2.02.2019
Des Rätsels Lösung

Die Auflösung des großen Sonntagsblatt-Weihnachtspreisrätsels 2018

Ein pöbelnder Mystiker, ein vertracktes Kreuzworträtsel, rätselhafte Zahlenspiele: Wie alt war Josef, als Jakob Manasse und Efraim segnete? Dazu ein rätselhafter heidnischer "Gnadengott", seltsame Zeichen und Pflanzen, – und singen mussten Sie auch noch. Auch 2018 war beim großen Sonntagsblatt-Weihnachtspreisrätsel ein Reigen an unterhaltsamen Knobeleien zu knacken. Hier sind die Antworten zum großen Sonntagsblatt-Weihnachtsrätsel 2018.
Das große Sonntagsblatt-Weihnachtsrätsel: Mitmachen, raten und einen von 100 wertvollen Preisen gewinnen!
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"Willst du den Perlentau der edlen Gottheit fangen / so musst du unverrückt an seiner Menschheit hangen."

Das war der Lösungsvers im großen Sonntagsblatt-Weihnachtsrätsel. Er stammt von Angelus Silesius. Im Evangelischen Gesangbuch (EG) ist er auf Seite 958 unten zu finden.

Die einzelnen Rätselfolgen ergaben als Lösungen: SCHAUEN SIE (I) INS EG ANGEL (II) US S. 958 UNTEN (III). Die Frage 15 ("Zusatzzahl") ergab als Lösung ebenfalls 958. Diese Angaben führten Sie auf Seite 958 des Gesangbuchs und zum dort unten auf der Seite abgedruckten Lösungsvers.

 

Die Lösungen im Einzelnen:

Teil I

  1. Die Taube auf dem Haupt …

Der Nürnberger Patrizier Anton Tucher II. (1458-1524) gab den "Englischen Gruß" für die Nürnberger Lorenzkirche in Auftrag, den der Künstler Veit Stoß 1517-18 schnitzte. Er zeigt den Moment, in dem der Engel Gabriel Maria ihre wundervolle Schwangerschaft mit Jesus verkündet. Über allem thront Gott-Vater, ganz unten symbolisiert die Schlange aus dem Paradies das Böse. Umrundet ist das Schnitzwerk von einem Rosenkranz, musizierenden Englein und Medaillons mit Szenen aus dem Leben Christi.

Die Reformation wurde in Nürnberg schon früh, 1524, eingeführt. Maßgeblich daran beteiligt: der gebürtige Gunzenhausener Andreas Osiander (1498-1552), der seit 1522 Prediger an der Lorenzkirche war. Über seinen Nachnamen hat man spekuliert, er sei – wie es viele Humanisten machten – eine Übersetzung des Familiennamens "Hosemann" ins Griechische, aber das ist wohl ziemlich sicher falsch.

Die Taube über ihrem Haupt symbolisiert den Heiligen Geist, durch den Maria schwanger wird (SCH). Osianders Vorname beginnt mit (A).

 

  1. Liebesbriefe einer großen Frau

Den abgedruckten Brief schrieb Rosa Luxemburg (1871-1919) im Sommer 1897 an Leo Jogiches (1867-1919). Beide stammten aus Polen, kamen aus jüdischen Familien und waren glühende revolutionäre Sozialisten. Noch sehr jung flohen sie in die Schweiz, wo sie sich 1890 beim Studium in Zürich kennen und lieben lernten. Gemeinsam gründeten Luxemburg (die eigentlich Rozalia Luksenburg hieß) und Jogiches 1893 im Exil die Sozialdemokratische Partei des Königreichs Polen. 1898 heiratete Rosa Luxemburg den 24-jährigen Schreinermaschinisten Gustav Lübeck – aber nur, um an einen deutschen Pass zu kommen. Sie ging nach Berlin, aber die Beziehung zwischen Rosa und ihrem "Dziodzio" dauerte noch bis 1907. Auch danach arbeiteten beide weiter eng zusammen.

Rosa Luxemburg gehörte zum linken, revolutionären und pazifistischen Rand der Sozialdemokratie. Aus Enttäuschung darüber, dass die sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien Europas, allen voran die SPD, den Ersten Weltkrieg nicht verhinderten, teils sogar begrüßten oder unterstützten, gründete sie 1917 zusammen mit Karl Liebknecht und Leo Jogiches den Spartakusbund, aus dem später die KPD hervorging.

Sie gehörten zu den führenden Köpfen der Revolution 1918/1919, die im Spartakusaufstand gipfelte. Die Revolution in Berlin wurde von den Freikorps grausam niedergeschlagen, Rosa Luxemburg zusammen mit Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 verhaftet und ermordet. Rechte Freikorps-Soldaten trieben Luxemburg mit nur einem Schuh an den Füßen auf die Straße, schlugen sie mit dem Gewehrkolben bewusstlos, schossen ihr in den Kopf und entsorgten die Leiche im Landwehrkanal. Erst Ende Mai fand ein Schleusenwärter ihren Leichnam.

