23.06.2020
Corona-Krise

"Mehrbelastung zerrt an sehr engem Nervenkostüm": Alleinerziehende durch Corona-Krise zusätzlich belastet

Die ohnehin schwierige Situation von Alleinerziehenden spitzt sich nach Beobachtungen von Experten durch die Corona-Krise weiter zu.
Hand Schatten Kind Boden

"Es ist eine Mehrbelastung, die an einem sehr engen Nervenkostüm zerrt, weil Alleinerziehende tendenziell immer an der Belastungsgrenze sind", sagt die Bremer Familienberaterin Mary Dierssen in einem Podcast der Diakonie Bayern und Bremen.

Belastend seien in den zurückliegenden Wochen insbesondere der eingeschränkte Kita- und Schulbetrieb gewesen, erläutert Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Corona fordert Alleinerziehende heraus

Der Spagat zwischen der notwendigen Kinderbetreuung einerseits und der Aufgabe, den eigenen Job nicht zu gefährden, sei in der derzeitigen Lage besonders groß. Außerdem habe sich schnell herausgestellt, dass Arbeit und Kinderbetreuung zusammen nicht funktionierten.

"Homeoffice ist kein Ersatz für Kinderbetreuung", bekräftigt Schierenbeck. Deshalb sei die Ausweitung der Kita-Angebote besonders für Alleinerziehende wichtig.

Jobs weggebrochen

Schierenbeck plädiert überdies dafür, die finanzielle Absicherung zu verbessern, da Alleinerziehende oft auf Minijobs angewiesen seien, die jetzt aber weggebrochen seien: "Minijobber haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld."

Dierssen fügt hinzu, ausgebaut werden müsse auch das Angebot an Teilzeitausbildungen. Da sei Deutschland im Vergleich etwa mit skandinavischen Ländern "noch in der Diaspora". Gesellschaftlich müsse Alleinerziehenden mehr Wertschätzung entgegengebracht werden.

Verglichen mit Zwei-Eltern-Familien seien sie "immer noch die Randgruppe".

Der Podcast wurde gemeinsam von der Diakonie in Bayern und Bremen produziert. Dabei handelt es sich um die elfte Folge aus einer Serie von Beiträgen zu sozialpolitischen Themen.

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