Der schönste Tag im Jahr ist für Kinder und Jugendliche wohl ihr Geburtstag. Man darf die mit Abstand wichtigste Person des Tages sein. Weder Familie noch Freunde machen einem dieses Privileg streitig. Doch wie ist das, wenn man am 24. Dezember auf die Welt gekommen ist, dem prominentesten Geburtstag der Welt?

Genaue Zahlen über die Christkinder in Deutschland erfassen nicht alle Statistischen Behörden, doch es sind Zehntausende. In Bayern erblicken am 24. Dezember jährlich im Schnitt 250 Kinder das Licht der Welt. Kindergeburtstag unterm Weihnachtsbaum: ist das holy night oder holy shit? Drei jugendliche Christkinder erzählen.

Katharina: Weißwurstfrühstück an Weihnachten

Wenn Katharina Merk mit Gesang und Kuchen geweckt wird, dann ist ihr Geburtstag, und an dem gibt's traditionell ein Weißwurstfrühstück. Doch spätestens nach dem Mittagessen gehen die Patin und die beste Freundin heim, um den Heiligabend mit ihren eigenen Familien zu verbringen. "Es geht halt nicht den ganzen Tag um mich", sagt die 19-Jährige aus München, die mit ihrem Ehrentag am 24. Dezember nie ein Problem hatte. Immerhin könne sich jeder merken, wann sie geboren wurde.

Schwierig findet sie nur die Geschenkefrage:

"Ich muss mir noch mehr wünschen und weiß eh schon nie, was."

Trotzdem habe der doppelte Anlass nie zur Verminderung der Gesamtmenge geführt, lacht sie, fairen Eltern und Großeltern sei Dank. Bei ganz großen Geschenken wie einem Handy sei es für sie in Ordnung, nur ein Päckchen zu öffnen. Ihren Kindergeburtstag hat die junge Frau meist im Januar gefeiert. Den Namenstag der heiligen Katharina im April dafür umzuwidmen war ein Versuch, der sich nicht durchgesetzt hat - Geburtstag ist eben Geburtstag.

Tobias: Druck, sich viele Geschenke auszudenken

So geht es auch Tobias Domschke aus Königswinter bei Bonn. Wenn er das Datum 24. Dezember hört, denkt er als erstes an seinen Geburtstag. Fest gesetzt an diesem Tag sind die Mottotorte seiner Leibkonditorin und ein Schweinebein, denn der Neunjährige liebt rohen Schinken. Die abgesäbelten Scheibchen schmecken auch Opa und Tante, die mit der Familie beide Weihnachtstage verbringen.

Tobias kennt den Druck, wenn man "sich so viele Geschenke ausdenken muss".

Zumindest gibt es sie nicht alle auf einmal: Seine Schwester hatte, als der kleine Bruder als Kleinkind zum ersten Mal gefeiert wurde, gefragt, ob es denn dann morgen die Weihnachtsgeschenke gäbe. Die überraschten Eltern schauten sich an - und nickten. Seitdem praktiziert die Familie die angloamerikanische Variante und packt am Morgen des 25. Dezember im Schlafanzug aus. Dass der Kindergeburtstag später bis viel später stattfindet, hat Tobi noch nie gestört: Solange seine Mutter aufregende Aktionen wie Minigolf im Dunkeln oder einen Besuch im Trampolinpark organisiert, hat er keine Einwände.

Moritz: Morgens und abends wichtig

Für Moritz Bauer war der 24. Dezember stets ein großes Fest:

"Morgens war ich wichtig und abends nicht unwichtig. Erst kam der aufregende Teil, dann der zum Ausruhen."

Solange der 17-Jährige aus Pirna sich erinnern kann, gab es vormittags ein Feuer im Hof und Essen vom Grill. Freunde der Eltern und deren Kinder wurden zu eigenen Freunden und mischten sich mit anderen Gästen. Ob Piratenfest oder im Dreck spielen - das Kinderfest fand stets tagsüber statt.

Nach dem Ende gegen 15 Uhr gingen die Gäste, nur die Großeltern blieben, um pünktlich um 16.34 Uhr auf Moritz' Geburt anzustoßen - der perfekte Übergang zur Weihnachtsbescherung, die dann ab sechs Uhr abends per Würfel-Los ausgetragen wurde und immer noch wird.

"Ich kenn's nicht anders und war zufrieden so."

In diesem Jahr allerdings gibt es keinen Sekt. Von Alkohol wird der Führerschein-Neuling im Jahr 2023 tunlichst die Finger lassen, um an seinem 18. Geburtstag eine erste eigene Spritztour zu unternehmen. Die Zeiten des begleiteten Fahrens sind dann vorbei - und am Heiligabend die Straßen wohl ziemlich frei.

Kommentare

Diskutiere jetzt mit und verfasse einen Kommentar.

Teile Deine Meinung mit anderen Mitgliedern aus der Sonntagsblatt-Community.

Anmelden