Nach Luxemburgs und Liebknechts Tod wurde Leo Jogiches neuer Vorsitzender der KPD. Er versuchte den Mord an seiner früheren Geliebten aufzuklären und kam dabei selbst gewaltsam zu Tode: Er wurde Anfang März in seiner Wohnung in Berlin-Neukölln verhaftet und am 10. März 1919 im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit von einem Kriminalpolizisten durch einen Schuss in den Hinterkopf ermordet. (U)

 

  1. Weihnachtspredigt

Der evangelische Pfarrer, der nach KZ-Haft im September 1944 in Berlin wegen "Wehrkraftzersetzung" vor einem Militärgericht stand und überraschend freigesprochen wurde, war der bayerische Pfarrer Karl Steinbauer (1906-1988).  (E)

Der deutschnational gesinnte junge Pfarrer wurde früh Mitglied der NSDAP, trat aber auch bald wieder aus, als er die NS-Ideologie durchschaute. Im Kirchenkampf kam es zum Knall, als die drei lutherischen Bischöfe Meiser, Wurm und Marahrens im Januar 1934 in einer dramatischen Audienz bei Hitler unter der Drohung, die Zuschüsse an die Kirche würden gestrichen, ihren Protest gegen den deutschchristlichen NS-Reichsbischof Müller aufgaben. Steinbauer, Pfarrer in Penzberg, warf dem bayerischen Landesbischof Meiser vor, er habe die Kirche verraten, Christus verleugnet und "den Männern des Staates nicht das Christuszeugnis gegönnt". Als am 8. November 1935 in München die Opfer des Hitlerputsches vom 9. November 1923 exhumiert und in die neuen Ehrentempel am Königsplatz überführt wurden, verweigerte Karl Steinbauer für diese "Auferstehungsfeier" die Beflaggung seiner Kirche. Wegen dieses Verstoßes gegen das "Reichsflaggengesetz" wurde er in Weilheim zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Nach den Scheinwahlen vom März 1936 wurde nach dem über 99-prozentigen Wahlsieg Hitlers von 12 bis 12.30 Uhr ein Glockengeläute für alle Kirchen angeordnet. Steinbauer untersagte das Läuten in seiner Gemeinde: "Diese Wahl ist ein aufgelegter Schwindel, und schwindeln muss man ohne Gott." Vor der Polizei sagte er dann, Kirchenglocken seien nur dazu da, zu Gottesdienst und Gebet zu rufen. Daraufhin kam er sechs Tage in Weilheim in Schutzhaft.

Mit solchen Aktionen war die bayerische Kirchenleitung keineswegs einverstanden. Man wollte keine Konflikte mit dem Staat. Landesbischof Meiser empfahl dem jungen Pfarrer, ruhig zu sein, nicht aufzufallen und die Verantwortung dem Bischof zu überlassen. Aber Steinbauer war anderer Meinung: "Wir sind nicht katholisch, bei uns ist jeder Pfarrer in seiner Gemeinde verantwortlich, und Bischof von Penzberg bin ich."

Nach weiteren Konflikten und Verhaftungen sorgte der Reichsführer-SS Heinrich Himmler für die KZ-Haft des widerspenstigen Pfarrers. In einem Brief an den Landeskirchenrat schrieb er nach Steinbauers Einweisung nach Sachsenhausen: "Sie müssen mit einer längeren Inschutzhaftnahme des Pfarrers Steinbauer rechnen, da ich mir sonst keinen erzieherischen Erfolg verspreche..." Jetzt erst wurde Steinbauer in vollem Ausmaß deutlich, welches Unrecht im Dritten Reich tatsächlich geschah. Er erlebte mit, wie Häftlinge über einen Bock gelegt, geschlagen, an den rückwärts zusammengebundenen Armen aufgehängt wurden. Juden und Zigeuner wurden besonders übel behandelt. "Wir werden euch ausrotten, ihr Gesindel", hieß es.

In Sachsenhausen begegnete er auch dem gleichfalls inhaftierten Pfarrer Martin Niemöller. Mit List gelang es ihm, immer wieder kurz mit ihm zu reden, obwohl persönlicher Kontakt streng verboten war. Nach Beginn des Krieges versuchte Steinbauer im Oktober 1939 zur Wehrmacht versetzt zu werden. Landesbischof Meiser befürwortete seine Entlassung und Übernahme in die Wehrmacht in einem Brief an die Gestapo wärmstens: "Ich kenne Steinbauer als aufrechten Deutschen, ... dessen Vaterlandsliebe, Lauterkeit und Tapferkeit groß sind." So wurde der Pfarrer plötzlich im Dezember 1939 aus dem KZ entlassen. Er meldete sich zu einer Pioniereinheit und kam später zum Einsatz an die russische Front – und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Doch dann kam es zum erneuten Zusammenstoß mit dem Regime: Nach einer Verwundung und Lazarettaufenthalt auf Genesungsurlaub, hielt der Gefreite Steinbauer am 18. Dezember 1943 in Illenschwang die im Rätsel zitierte Weihnachtspredigt. Neun Monate danach wurde er wegen einzelnen Passagen dieser Predigt angezeigt und musste sich vor dem Kriegsgericht in Berlin verantworten.

