12.04.2019
Gemeindeleben online

Wie Sie die Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Kirchengemeinde verbessern

Mühevoll gestaltete Gemeindebriefe, übersichtliche Websites und bunte Profile in den sozialen Medien: Die bayerische evangelische Landeskirche hat kürzlich sieben Kirchengemeinden und ein Jugendwerk für ihre vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet. Was können andere Gemeinden und Institutionen von ihnen lernen?
Besprechung in der Sonne

1. Arbeiten Sie im Team!

So vielfältig die von der bayerischen evangelischen Landeskirche ausgezeichneten Gemeindebriefe, Internetseiten und Social-Media-Auftritte sind, eines haben sie gemein: Sie sind das Ergebnis echter Teamarbeit. Erwin Bartsch ist Gemeindepädagoge der Kirchengemeinde St. Rochus in Zirndorf und bestückt zusammen mit einem Redaktionsteam die preisgekrönte Website zirndorf-evangelisch.de. Er findet, die Gruppenarbeit hat vor allem Vorteile: "Mehrere Menschen schauen darauf, korrigieren Fehler, haben neue Ideen. Das ist wichtig – ein kreativer Prozess."

Auch Hauke Höpcke aus dem Online-Team neumarkt-evangelisch.de der oberpfälzischen Kirchengemeinde Neumarkt ist der Meinung, nur eine Gruppe könne gewährleisten, dass auf der Website täglich aktuelle Inhalte veröffentlicht werden: "Wir sind vier ehrenamtliche Redakteure. Das führt dazu, dass auf der Seite Bewegung ist."

Die Münchner St.-Markus-Kirche wurde bei der Preisverleihung am Rande der Synodaltagung Ende März in Lindau für ihren Instagram-Account "Kirche mit dir" geehrt. Das Profil gibt es seit Juli 2018. Es wird sowohl von Gemeindediakon Harald Braun und Pfarrer Olaf Stegmann bespielt als auch vom gesamten Kirchenvorstand. "Bloß keine One-Man-Show", warnt Stegmann. Sonst würden wichtige Blickwinkel und Perspektiven fehlen, die die Menschen auf das Leben und die Gemeindearbeit haben.  

Cornelia Rings, Öffentlichkeitsbeauftragte der Thomaskirche Grünwald, rät dennoch, es müsse einen Verantwortlichen geben, der den Überblick behält und "den ganzen Prozess durchsteuert". Ihr mediales Gesamtkonzept, für das die Thomaskirche einen Preis verliehen bekommen hat, sei anders kaum umsetzbar gewesen, sagt die Kirchenvorsteherin.

2. Suchen Sie sich professionelle Unterstützung!

Ein ansprechendes Layout, umsichtiges Lektorat und zeitgemäße Technik sind enorm wichtig für gute Öffentlichkeitsarbeit. Da sind sich die Vertreterinnen und Vertreter der ausgezeichneten Kirchengemeinden und Einrichtungen einig. Fast alle haben sich in diesen Bereichen professionelle Hilfe gesucht.

Pfarrer Jörg Hellmuth erklärt, wie der Monatsgruß der drei Kirchengemeinden St. Stephan, St. Verena und St. Johannes in und um Lindau erstellt wird: "Wir haben eine Redakteurin, die die Artikel aufs Schärfste korrigiert und in eine Form bringt." Zusätzlich kümmere sich eine Grafikerin um die Gestaltung. Es sei absolut sinnvoll in diese Aufgaben Geld zu investieren, ist sich Hellmuth sicher: "Das zahlt sich am Ende aus, wenn die Leute den Gemeindebrief nicht wegschmeißen, sondern auch lesen."

