Rücktrittsangebot
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx schließt ein erneutes Rücktrittsangebot an den Papst nicht aus. Weitermachen, als sei nichts geschehen, will er auf keinen Fall.
Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx schließt ein erneutes Rücktrittsangebot an den Papst nicht aus. "Wenn sich eine neue Situation ergibt oder veränderte Umstände, die meinen Dienst grundsätzlich in Frage stellen, werde ich prüfen, ob ich nicht erneut das Gespräch mit dem Heiligen Vater suchen sollte", heißt es in einem Hirtenbrief von Kardinal Marx, der am Freitag veröffentlicht wurde.

Rücktritt: Papst lehnte Angebot von Marx ab

Marx hatte Papst Franziskus im Mai seinen Rücktritt als Erzbischof von München und Freising angeboten. Mit diesem Schritt wollte der 67-jährige nach eigenem Bekunden Mitverantwortung übernehmen "für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten". Franziskus lehnte das Rücktrittsangebot ab, ermunterte Marx aber, den eingeschlagenen Weg fortzuführen.

"Meinen Dienst als Bischof verstehe ich nicht als ein Amt, das mir gehört und das ich verteidigen muss, sondern als einen Auftrag für die Menschen in diesem Erzbistum und als Dienst an der Einheit der Kirche", schreibt Marx nun in seinem Hirtenbrief. Sollte er diesen Dienst nicht mehr erfüllen können, "dann wäre es an der Zeit - nach Beratung mit den diözesanen Gremien und auch der Aufarbeitungskommission und dem Betroffenenbeirat - zum Wohl der Kirche zu entscheiden und meinen Amtsverzicht erneut anzubieten".

Marx will nicht weitermachen, als sei nichts geschehen

Keinesfalls werde er aber "einfach weitermachen, als sei nichts geschehen". Einschneidend bleibe für ihn die Erkenntnis, dass im Raum der Kirche so viele Menschen Unheil und Leid erfahren hätten, schreibt Marx mit Blick auf das 2010 bekanntgewordenen Ausmaß an Missbrauchsfällen in der Kirche.

Leider hätten viele Menschen "durch Unterdrückung, Einschüchterung und geistliche Arroganz das Evangelium oft nicht als befreiende und hoffnungsvolle Botschaft erfahren", sondern seien "eher in eine Angst vor Gott geführt worden", so der Kardinal. Er werde er nun gemeinsam mit den diözesanen Gremien nach dem abgelehnten Amtsverzicht "überlegen, was es bedeuten kann, nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen".

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