Nach dem Krieg wurde Steinbauer aber von der bayerischen Kirchenleitung nicht etwa als aufrechter Widerständler gegen das Unrechtregime gefeiert. Im Gegenteil: Die Schwierigkeiten setzten sich fort. Er wurde Pfarrer in Lehengütingen im Dekanat Dinkelsbühl. Oberkirchenrat Georg Kern schrieb ihm gönnerhaft, dass er damit "in den Genuss einer Ausnahme" käme und die Kirchenleitung den Wunsch habe, er möge "die Versuchung, weitreichende Kirchenpolitik zu betreiben infolge Ihres vorigen Erlebens, erkennen". Landesbischof Meiser und er wurden keine Freunde mehr. "Ich rede, wenn ich reden muss", blieb auch in den neuen Verhältnissen in Landeskirche und Bundesrepublik seine Devise. In einem Sonntagsblatt-Interview 1977 sagte er, jetzt sollte "aufgearbeitet werden, was uns aufgetragen ist". Man sollte auch nicht von Tapferkeit im Kirchenkampf reden, sondern Buße tun für die Verfehlungen. Und Luthers Zwei-Reiche-Lehre dürfe man nicht so interpretieren, dass die Kirche sich nicht mit Politik befassen sollte. Drastisch in seiner fränkischen Art formulierte er: "Wenn jemand behauptet, das Christsein hätte nichts mit der Politik zu tun, dann ist das ein Schmarrn..."

Nach weiteren Pfarrersdiensten in Wolfratshausen, Pettendorf und Amberg trat er 1971 in den Ruhestand. Im Alter von 82 Jahren ist Karl Steinbauer 1988 gestorben. Beerdigt wurde er in Uttenreuth.

 

  1. Zeitgenössischer Zerfall

Je nach Lesart ergibt das Wort "modern" unterschiedliche Bedeutungen: Als Jambus ("Ta-taa") wird es zum "zeitgenössischen" Adjektiv, als Trochäus ("Taa-ta") wird modern zum "faulenden" Verb. (N)

Der evangelische Theologe, dem wir den Rätselreim verdanken, ist der am 21. November 1768 (also vor 250 Jahren) in Breslau geborene Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. (S)

 

  1. Gleich nach der Werbung …

Die abgedruckte "Werbung" war der Schluss des Prologs, mit dem alljährlich der Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet wird. (IE)

Die Verse des Christkinds – geschrieben vom Dramaturgen Friedrich Bröger, einem Sohn des Nürnberger Dichters Karl Bröger – beziehen sich auf die Situation 1948, als es erstmals nach dem Krieg wieder einen Christkindlesmarkt gab. Der vollständige Text lautet:

"Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, Ihr Kleinen, am Beginn der Lebensfahrt, ein jeder, der sich heute freut und morgen wieder plagt: Hört alle zu, was Euch das Christkind sagt!

In jedem Jahr, vier Wochen vor der Zeit, da man den Christbaum schmückt und sich aufs Feiern freut, ersteht auf diesem Platz, der Ahn hat’s schon gekannt, was Ihr hier seht, Christkindlesmarkt genannt.

Dies Städtlein in der Stadt, aus Holz und Tuch gemacht, so flüchtig, wie es scheint, in seiner kurzen Pracht, ist doch von Ewigkeit. Mein Markt bleibt immer jung, solang’ es Nürnberg gibt und die Erinnerung.

Denn alt und jung zugleich ist Nürnbergs Angesicht, das viele Züge trägt. Ihr zählt sie alle nicht! Da ist der edle Platz. Doch ihm sind zugesellt Hochhäuser dieses Tags, Fabriken dieser Welt.

Die neue Stadt im Grün. Und doch bleibt’s alle Zeit, Ihr Herrn und Frau’n: das Nürnberg, das Ihr seid. Am Saum des Jahres steht nun bald der Tag, an dem man selbst sich wünschen und andern schenken mag.

Doch leuchtet der Markt im Licht weit und breit, Schmuck, Kugeln und selige Weihnachtszeit, dann vergesst nicht, Ihr Herrn und Frau’n, und bedenkt, wer alles schon hat, der braucht nichts geschenkt.

Die Kinder der Welt und die armen Leut’, die wissen am besten, was Schenken bedeut’. Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, seid es heut’ wieder, freut Euch in ihrer Art. Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein."

 

Teil II

  1. Hexe in der Allgäubahn

Abgedruckt waren die Noten von "Ihr Kinderlein, kommet" (EG 43, zweite Zeile). Den Text zu dem beliebten Weihnachtslied hat der katholische Geistliche Christoph von Schmid (1768-1854) aus Dinkelsbühl geschrieben. (IN) (S)

Akten im Archiv der ehemaligen freien Reichsstadt in Mittelfranken berichten vom Fall der evangelischen Hebamme Euphrosine, die 1645 der Hexerei angeklagt wurde. Ihr Name – das griechische "Euphrosýnē" – bedeutet Frohsinn, aber die Sache endete, wie im Rätsel geschildert, traurig.