Auch in der Christuskirche Selb, die Pfarrer Johannes Herold gemeinsam mit seiner Ehefrau Sandra Herold leitet, beauftragen sie eine Layouterin damit, die Seiten des Gemeindebriefs mit dem Titel "Einblick" zu gestalten. Die Druckkosten sponsert eine Firma aus der Region, sagt Johannes Herold. Einmal im Jahr sammelten sie zudem Spenden bei den Gemeindemitgliedern. So könnten sie die Kosten decken.   

Gemeindepädagoge Erwin Bartsch von der Zirndorfer Kirchengemeinde St. Rochus ist froh, dass er sich zusammen mit seinem Online-Team um den technischen Hintergrund seiner Website nicht zu sorgen braucht. "Es gibt ständig Neuerungen, die ein Ehrenamtlicher allein oder ein Hauptamtlicher mit begrenzter Zeit gar nicht stemmen kann", sagt Bartsch. Die Zirndorfer arbeiten deshalb mit einer Website der Internetagentur Vernetzte Kirche, die sich darauf spezialisiert hat, Musterwebsites für Gemeinden und kirchliche Einrichtungen zu entwerfen und sie technisch zu betreuen.

 

Wie sieht vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit bayerischer evangelischer Kirchengemeinden aus? Die Gewinnerinnen und Gewinner des Medienpreises 2019 der Landeskirche geben Tipps für Gemeindebriefe, Websites, Social Media & Co. Ein Beitrag von Katharina Hamel (Crossmedia).

3. Nutzen Sie die neuen Medien!

Fast jede Kirchengemeinde in Bayern hat einen Gemeindebrief, in dem sie ihre Mitglieder über Gottesdienste, Familienfreizeiten, Senioren-Nachmittage und Renovierungsarbeiten informieren. Doch gerade junge Leute erreicht das bedruckte Papier nicht mehr. Pfarrer Johannes Herold aus dem oberfränkischen Selb stellt fest: "Ab einer gewissen Zielgruppe ist der Gemeindebrief völlig irrelevant." Mit dem Preisgeld der Landeskirche in Höhe von 875 Euro will er nun die Website der Christuskirche nach Vorbild des Gemeindebrief-Layouts umgestalten lassen.

Die oberbayerische Thomaskirche Grünwald ist bereits auf vielen Kanälen aktiv. Die Öffentlichkeitsbeauftragte Cornelia Rings sagt: "Wir haben uns im Kirchenvorstand zum Ziel gesetzt, die verschiedenen Altersgruppen in unserer Gemeinde anzusprechen. Dazu reicht es nicht, nur ein Medium zu nutzen." Neben dem Gemeindebrief und diversen Broschüren gibt es darum eine Website und eine App (im Google Play Store und im Apple Store), in der unter anderem Veranstaltungstipps und ein geschlossener Bereich für die Konfirmanden zu finden sind.

4. Nutzen Sie die sozialen Medien!

Viele Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Kirchenvorstände zögern noch, ob sie sich in den sozialen Medien engagieren und präsentieren sollen – und wenn ja, in welchem der Netzwerke und wie. Die Münchner St.-Markus-Kirche hat positive Erfahrungen mit Instagram gemacht. Seit Juli 2018 veröffentlichen Kirchenmitglieder dort regelmäßig Fotos aus dem Musikgottesdienst, vom Kirchengebäude oder von Veranstaltungen. "Bilder transportieren wunderbar Emotionen", findet Pfarrer Olaf Stegmann. So entstehe in den sozialen Medien ganz schnell Kontakt und Begegnung – nicht nur mit jungen Leuten.

Auch die Evangelische Jugend Kaufering postet Fotos auf der Online-Plattform Instagram, die mit mehr als 15 Millionen Nutzern in Deutschland das derzeit erfolgreichste Netzwerk ist. Laut Nicole Frohnwieser, Mitglied des Jugendausschusses, folgen fast alle aktiven Gemeindemitglieder der Instagram-Seite. Dort erfahren sie, was für die kommenden Abende geplant ist und werden an zurückliegende Feste und Zusammenkünfte erinnert.

