Die Kommunalwahl in Bayern zeigt ein vertrautes Bild – und einige neue Entwicklungen. Während die Christlich-Soziale Union (CSU) in vielen Landkreisen ihre Macht behauptet, werden die Ergebnisse in den großen Städten fragmentierter.
Stichwahlen, neue Kräfte in Räten – und ein weiterer Rückgang von Frauen in Spitzenämtern prägen diese Wahl. Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:
1. CSU dominiert auf dem Land
In vielen Landkreisen bleibt die CSU die bestimmende Kraft. Zahlreiche Landratswahlen wurden bereits im ersten Wahlgang entschieden – teilweise mit deutlichen Ergebnissen.
So holte etwa Bernd Sibler im Landkreis Deggendorf rund 73 Prozent, während Sebastian Gruber im Landkreis Freyung-Grafenau sogar auf über 89 Prozent kam. Auch in Dingolfing-Landau oder Erding setzten sich CSU-Kandidat:innen klar durch.
Das Muster ist vertraut: In ländlichen Regionen bleiben politische Netzwerke stabil. Persönliche Bekanntheit und lokale Themen wie Infrastruktur, Landwirtschaft oder Baupolitik wiegen oft schwerer als parteipolitische Debatten aus Berlin oder München.
2. Städte werden politisch fragmentierter
In den großen Städten dagegen zeigt sich ein anderes Bild. Kaum ein:e Oberbürgermeister:in wurde im ersten Wahlgang bestätigt.
In München muss Amtsinhaber Dieter Reiter von der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) mit 35,6 Prozent in die Stichwahl gegen Dominik Krause von Bündnis 90/Die Grünen.
Auch in Nürnberg und Augsburg entscheidet erst eine Stichwahl über das Rathaus. Dort liegt etwa Marcus König (CSU) vor seinem SPD-Herausforderer Nasser Ahmed, während in Augsburg Amtsinhaberin Eva Weber (CSU) mit deutlichem Abstand, aber ohne absolute Mehrheit vor Florian Freund von der SPD führt.
Eine Ausnahme bildet Fürth: Dort verteidigte Thomas Jung (SPD) sein Amt mit rund 72 Prozent souverän.
Das zeigt: Städte bleiben politisch offen – aber nicht unbedingt stabiler. Mehr Parteien konkurrieren um die Macht, klare Mehrheiten werden seltener.
3. AfD gewinnt Stimmen – aber kaum Rathäuser
Die Alternative für Deutschland (AfD) konnte in einigen Regionen zulegen, besonders in Teilen Niederbayerns und der Oberpfalz. Bei Landratswahlen erreichte sie teilweise zweite Plätze.
Doch für die großen Ämter reicht es bislang kaum. Die Partei gewinnt Sitze in Kreistagen und Stadträten – nicht aber die Spitzenpositionen.
Das ist typisch für Kommunalwahlen: Wer Landrät:in oder Bürgermeister:in werden will, braucht breite lokale Bündnisse. Und genau daran fehlt es der AfD vielerorts.
4. Frauen verschwinden weiter aus der Kommunalpolitik
Ein anderer Trend wirkt weniger spektakulär, ist aber politisch brisant: Die Zahl der Frauen in kommunalen Spitzenämtern sinkt weiter.
Schon vor der Wahl lag der Anteil der Bürgermeisterinnen in Bayern unter zehn Prozent. Bei dieser Wahl traten sogar noch weniger Frauen für Bürgermeister- oder Landratsämter an als 2020.
In den Landratswahlen zeigt sich das besonders deutlich. In vielen Kreisen standen ausschließlich Männer zur Wahl. Nur im Landkreis Donau-Ries und im Landkreis Landsberg am Lech schafften es Frauen überhaupt in eine Stichwahl.
Das überparteiliche Bündnis "Bavaria ruft", das seit Jahren mehr Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen will, hat damit einen Rückschlag erlitten.
5. Wahlbeteiligung: Interesse hoch, Zahlen noch offen
Bemerkenswert ist auch das politische Interesse. Laut BayernTrend erklärten zuletzt 72 Prozent der Menschen im Freistaat, sie hätten großes oder sehr großes Interesse an der Wahl.
Ob sich das auch in der Wahlbeteiligung niederschlägt, wird sich erst zeigen. 2020 lag sie bei lediglich 58,7 Prozent. Kommunalpolitik ist vielen wichtig – aber offenbar nicht immer wichtig genug für den Gang ins Wahllokal.
Ausblick
Die Kommunalwahl 2026 bestätigt vieles, was Bayerns politische Landschaft seit Jahren prägt: Die CSU bleibt auf dem Land stark, Städte wählen pluraler, und lokale Persönlichkeiten entscheiden oft mehr als Parteiprofile.
Gleichzeitig zeigen sich neue Entwicklungen: eine stärkere Zersplitterung in urbanen Räumen, mehr AfD-Präsenz in Räten – und ein alarmierender Rückgang von Frauen in kommunalen Spitzenämtern.
Die Stichwahlen in den großen Städten werden daher mehr sein als reine Personalentscheidungen. Sie werden zeigen, ob sich die politische Balance zwischen CSU, SPD, Grünen und lokalen Listen weiter verschiebt.