Das Haus, in dem rund 120 Jahre später Christoph Schmid geboren wurde, steht noch heute in der Klostergasse in Dinkelsbühl. Aufs Gymnasium ging der Beamtensohn, ältester von neun Geschwistern, im schwäbischen Dillingen, wo er später an der bischöflichen Universität auch Philosophie und Theologie studierte. 1791 begann er als Pfarrvikar im heutigen Mindelheimer Stadtteil Nassenbeuren (Landkreis Unterallgäu). Hier entstand vermutlich sein berühmtes Weihnachtsgedicht "Die Kinder bey der Krippe". Der in Lüneburg geborene evangelische Komponist Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800), der damals Hofkapellmeister in Kopenhagen war, vertonte es 1790 zum heutigen "Ihr Kinderlein, kommet". Von Schulz stammt auch die Melodie zu Matthias Claudius' Gedicht "Abendlied" ("Der Mond ist aufgegangen", EG 482).

Christoph Schmid wurde Distrikt-Schulinspektor in Thannhausen (Landkreis Günzburg). Hier begann er mit der Schriftstellerei. 1801 erschien seine sechsbändige "Biblische Geschichte für Kinder" für den Schulunterricht in ganz Bayern. Sie erreichte rund 200 Auflagen und machte ihn als Religionspädagogen legendär. Immer mehr gefühlige, religiös-moralische Erzählungen vornehmlich für Jugendliche erschienen. Sie wurden in 24 Sprachen übersetzt, tausendfach aufgelegt und weltweit gelesen – von Amerika bis Japan.

1827 berief ihn der bayerische König Ludwig I. als Domkapitular und Schulreferent des Ordinariats nach Augsburg. 1832 wurde er zum "Königlichen Kreis-Scholarchen" ernannt und war nun für den gesamten Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg zuständig. 1837 wurde er geadelt und mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone ausgezeichnet.

 

  1. Marias Hilfe für den Muttermund

Auf dem Bild zu dieser Rätselfolge zu sehen waren zwei Exemplare der "Echten Rose von Jericho" (Anastatica hierochuntica), eine Kreuzblütenpflanze, die im Heiligen Land wächst. Im zweigliedrigen botanischen Namen der Jericho-Rose stecken das griechische Wort für Auferstehung (Anástasis) und die Herkunftsbezeichnung "aus Jericho". (E)

Bei Jesus Sirach heißt es in einem Selbstlob der göttlichen Weisheit: "Ich bin (…) wie die Rosenstöcke in Jericho, wie ein schöner Ölbaum auf freiem Felde; ich bin hochgewachsen wie eine Platane." (24,14)

Das Besondere an der unscheinbaren Pflanze, die vertrocknet und tot wirkt: Legt man eine Knolle der Jericho-Rose ins Wasser, blüht sie auf wundersame Weise zu neuem Leben auf. Ihre Triebe entfalten sich und werden von der Mitte der Pflanze her immer grüner. Mehrere Stunden kann das wunderbare Auferstehungs-Schauspiel der Natur dauern. Währenddessen verbreitet die Pflanze ein angenehm frisches und würziges Aroma.

Auch eine "Unechte Rose von Jericho" (Selaginella lepidophylla) gibt es, aber sie hat ihre Heimat in Amerika, in Arizona, Texas und Mexiko. Auch sie scheint aufzuerstehen, aber bei beiden Pflanzen handelt es sich dabei genau genommen um einen physikalischen Effekt, bei dem sich die Zellen mit Wasser füllen.

Der Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen, was zum Ruf der wundersamen Pflanze beigetragen hat. Außerdem werden ihr die in der Rätselfrage beschriebenen Heilwirkungen zugeschrieben.

Ludolf von Sudheim, der 1350 den Nahen Osten bereiste, schreibt über die Legende, die man sich über die Entstehung der Pflanze im Heiligen Land erzählte: Auf dem Weg durch die Wüste, den Maria mit ihrem Kind auf der Flucht vor Herodes nahm, passierte es "und von allen wegen do sy gegangen ist, wachsent durr rosen, die man in diesen landen heysset rosen von Jhericho."

 

  1. Wie viel wiegt das Internet?

Es ist bereits ein paar Jahre her, dass ein amerikanischer Mathematiker berechnete, wie schwer das Internet ist. Er ging dabei von der physikalischen Tatsache aus, dass digitale Daten binär als Ein/Aus-Zustände gespeichert werden. Bei Flash-Speichern erfolgt die Unterscheidung der digitalen 1 von der digitalen 0 mittels elektrischer Ladungen. Dabei werden Elektronen eingefangen, was die Gesamtzahl der Elektronen im Speicher zwar nicht ändert, sie haben jedoch geringfügig mehr Energie als jene, die sich frei bewegen dürfen. Nach Einsteins berühmter Formel E = mc² sind Energie und Masse äquivalent. Das Gewicht eines ganzen E-Books liegt demnach bei nicht physisch, sondern nur theoretisch messbaren 10⁻¹⁸ oder 0,000000000000000001 Gramm.

