Die Proteste im Iran bewegen weltweit. Auch in Deutschland. Das ist richtig so. Menschen riskieren ihr Leben für grundlegende Rechte und Würde. Moralische Empörung angesichts der brutalen Reaktion des Regimes ist mehr als berechtigt. Doch echte Solidarität verlangt mehr als symbolische Gesten und ein paar warme Worte.
Eine verbreitete, aber gefährliche Vorstellung ist, dass die Rückkehr eines Schahs oder anderer monarchistischer Figuren die Selbstbestimmung des iranischen Volkes sichern könnte. Kronprinz Reza Pahlavi, dem auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine große diplomatische Bühne eingeräumt wurde, präsentiert sich zwar als demokratische Übergangsfigur.
Doch sein Umfeld wirft Fragen auf: Dort finden sich Hardliner und konservative Berater. Monarchistische Parolen wie "Tod den Linken" auf Pro-Schah-Demonstrationen verdeutlichen, dass hier keine Demokrat:innen am Werk sind.
Die Hoffnung auf externe Erlösung ist trügerisch
Die Hoffnung auf externe Erlöser ist verständlich, aber gefährlich. Das gilt nicht nur für den Schah-Sohn. Auch die internationale Dimension mahnt zur Vorsicht. Westliche Staaten, insbesondere die USA und Israel, verfolgen seit Jahrzehnten eigene strategische Interessen im Nahen Osten. Das Wohlergehen der Iraner:innen ist ihnen egal.
Militärische Interventionen in Ländern wie Irak, Afghanistan oder Libyen haben gezeigt, dass der Sturz autoritärer Regime nicht automatisch Demokratie oder Stabilität bringt – ganz im Gegenteil. Stattdessen folgen meist Instabilität, geopolitische Abhängigkeiten und humanitäre Katastrophen bis hin zu Bürgerkriegen.
Jede Hoffnung auf schnelle Lösungen durch Trumps Bomben und Raketen ist daher trügerisch.
Nun haben die Angriffe Israels und der USA auf den Iran begonnen. Wie es genau weitergeht, ist ungewiss. Klar ist nur, dass es beiden Staaten um die strategische Kontrolle der Region geht und der Iran hierbei ein Hindernis ist, das beseitigt werden muss. Das erklärte Ziel ist es, ihn militärisch zu schwächen, die blumigen Botschaften von der Freiheit der Menschen im Iran sind dagegen altbekannt und schmecken schal. Mit einem autoritären iranischen Regine, das anders als das jetzige ein gutes Verhältnis zum Westen hat, hätte man sicher kein Problem.
Verzweifelte Hoffnung
Mir ist natürlich bewusst, dass viele Menschen im Iran ihre Hoffnung in einen militärischen Angriff der USA setzen. Das ist angesichts der Verzweiflung über das brutale Vorgehen der Regierung nachvollziehbar.
Auch in Saddam Husseins Irak sehnten sich viele Menschen nach einem Eingreifen. Mehr als 20 Jahre später haben sich deren Hoffnungen jedoch nicht erfüllt. Über eine Million Menschen wurden getötet, die meisten von ihnen waren sicherlich keine Saddam-Fan.
Zudem wird der Iran im Westen oft durch eine orientalistische Brille betrachtet: als monolithischer, fremder Raum. Dabei ist der Iran ein multiethnisches Land mit vielfältigen sozialen Interessen, regionalen Differenzen und politischen Spannungen. Die Reduktion auf einfache Narrative und Buzzwords – "das Volk gegen das Regime", "Mullah-Regime" – verfälscht die Realität und kann politisch kontraproduktiv sein. Solidarität, die nur moralische Empörung ausdrückt, übersieht diese Komplexität meist und gefährdet so die Ziele der Anti-Regime-Bewegung.
Verantwortliche Solidarität setzt auf Zivilgesellschaft
Verantwortliche Solidarität bedeutet konkrete Unterstützung der Zivilgesellschaft: Frauenrechtsaktivist:innen wie Narges Mohammadi, Journalist:innen wie Niloofar Hamedi, Künstler:innen wie Parastou Forouhar, Gewerkschaften und Geflüchtete, die gegen Unterdrückung kämpfen – sie alle brauchen Schutz und Aufmerksamkeit.
Sie zu stärken, ohne auf monarchistische Retter oder militärische Interventionen zu setzen, ist der einzige Weg, eine langfristige Selbstbestimmung zu fördern – oder wenigstens nicht zu verhindern.
Gleichzeitig sollten geopolitische Interessen stets kritisch hinterfragt werden. Westliche Staaten sind nicht neutral, ihre Handlungen folgen eigenen Machtinteressen. Wer Solidarität ernst nimmt, unterstützt die Proteste, ohne sie für externe Agenden einspannen zu lassen. Und er unterstützt keine militärischen Abenteuer, deren Ausgang mehr als ungewiss ist.
Verantwortliche Solidarität umfasst drei Elemente: Unterstützung derjenigen, die sich für Freiheit einsetzen; kritische Reflexion über externe Akteure; und Anerkennung der komplexen, vielschichtigen Realität des Iran. Sie ist unbequem, sie erfordert Geduld und Wissen – aber sie ist der einzige Weg, die Menschen im Iran zu unterstützen, damit diese langfristig echte politische Veränderung und Selbstbestimmung erreichen.
(Der Kommentar wurde am 28. Februar 2026 aktualisiert)