Religionsunterricht an Schulen
Bei den Erlanger Religiösen Gesprächen diskutierten Vertreter*innen von Christentum, Judentum und Islam die Frage, was der Religionsunterricht leisten kann und soll. Besprochen wurden die verschiedenen Formen des religiösen Lernens und wie sie sich verändern müssen.

Religionsunterricht könne ein "Wärmestrom" sein, der Schüler*innen die Chance gebe, in ihre Religion hineinzuwachsen. So hat es Georg Langenhorst, katholischer Religionspädagoge an der Universität Augsburg, am Mittwoch bei den Erlanger Religiösen Gesprächen formuliert. Eingeladen hatte das Bayerische Forschungszentrum für Interreligiöse Diskurse (BaFID) an der FAU Erlangen-Nürnberg. Im Zentrum der Podiumsdiskussion zwischen Vertreter*innen von Christentum, Judentum und Islam stand die Frage, was der Religionsunterricht leisten kann und soll.

Chancen des Religionsunterrichts

Langenhorst nannte verschiedene Formen religiösen Lernens. Konsens im christlichen Religionsunterricht seien eher die Religionskunde, die von außen auf die verschiedenen Religionen blickt, sowie das Lernen von Religionen, das auch persönliche Erfahrungen einbindet. Er selbst plädiere aber für eine wieder stärkere Bedeutung des Angebots, die eigene Religion als mögliche spirituelle Heimat kennenzulernen. Als positive Beispiele nannte er den konfessionellen Unterricht der Geschwisterreligionen Islam und Judentum.

German Djanatliev, Lehrer für jüdischen Religionsunterricht, betonte in diesem Zusammenhang, das Judentum sei eine "praktische Religion, die den Alltag der Menschen prägt". Daher habe der Religionsunterricht die Aufgabe, den Kindern und Jugendlichen nicht nur Grundwissen zu vermitteln, sondern sie auch politisch und im zwischenmenschlichen Bereich zu lehren und an die jüdische Gemeinschaft zu binden.

Herausforderungen, mit denen Religionslehrer zu kämpfen haben

In einem Umfeld, in dem nur wenige Kinder ein großes religiöses Vorwissen aus der eigenen Familie mitbrächten, während viele andere sich kaum mit ihrem Glauben auseinandergesetzt hätten, sieht der Geschäftsführer der Stiftung Sunnitischer Schulrat, Amin Rochdi, eine große Herausforderung: "Wir müssen beiden ein passendes Angebot geben." Hinzu komme, so Rochdi, dass muslimische sowie jüdische Schüler*innen ihre Identität nicht nur selbst definieren könnten, sondern auch immer von außen definiert würden. Konfessioneller Religionsunterricht könne in diesem Zusammenhang Halt geben und die Basis für einen interreligiösen Dialog schaffen.

Alle drei Religionspädagogen waren sich darin einig, dass Religionsunterricht auch Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben und ein Verständnis für andere Religionen und Konfessionen anbieten solle. "Fundamentalismus gehört nicht zum Religionsunterricht", fasste es Djanatliev zusammen.

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