Doch bei der gewaltigen Datenmenge auf über 100 Millionen Servern (die rund 50 Milliarden Watt Energie brauchen), die das Internet auf der ganzen Welt ausmacht, kommt dann doch einiges zusammen. Nämlich ungefähr knapp so viel wie eine Tafel Schokolade wiegt (100 Gramm). (GA)

Und der Eiffelturm? Besteht aus Schmiedeeisen. Der Längenausdehnungskoeffizient dafür beträgt rund 12 × 10⁻⁶ oder anders gesagt: Bei 100 Grad Temperaturdifferenz verändert sich die Länge eines Meters aus diesem Material um 1,2 Millimeter. So ergibt sich für den Eiffelturm ein Schwanken seiner Höhe im Jahreslauf um etwa 15 bis 30 Zentimeter. (NG)

 

  1. Der Spitzname des Ketzers

Bei dieser Frage wurde es "echt bedeutungsvoll", weil der hier gesuchte Dichter zugleich der Dichter des Verses der Gesamtlösung war. Abgebildet waren die Noten von "Mir nach, spricht Christus, unser Held", zu finden im EG als Lied 385 unter der Rubrik "Umkehr und Nachfolge". Autor des Lieds ist Johann Scheffler (1624-1677), von dem im Gesangbuch auch die Lieder 400, 401 und 411 unter der Rubrik "Geborgen in Gottes Liebe" sind.

Dass so viele Lieder Schefflers im Evangelischen Gesangbuch stehen, ist erstaunlich. Den Reformator Martin Luther beschimpfte er nämlich als Luzifer, in den Angriffen der Türken auf Europa sah er eine göttliche Strafe für die Sünde des Protestantismus.

Das war allerdings nicht immer so. Geboren wurde Scheffler in Breslau, wohin seine Eltern wegen ihres protestantischen Glaubens übersiedelt waren. Er hatte in Straßburg, Leiden und Padua studiert, aber erst die Begegnung mit der Mystik Jakob Böhmes und die Mystik-Feindschaft seiner eigenen lutherischen Kirche veranlassten ihn dazu, katholisch zu werden. Nach seiner Herkunft und in Verehrung des spanischen Mystikers Johannes ab Angelis nannte er sich fortan Angelus Silesius – schlesischer Engel.

Einen Hinweis auf Angelus Silesius fanden Sie auch beim Kasten mit den Einsendehinweisen in Folge 3: Dort war er abgebildet mit einem Porträt, das Sie wenige Wochen zuvor schon in der Nummer 42 des Sonntagsblatts gesehen hatten. Unter dem Titel "Paradoxe Poesie des Göttlichen" war der enttäuschte Protestant Angelus Silesius die Folge 30 unserer Mystiker-Serie. Beerdigt wurde Scheffler 1677 in der Breslauer Matthiaskirche. Hinterlassen hat uns der schlesische Engel den schönen, alle konfessionellen Zwistigkeiten übersteigenden Vers: "Mensch, werde wesentlich! Denn wenn die Welt vergeht, / so fällt der Zufall weg: das Wesen, das besteht!" (E/L)

 

Teil III

  1. Kleiner Nelkengrabscher

Abgebildet war die "Madonna mit der Nelke", das einzige Bild Leonardo da Vincis (1452-1519), das sich in einem deutschen Museum befindet, nämlich in der Alten Pinakothek München. Leonardo da Vinci steht im Zentrum eines neuen Sonntagsblatt-THEMA-Magazins. (U)

Leonardo malte das Bild als sehr junger Mann, etwa 1473, spätestens 1478, als er noch in der Werkstatt des Andrea del Verrocchio (um 1435-1488) in Florenz arbeitete. Kurios ist, wie das Bild in die Münchner Sammlung kam. Bereits der Künstler-Biograf Giorgio Vasari (1511-1574) hat das Bild beschrieben, doch der älteste, nachgewiesene Aufbewahrungsort ist die Wetzler-Apotheke in Günzburg an der Donau. Wie das Gemälde dorthin kam, weiß kein Mensch. Entweder befand es sich im nahen Kloster Burgau, oder ein italienischer Kunstsammler, der Ende des 18. Jahrhunderts in die Günzburger Apotheke einheiratete, brachte es aus seiner Heimat mit.

Bei der folgenden Frage lautete die Anweisung, die Buchstaben der richtigen Lösungen zu nehmen. Tatsächlich waren zwei Antworten richtig, und auch die Schreibweise war zu beachten. Die rote Nelke in der Hand Mariens, nach der das Jesus-Baby greift, ist ein Symbol der göttlichen Liebe über den Tod hinaus. Und das Wort Nelke kommt tatsächlich vom mittelhochdeutschen Wort für Nägelchen. Zum Symbol der Sozialdemokratie wurde die rote Nelke dagegen erst Ende des 19. Jahrhunderts. (S / S.)

 

  1. Zahlenspiele 1

Josef ist 36 Jahre alt.

