lagern die Eier sicher verpackt - hunderte Ausstellungsobjekte sind in rund 40 Künstlerjahren zusammen gekommen.

Die Idee mit dem Bohrer kam ihr während der Studienzeit in Erlangen. "Ostermärkte mit bunten Eiern haben mich immer schon fasziniert. Es gab bemalte, beklebte oder Batik-Eier, aber keine mit Löchern drin", erinnert sich Neuhaus. Ein Bohrer im väterlichen Keller brachte sie dann auf die Idee mit dem neuen Design. Inzwischen sind ihre kleinen Kunstwerke auf Ostermärkten in ganz Deutschland, in der Schweiz und sogar in Paris gefragt.

Nachdem sie das schweißtreibende Ausblasen der Eier mittels einer Luftpumpen-Konstruktion mit Gummianschluss elegant gelöst hatte, steuerte ihr Schwager eine weitere hilfreiche Idee bei. "Der ist Apotheker und zeigte mir ein Hilfsmittel, mit dem man die Eihaut ohne äußere Eingriffe zuverlässig entfernen kann", erzählt die geschickte Kunsthandwerkerin – die Einzelheiten bleiben ein Betriebsgeheimnis.

Meisterstück: Gänse-Ei mit über 1000 Löchern

Zwischen eineinhalb und 30 Stunden braucht Neuhaus bis zur Fertigstellung der filigranen Kunstwerke. Sie kosten zwischen 12 und 250 Euro. Ihr Meisterstück ist ein Gänse-Ei mit über 1000 Löchern, entstanden in reiner Handarbeit. Nicht weniger kunstvoll wirkt das Wiegen-Ei mit altdeutscher Schrift, das sie anlässlich der Geburt ihrer Tochter Sarah entworfen hat.

Doch nicht nur durch die Lochmuster erfreuen die wundersamen Gebilde das Auge. Mit Aquarellfarben, Tusche, Lasurstiften und Lack entstehen ganze Geschichten auf den Eiern. Sie erzählen von der Arche Noah, von der  Erziehung des Vogelnachwuchses, von Seefahrtsgeschichten mit Delfinen, vom Guten Hirten oder zeigen in verschwenderischer Farbenfülle Seerosen, käseknabernde Mäuse und andere Tiere oder Pflanzen. Besonders raffiniert erscheint eine Gans, die ein verziertes und aufklappbares Ei mit Goldrand und Scharnier als Nest gekapert hat.

Kein Ei gleicht dem anderen, wenn Barbara Neuhaus ihre Schätze in weiche Kartons gebettet verpackt und bis zum nächsten Osterfest einlagert. Pro Jahr kommen zu Grundstock, der mehrere hundert Ausstellungsstücke umfasst, nur etwa 20 neue Kunstobjekte dazu. Wenn sie im nächsten Jahr für die nur wenige Wochen umfassende Marktphase ausgepackt werden, ist jedes Objekt wieder wie aus dem Ei gepellt. 

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