 

Gemeindebrief "Einblick" der Christuskirche Selb in Oberfranken
Der Gemeindebrief "Einblick" der oberfränkischen Christuskirche Selb.
Monatsgruß der evangelischen Kirchengemeinde Lindau
Der Monatsgruß der evangelischen Kirchen in Lindau und Wasserburg.
Screenshot der Website neumarkt-evangelisch.de
Screenshot der Website neumarkt-evangelisch.de der oberpfälzischen Kirchengemeinde Neumarkt.
Screenshot der Website zirndorf-evangelisch.de
Screenshot der Website zirndorf-evangelisch.de der mittelfränkischen Kirchengemeinde St. Rochus.
Screenshot der Facebook-Seite Vesperkirche Nürnberg-Lichtenhof
Screenshot der Facebook-Seite der Vesperkirche Nürnberg-Lichtenhof.
Screenshot der Instagram-Seite kirchemitdir der Münchner Markuskirche
Screenshot der Instagram-Seite "kirchemitdir" der Münchner St. Markuskirche.
Screenshot der Website thomasgemeinde-gruenwald.de
Screenshot der Website der Thomaskirche Grünwald. Die oberbayerische Kirchengemeinde wurde für ihr "Gesamkonzept Öffentlichkeitsarbeit" geehrt, zu dem auch eine App zählt.
Screenshot der Website jugend-kaufering.de der Evangelischen Jugend Kaufering
Screenshot der Website jugend-kaufering.de. Die Evangelische Jugend Kaufering in Oberbayern wurde für ihr "Gesamtkonzept Öffentlichkeitsarbeit" ausgezeichnet, zu dem auch eine Instagram- und eine Facebook-Seite gehören.

5. Sprechen Sie alle Menschen an – nicht nur Ihr Stammpublikum!

"Wir wollen vermeiden, als Gemeindeblatt rüberzukommen, das sowieso nur die interessiert, die jeden Sonntag in die Kirche gehen", sagt Pfarrer Johannes Herold. Mit dem Redaktionskreis der Christuskirche Selb versucht er deshalb, im Gemeindebrief gesellschaftlich relevante Fragen aufzugreifen. Für eine Ausgabe schrieb er zum Beispiel zusammen mit einem Landtagsabgeordneten einen Pro- und Contra-Artikel zur Flüchtlingspolitik. Aktuell behandelten sie das Motto der evangelischen Fastenaktion "Mal ehrlich". Herold zufolge geht die Strategie auf: Die neue Ausgabe von "Einblick" sei auch außerhalb von Selb gefragt.

Die Evangelische Jugend Kaufering schafft es nach eigener Aussage sowohl über ihre Website als auch über ihren Instagram-Account, neue Menschen zu motivieren, an ihren Veranstaltungen teilzunehmen. Nicole Frohnwieser aus dem Jugendausschuss bestätigt: "Wir haben immer wieder Leute von außerhalb da." Sie führt das auf ihre Online-Werbung zurück – auf die gut strukturierte Website, auf der alle Termine immer aktuell zu finden seien, und das starke Engagement in den sozialen Medien.

6. Halten Sie durch!

Öffentlichkeitsarbeit macht – das Wort steckt schon im Begriff – Arbeit. Die zahlreichen Plattformen zu betreuen ist aufwendig, sagt Cornelia Rings von der Thomaskirche Grünwald. Trotzdem lohne es sich: "Wir bekommen über unsere Website und unsere App sehr viele Online-Anfragen, die wir vorher nicht hatten, weil die Leute nicht wussten, dass es uns gibt und was wir alles tun."

Und für alle, denen der letzte Mut fehlt, hat Hauke Höpcke von der Kirchengemeinde Neumarkt einen Ratschlag: "Der wichtigste Tipp: Man soll sich trauen. Man soll's halt einfach machen, seine eigenen Ideen umsetzen. Der Rest kommt ganz von alleine!"

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