In 5 Jahren ist Manassse 20 Jahre alt, sein Großvater Jakob ist dann viermal so alt, also 80 Jahre. Bei der Segenshandlung am Bett ("heute") ist er noch 5 Jahre jünger, also 75 Jahre.

In 3 Jahren ist Jakob 78. Dann ist er doppelt so alt wie Manasses Vater: Josef ist dann 39 Jahre alt. Somit ist Josef heute 36 Jahre alt. Die Quersumme dieses Alters ist 9.

Als Gleichungen ausgedrückt:

M = Manasse "heute"

V = Vater Josef "heute"

G = Großvater Jakob "heute"

Sinnvoll ist es, mit der zweiten Angabe zu beginnen:

G + 5 = 4 × (M + 5)

G + 5 = 80

G = 75

Dann kann man diesen Wert in die zweite Angabe einsetzen:

G + 3 = (V + 3) × 2

(V + 3) × 2 = 75 + 3

(V + 3) × 2 = 78 | ÷ 2

V + 3 = 39 | - 3

V = 36

=> Quersumme: 3 + 6 = 9

Und tatsächlich, es gibt so etwas wie die "Magie" der 9: Die Addition dieser Zahl zur Ausgangszahl ändert die Quersumme der neuen Zahl nicht. Das gilt auch für die Subtraktion oder die Addition von Vielfachen von 9, wenn diese "iterierend", also immer wieder bis zur Einstelligkeit gebildet wird. Probieren Sie’s aus: Wenn Sie zu Jakobs Alter (36) 9 aufschlagen (oder 18, 27, 36 …), immer bleibt die Quersumme (9).

 

  1. Christbaumkugelsymbol

Wenn Sie bei den abgebildeten Symbolen Ihren Finger oder ein Blatt Papier senkrecht jeweils genau in der Mitte anlegen, sehen Sie, dass es sich um gespiegelt verdoppelte Ziffern handelt. Die 2 ergibt so den Fisch, die 3 die Acht, die 7 das Dreieck – und hinter der "Christbaumkugel" verbirgt sich nichts anderes als die (5).

 

  1. Zahlenspiele 2

Kaum zu glauben, aber bei der abgebildeten Schlange soll es sich um die Urform der Ziffer 8 handeln. Ein Achteck (Oktaeder) ist die Grundform sowohl des Felsendoms auf dem Tempelberg in Jerusalem als auch der Basis der "Welschen Hauben" der Münchner Frauentürme. (8)

 

  1. Kreuz und quer

Waagerecht: 1. Nicht Obst-Messer, sondern "Obstmesser". 10. General Friedrich Paulus (1890-1957) ging 1943 mit der 6. deutschen Armee in Stalingrad unter. Nach ihrer Lage an dem russischen Fluss heißt die Stadt seit 1961 wieder wie sie vor 1925 hieß: »Wolgograd«. 12. Hängt man an flo "TT" an, ist der Floh flott unterwegs (aber vermutlich nicht in einem Audi). 13. Meist mit einem Raubtierkörper, einem Raubvogelschnabel und Flügeln wird das mythische Mischwesen "Greif" dargestellt, ein anderes Wort für Kneipe ist "Bar"– was zusammen "greifbar" ergibt. 19. Erogen und E-Sport. 20. Oikos (daher "Öko") ist das griechische Wort für Haus oder Haushalt, "logie" heißt so viel wie "Lehre von …". 23. "RL" ist die Abkürzung für Regionalliga ebenso wie für die Republik Libanon. 25. Armin Laschet ist Ministerpräsident von NRW (Nordrhein-Westfalen). 26. Wilhelm Busch klopft auf seinen Nachnamen: "Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe", reimte er in "Max und Moritz". 29. Santa Fé in New Mexico ist nach dem heiligen (christlichen) Glauben benannt, »Fe« ist aber auch das Symbol für das Element Eisen. 30. »FA« ist die Abkürzung für den englischen Fußballverband Football Association, dem ersten Fußballverband der Welt; die FA war maßgeblich an der Festlegung der Spielregeln des Sports beteiligt. 31. "Al melo" könnte ein italienisches Gasthaus namens "Zum Apfelbaum" heißen, Almelo heißt eine niederländische Stadt in der Provinz Overijssel rund 20 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze. 33. Das kaufmännische »Und- oder Et«-Zeichen & ist eine grafische Zusammenziehung der Buchstaben e und t (lateinisch et = und). 34. Liebe LeserInnen, "I" wird von manchen im Inneren von Hauptwörtern eingefügt, womit beide Geschlechter angesprochen werden sollen. 35. "PM" ist die Abkürzung von Prime Minister und post meridiem ("nach Mittag") in englischen Uhrzeitangaben. 36. "Anode" kommt von ánodos, was griechisch wörtlich "Weg nach oben" bedeutet, und bezeichnet die Elektrode, die Anionen aufnimmt. Ihr Gegenstück ist die Kathode. 39. Mit "ST" wird der Ober zum Oberst, und Erben sterben. 40. Gimel ist das hebräische "G". 41. »FB« ist die Abkürzung für die von Mark Zuckerberg gegründete Internetplattform Facebook, deren Leitfarbe blau ist. 42. 1. Mose 14, 18-20: Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem. Oder 3. Mose 27, 30: Alle Zehnten im Lande, vom Ertrag des Landes und von den Früchten der Bäume, gehören dem HERRN und sollen dem HERRN heilig sein. 44. Ein "T" macht aus der Ollen eine Tolle. 45. Brexit heißt Brexit: Am 29. März wird Großbritannien die "EU" verlassen. 46. "Oe" ist die Abkürzung für Oechsle, die nach dem Schwaben Ferdinand Oechsle (1774–1852) benannte internationale Maßeinheit für das Mostgewicht (also den Zuckergehalt) des Traubenmosts. 100 Grad Oechsle würden einen Wein mit schönen 14 Volumenprozent Alkohol ergeben. 47. "Smog" ist eine Verbindung der englischen Wörter für Rauch (smoke) und Nebel (fog). 49. "IN" ist die Top Level Domain, also die Internethauptadresse Indiens. 50. "RN" ist das Kürzel der italienischen Provinz Rimini – und es macht die Ehe ehern (mit der eisernen Hochzeit). 51. "FR" ist die Abkürzung für die Frankfurter Rundschau und das Auto-Kennzeichen von Freiburg. 52. Rasende werden mit einem an der richtigen Stelle eingefügten »T« zu Rastenden. 53. "Neo Magazin Royale" ist die Satire-Late-Night-Show von Jan Böhmermann, die seit 2013 vom Sender ZDFneo ausgestrahlt wird.

