25.02.2018
Diakonie Bayern

Würzburger Thomaskirche wird zur Vesperkirche

Am 4. März 2018 wird die Würzburger Thomaskirche zur Vesperkirche. Zwei Wochen vor dem Start sind 75 Helfer eingetragen. Dazu kommen an den Wochentagen sechs bis acht Schüler des evangelischen Dag-Hammersköld-Gymnasiums.
Vorbereitungstreffen zur Würzburger Vesperkirche
Bei zwei Vorbereitungstreffen schrieben sich 75 Gastgeber in die Helferliste ein. Mit späteren Neuzugängen und etlichen Schülern bringt es die erste Würzburger Vesperkirche auf gut 100 Ehrenamtliche.

Im Schnitt sind täglich rund 20 Menschen im Einsatz. Damit sieht Vesperkirchen-Organisator Wolfgang Kümper die Durchführung auf sicheren Füßen. Die letzten Wochen dienen der "Feinarbeit", damit es am ersten Märzsonntag heißen kann: "Kommt, denn es ist alles bereit." Dafür sorgten laut Kümper "neben den Gastgebern zusätzlich Menschen, die uns als Fotografen unterstützen, zwei Friseurinnen, eine Fußpflegerin und zahlreiche Kuchenbäcker".

Besonders freut es ihn und Thomaskirchen-Pfarrerin Karin Jordak, dass die Philipp-Melanchthon-Schule der Diakonie und das Jugendzentrum im Stadtteil Grombühl im Lauf der zwei Vesperwochen mehrmals Kuchen backen möchten. Die Nagelkreuz-Initiative spendete Schürzen, die Initiative Partner-Kaffee Würzburg. Zusätzlich zur Anschubfinanzierung aus dem bayerischen Diakonischen Werk erbrachte eine Crowdfunding-Initiative fast 2000 Euro.

Kümpers Fazit: "Wir haben in kurzer Zeit ein dichtes Netzwerk aufgebaut und sind sicher, dass noch Unterstützer dazukommen, denn immer noch melden sich fast täglich Menschen, die in irgendeiner Weise mitmachen wollen." Wichtig ist der Gemeinde, dass zwei ur-evangelische Partner mit im Boot sitzen: Die Johanniter-Unfall-Hilfe misst an vier Tagen Blutdruck und Blutzucker und berät über Volkskrankheiten, Erste Hilfe bei Senioren und Hausnotruf. Die Diakonie-Sozialstation informiert über häusliche Pflege und Pflegeversicherung, Mitarbeiter der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit KASA geben Hilfestellung für allgemeine Notlagen, etwa zu Rente, Hartz IV usw. Außerdem ist die Diakonie mit Fachkräften des Beratungs-Zentrums präsent und bietet Auskunft über Trennung, Scheidung und Hilfen für Alleinerziehende.

Vesperkirche spricht alle Menschen an

Jordak und Kümper "ist es wichtig, dass dadurch Kirche als helfende Gemeinschaft sichtbar wird und Menschen ansprechen kann, die mit den sogenannten klassischen Angeboten der Kirche wie Gottesdiensten, Bibelstunden wenig anfangen können. Wir möchten zeigen, dass Kirche und Diakonie – als Hilfe am Menschen – zwei zusammengehörende Teile eines Ganzen sind."

Ein Drittel der Gastgeber fanden die Initiatoren über persönliche Beziehungen und dank Vermittlung der Diakoniebeauftragten der Gemeinden im Dekanat. Zwei Drittel kamen über die Öffentlichkeitsarbeit in Zeitungen und im Netz.

Die Motivationen der Gastgeber sind vielfältig. Da stellte sich eine 80-jährige Dame vor: "Ich bin vor einem Jahr zugezogen und möchte in Kontakt zu einer Gemeinde kommen." Viele leben erst seit Kurzem im Ruhestand und möchten "noch etwas Sinnvolles leisten". Ein Ehepaar kam aus einem Nachbarort zu einer Einführungsveranstaltung: "Die hat uns so gut gefallen, dass wir uns sofort in die Listen eingetragen haben." Eine andere Stimme: "Ich mache mit, weil es mir gut geht! So kann man sich revanchieren."

Diakonie macht sich auf den Weg

Neu in der Diakonie ist Claudia Kaufhold, zugleich Prädikantin in der Thomaskirche. Sie schätzt es, "dass Diakonie sich inzwischen aufmacht und aktiv in die Stadtviertel geht, um Gemeindeaktivitäten zu unterstützen". So profitiere die Diakonie "ihrerseits von den Begegnungen im sozialen Raum, statt in Beratungsstellen auf Menschen zu warten, die Hilfe benötigen". Kirche müsse zum Menschen gehen, "wenn sie wirklich prägend sein soll für mehr Mitmenschlichkeit und für die Präsenz des Christlichen in der Mitte der Gesellschaft".

Durch eine Vesperkirche nach diesen Grundsätzen würden für Kaufhold "alle gewinnen: die Diakonie durch größere Nähe zu den Menschen; die Gemeinde kann vielleicht auch kirchenfernere Menschen auf sich aufmerksam machen; der Stadtteil bekommt eine neue, inklusivere Form des Miteinanders, die dem schmerzlich wahrnehmbaren Trend der Vereinzelung entgegenwirkt". Das könne "ein überzeugender Weg sein, Menschen ungezwungen zueinanderzubringen und das Christliche wieder mehr zu den Menschen".

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