Vor genau 50 Jahren wurde ein ausführlicher "Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland" fertiggestellt, auch bekannt als Psychiatrie Enquete. Die katastrophalen Zustände der Versorgung psychisch kranker Menschen in der Bundesrepublik Deutschland waren aufgedeckt worden und der Abschlussbericht von 1975 formulierte umfassende Empfehlungen für eine menschenwürdige und sozial orientierte Psychiatrie und löste damit eine landesweite Reformbewegung aus. Dabei hat Helmut Sörgel maßgeblich mitgewirkt.

Elektroschocks und Sammelschlafsäle

1973 kam er als junger Arzt in die städtische Nervenklinik Nürnberg. Elektroschocks, Sammelschlafsälen, unwürdiger Behandlung waren an der Tagesordnung. Das alles hat Helmut Sörgel live miterlebt – und er wusste, er muss was verändern. Er hat überlegt, wie er die Patienten vor dem Chefarzt schützen kann und  hat gehandelt:

"Ich habe die Patienten in die Beschäftigungstherapie geschickt oder auch schon mal im Schrank versteckt oder mit Sozialarbeitern in die Stadt geschickt." Alles, um ihnen eine unwürdige Behandlung zu ersparen. 

Außerdem war er einer der ersten, der die Gruppentherapie eingeführt hatte. In den 80ern hatte Sörgel seine Ärzte-Kunst vor allem armen Nürnbergern gewidmet. Und dann den ersten Gastro-Betrieb für psychisch erkrankte Menschen mitgegründet. In seinen Gesprächen mit Patienten über viele Jahrzehnte hinweg hat er die Erfahrung gemacht: 

"Die Deutschen leiden oft an einer Über-Ich Krankheit, dass sie sehr hohe Ansprüche an sich selbst haben und nie mit sich selbst zufrieden sind.

Dazu kommt, so der Psychiater, dass viele Menschen hierzulande zu wenig Lob bekommen oder sie können Lob nicht anerkennen, und das macht das Leben schwer und führt schnell in einen Burnout.

Jesus Christus Vorbild für Therapeuten

Helmut Sörgel aus Nürnberg hat die Psychiatrie-Reform erlebt und mit vorangetrieben. Er hat gezielt in einem armen Stadtviertel seine Praxis eröffnet und den ersten Gastro-Betrieb für Menschen mit psychischer Erkrankung gegründet. Sein Vorbild? Jesus Christus, der Inbegriff der Barmherzigkeit. Und deshalb ist sein Grundsatz bei der Behandlung:

"Therapie machen, damit die Patienten barmherziger mit sich selbst umgehen."

Mehr darüber und über sein Lebenswerk hört ihr im Podcast.