Senkrecht: 1. Bringt man die Buchstaben von "festes Tor" in die richtige Reihenfolge, ergibt sich aus ihnen "Osterfest". 2. "Btto." ist die Abkürzung für brutto, das man besser nicht mit netto ("ntto.") verwechseln sollte. 3. Aus den Buchstaben von "Graf Genius" lässt sich bilden, was Rübezahl ist: eine "Sagenfigur". 4. "MI" und Mose ergeben "Mimose"; die Lösung von 12 waagrecht ist "TT". 5. Zusammen mit "en" (französisch für in) ergibt sich "MITTEN" ins Herz, und so treffen kann die Liebe oder ein Mordanschlag. 6. »S« ist Kfz-Kennzeichen Stuttgart und Nationalitätenkennzeichen Schweden. 7. »SR« ist Kfz-Kennzeichen Straubing und Abkürzung für Señor. 8. "EA" (latein. "die, diese") in "Sedler" eingefügt ergibt "Seeadler". 9. Akko heißt eine Kreuzfahrerstadt nördlich von Haifa; hängt man "RD" an, ergibt sich "Akkord". 11. Fügt man in Helot (Sklave in Sparta) "LR" ein, wird "hellrot" daraus. 14. »IL« ist das Länderkennzeichen Israels und der männliche italienische Artikel. 15. "Caccia" ist das italienische Wort für Jagd; mit "FO" davor ergibt sich "Focaccia". 16. Sofia ist die Hauptstadt Bulgariens; »BG« ist Länderkennzeichen. 17. "AIC" ist das Kfz-Kennzeichen des Landkreises Aichach-Friedberg, dessen Friedberger Bewohner seit 2013 auch wieder das Kennzeichen "FDB" führen dürfen. 18. Wenn einem Witz mit Bart zufolge der Vorname vom "Ree" "Kartoffelpü" ist, dann gilt das Gleiche für "REH" und "Kartoffelpüh" (Pardon). 21. Im Duden steht der Krapfen auch als Kräppel. 22. Den Ambo als Lesepult gab es in Kirchen schon bevor es Kanzeln gab; das gesuchte Bantuvolk sind die "Owambo". 24. Die "Letten" sind nicht nur ein baltisches Volk, so heißt auch ein geologischer Begriff für eine sandige Tonschicht; und im bairischen Dialekt bezeichnet man damit flüssigen Schlamm. 26. Stellen Sie sich vor, wie Arnold Schwarzenegger in seinem österreichischen Amerikanisch "Bläser" aussprechen würde, dann sind Sie der Lösung ganz nah: Es ist der "Blazer" ("to blaze" = engl. gleißen). 27. Wenn sich die Muse einem "Umbau" unterzieht und ein "um" anbaut, wird ein "Museum" aus ihr. 28. "SE" plus Gen = Segen. 32. Die römische Zahl "LD" (450) in "HOER" eingefügt, ergibt den weihnachtlichen holden Knaben. 37. Zwischen "ER" und "O" führt das "NEST" zu Ernesto Cardenal und Ernesto Che Guevara. 38. Der fränkisch-bayerische Physiker Georg Simon Ohm trägt einen Nachnamen, mit dem man früher den Bruder der Mutter bezeichnete. 43. Noé (Noah) war die letzte Oper des Komponisten Jacques Fromental Halévy (1799-1862), fertiggestellt von dessen Schwiegersohn Georges Bizet (1838-1875). 48. Ready, steady, "GO" ist die englische Version von "Auf die Plätze, fertig, los" – und "Go" ist ein japanisches Brettspiel. 49. "I" ist der männliche italienische Artikel im Plural. 51. "F" ist das französische Länderkennzeichen. 53. "N" ist Nationalitätenkennzeichen Norwegens und Abkürzung der physikalischen Einheit Newton.

