6.05.2019
App in die Kirche

Thomaskirche Grünwald erreicht Menschen via Smartphone

Angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen beschäftigt diese Frage alle Kirchengemeinden: Wie erreichen wir die Menschen vor Ort? Die Thomaskirche Grünwald sagt: per App! Stets aktualisiert sind so Gemeindeprogramm, Predigtimpulse und Konfi-Quiz immer in der Hosentasche dabei.
Kirchenapp der Thomaskirche
Per App schnell informiert: Die Thomaskirche in Grünwald hat für ihre App und das Gesamtkonzept der Öffentlichkeitsarbeit einen Medienpreis der bayerischen Landeskirche erhalten.

Zum Gesamtkonzept ihrer Öffentlichkeitsarbeit - von der Landeskirche erst kürzlich mit einem Medienpreis prämiert - gehören hochwertige Infobroschüren, ein Familienkalender und eine eigene App. So hält das Team um Pfarrer Christian Stalter Alteingesessene und Neuzugezogene auf dem Laufenden.

Das Herzstück des Konzepts ist die App. Wer sich das kleine Programm aufs Smartphone lädt, hat die Thomaskirche kompakt in der Tasche. Stets aktualisiert finden sich dort die Gemeindetermine genauso wie der Predigtimpuls zum Sonntag, eine Sammlung von Tauf- und Konfirmationssprüchen und eine passwortgeschützte "Konfi-Ecke".

Taufspruch via App

Wie selbstverständlich Menschen heute mit solchen Informationsquellen umgehen, erlebt Pfarrer Christian Stalter in manchem Taufgespräch: "Da laden sich die Eltern die App direkt aufs Handy, wenn wir über den Taufspruch nachdenken, und haben dann gleich alle Gemeindeinfos zur Hand." Kein noch so schön gestalteter Gemeindebrief kommt da heran, wenn er – im besten Fall – zu Hause auf dem Küchentisch liegt.

Als nächstes Angebot planen die Grünwalder einen eingeschränkten Chat via App. Wer Infos braucht, soll direkt an einen Ansprechpartner kommen. "Seelsorge können wir so nicht machen, aber mindestens das Angebot für ein Gespräch", sagt der Pfarrer, der für die Pflege der App derzeit etwa 90 Minuten Arbeitszeit pro Woche einplant.

Familienkalender Thomaskirche Grünwald
Mit dem Familienkalender im Kühlschrank-Format schafft die Thomaskirche Übersicht über die Gemeinde-Highlights.

15.000 Euro hat die Entwicklung der App gekostet, finanziert über Spendengelder. Die Pfarrsekretärinnen halten den Terminkalender aktuell. Christian Stalter ist stolz auf das fünfköpfige Team für Öffentlichkeitsarbeit, "alles Frauen, topfit und innovativ". Kommunikation, sagt der Theologe, sei eben eine Stärke von Frauen.

Ein spezielles Angebot der App ist die "Konfi-Ecke". Mit ihrem persönlichen Passwort gelangen die Konfirmanden auf die Seite, auf der sie Infos zur Person Jesu, zu Bibel, Kirchenjahr und Gemeinde finden. Ein Multiple-Choice-Quiz lädt unterwegs zum Wissenstest ein. Und weil es nicht mehr selbstverständlich ist, dass Jugendliche heute das Vaterunser kennen, finden sich in der Konfi-Ecke auch solche "Lerntexte" als Kernstücke des Glaubens.

App und digitaler Konfi-Unterricht

Christian Stalter nutzt die App und andere digitale Angebote auch verstärkt im Konfirmanden-Unterricht. "Viele Jugendliche nehmen digital vermitteltes Wissen besser auf als solches vom Papier", ist seine Erfahrung. Wenn er einen Film über Anne Frank oder Martin Luther King zeige, bleibe mehr hängen – "diskutiert wird danach trotzdem gern", sagt der Pfarrer.