Die Buchstaben in den eingefärbten Feldern ergeben in die richtige Reihenfolge gebracht die Lösung "UNTEN". Aus den Buchstaben hätten Sie auch "Nuten" bilden können. Bei Nut- und Feder-Brettern sind sie das Gegenstück zu hölzernen Federn, aber das Wort war ausdrücklich ausgeschlossen. Dafür konnten Sie mit "unten" "Lunten" bilden, diese anzünden, Silvesterraketen in den Himmel schicken und diese dann in "bunten" Bildern im Nachthimmel explodieren lassen…

 

  1. Zusatzzahl: Hagalaz und Berkano

Im Vorspann zur dritten Rätselfolge fanden Sie einen Hinweis auf die "Zusatzzahl": Das "Bluetooth"-Logo steht für einen Datenfunkstandard, der die drahtlose Verbindung von Geräten über kurze Distanzen ermöglicht – beispielsweise ein Handy mit dem Multimediasystem eines Autos koppelt. Der Standard wurde maßgeblich von den skandinavischen Firmen Ericsson und Nokia entwickelt. Das Logo besteht aus den übereinander gelegten Runen "Hagalaz" (ᚼ - Lautwert H) und "Berkano" (ᛒ - Lautwert B). Sie stehen für die Initialen des Dänenkönigs Harald Blauzahn ("Bluetooth").

Harald Blauzahn (um 910-987) war der zweite Sohn des Dänenkönigs Gorm (vor 900-958). Dendrochronologische Untersuchungen wiesen nach, dass Gorm im Winter 958 starb. Untersucht wurden Holzbalken, die in Groms Grab in Jelling verbaut waren und von zu diesem Zeitpunkt gefällten Bäumen stammen. Mit Gorms Tod ging die Herrschaft auf Harald über. Während in der deutschen Wikipedia für Gorm zwei Todesdaten angegeben werden, ist die dänische Wikipedia eindeutig: Unter " Død" heißt es "Vinteren 958".

Gorms Name besteht aus den germanischen Bedeutungsteilen "Gott" und "gnädig sein, verschonen, ehren" (Goð-þormR), er bedeutet auf Deutsch also "Ehrgott" oder "Gnade(n)gott". Gorm widersetzte sich der christlichen Mission – selbst nachdem 934 der Frankenkönig Heinrich I. (um 876-936) die Dänen besiegt und tributpflichtig gemacht hatte.

Gorms Lieblingssohn war sein Ältester: Knut Danaast, dessen Beiname "von den Dänen geliebt" bedeutet. Während eines Wikingerraubzugs nach Irland wurde er bei der Belagerung Dublins getötet.

Politisch und militärisch geschickt gelang es dem jüngeren Sohn Harald, Dänemark erstmals unter einer Krone zu einen. Dabei setzte er auch auf die christliche Karte: Er erkannte die Oberhoheit des römisch-deutschen Kaisers Ottos I. an und gründete die Bistümer Aarhus, Ripen und Schleswig, womit die Christianisierung Skandinaviens begann.

Abgebildet war rechts neben dem Kreuzworträtsel eine kolorierte Kopie eines der Runensteine von Jelling, die Harald Blauzahn und sein Vater Gorm an ihrem Residenzort als Denkmäler setzten. Der große Jellingstein mit seiner Christusdarstellung gilt als "Taufstein Dänemarks" und damit ganz Skandinaviens. Seine Runeninschrift lautet auf Altdänisch:

"König Harald befahl, diesen Stein zu errichten zum Gedenken an Gorm, seinen Vater, und an Thyra, seine Mutter. Der Harald, dem sich ganz Dänemark und Norwegen unterwarf und der die Dänen zu Christen machte."

Haralds Sohn Sven Gabelbart (um 965-1014) sah sich dagegen als echter Wikinger. Er glaubte weiter an die nordischen Götter. Am Ende kam es zum Krieg zwischen Vater und Sohn: Die Seeschlacht von Helgenes, wahrscheinlich bei Bornholm, endete 986 mit Svens Sieg, der seinen Vater vom Thron vertrieb.

Einzige Quelle für die Geschichte vom üblen Rebellen Sven, der das Heidentum wieder eingeführt haben soll, ist allerdings ein Kirchenchronist aus der Hansestadt Hamburg. Einige Historiker halten die Schilderung für üble Nachrede, weil Sven eine für die Hanse nachteilige Kirchenpolitik verfolgt habe.

Erfahrene Sonntagsblatt-Weihnachtsrätsler schlugen die der Jahreszahl 958 entsprechende Seite im EG auf und fanden so direkt zur Lösung.

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Sonntagsblatt