Insgesamt kommt die App der Thomaskirche beim jungen und älteren Gemeindevolk gut an. "Viele staunen und sagen: Wie kann Kirche so modern sein? Das hätte ich ihr nicht zugetraut!", sagt Stalter. Ihm sei wichtig, dass gerade Jugendliche erlebten, "dass sie auch mobil mit Glaube und Kirche in Kontakt kommen und im Gespräch bleiben können".

Moderne Kommunikation auf Papier

Neben dem digitalen Angebot, zu dem natürlich auch eine Internetseite gehört, bietet die Thomaskirche aber auch Infomaterial auf Papier. Doch auch hier haben sich die Haupt- und Ehrenamtlichen – übrigens seit 2012 als Vorbereitung auf das Lutherjahr 2017 – gut überlegt, wie sie sich präsentieren wollen. Herausgekommen sind mittlerweile zwei Magazine über die Menschen der Gemeinde – mit Porträts und Protokollen und vielen Profi-Fotos.

Glanzstück ist aber das Heft "Glaube – Zwischen Himmel und Erde", das in acht Kapiteln wesentliche Glaubensthemen vermittelt – aus Theologen- und aus Laiensicht. Ursprünglich wollte Christian Stalter viel mit Bildern arbeiten.

Bedürfnis nach geistlichem Impuls

Doch er wurde überrascht von dem deutlichen Wunsch vieler Gemeindemitglieder, "mehr über den Glauben zu lesen". Also finden sich in dem Magazin nun kurze, aber fundierte Impulstexte über die Gnade Gottes, über die biblische Botschaft, über Taufe und Abendmahl, über Kirche als spirituellen Raum und über Orientierung auf dem gemeinsamen Glaubensweg. Vor allem die persönlichen Glaubenszeugnisse der Ehrenamtlichen schaffen eine berührende Nähe – eine Identifikationsmöglichkeit auch für Menschen, denen Kirche fern ist.

Gerade bei Neuzugezogenen und Taufeltern oder bei Gemeindeveranstaltungen sind die Gemeindemagazine gefragt. Auch die Kosten für Fotos, Layout und Druck der Broschüren sind in Grünwald über Spenden finanziert. "Ich frage bei Taufen oder Trauungen, ob jemand daran Interesse hat", sagt der Pfarrer. Positiver Nebeneffekt: Die Spender identifizierten sich mit "ihrem" Projekt – so ist gleich wieder ein Beziehungsfaden geknüpft.

Familienkalender im Kühlschrankformat

Eine scheinbar simple, aber wirkungsvolle Idee ist schließlich der "Familienkalender" im Kühlschrankformat. Auf vier ansprechenden Blättern im Querformat sind die wichtigsten Familiengottesdienste und -angebote der vier Jahreszeiten präsentiert. Ist der Frühling um, druckt man sich das Sommer-Blatt aus und pinnt es neben Schulinfos und Einkaufszetteln an die Zettelwand, die es allem digitalen Fortschritt zum Trotz dann doch noch in vielen Familienhaushalten gibt.

Auch beim Gemeindebrief könnte sich in Grünwald bald einiges ändern. Schon jetzt achtet das Team durch eine große Schrift auf leichte Lesbarkeit sowie auf Qualität bei den Inhalten. Umfragen zeigten jedoch, dass der Gemeindebrief nach spätestens einer Woche im Papierkorb landet – obwohl er den Zeitraum von vier Monaten abdeckt. "Was ist da nachhaltiger?", fragt Christian Stalter. Vermutlich der digitale Weg – und so könnte der Gemeindebrief künftig bald nur noch als Internetversion angeboten werden.

In Planung: Gottesdienst per Livestream

Doch nicht nur die Jungen sind im Fokus des Öffentlichkeits-Teams. "Viele Menschen, die zu Hause Angehörige pflegen, kommen sonntags nicht weg", sagt Stalter. Für sie und andere, die nicht in die Kirche können oder wollen, möchte der Pfarrer ab 2020 regelmäßig Gottesdienste übertragen: per Livestream übers Internet

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Autor
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