Wenn man über Wasserknappheit spricht, denken viele zuerst an ausgedörrte Landschaften in Afrika oder Asien. An Orte, wo Kinder kilometerweit laufen müssen. Um trübes Wasser zu holen. Dass auch Deutschland betroffen ist, passt nicht ins gewohnte Bild. Ein Land mit Flüssen, Seen und Regen – wie kann hier Wasser fehlen? Doch genau das zeigen die aktuellen Daten: Die Lage verbessert sich nicht. Sie verschärft sich. Nicht rasant, aber spürbar für uns.  

Das Wasser verschwindet langsam

Laut der UBA-Studie WADKlim aus dem Jahr 2025 ist der Rückgang des Wasserdargebots in Deutschland statistisch signifikant. Besonders betroffen sind Regionen mit sandigen Böden, intensiver Landwirtschaft und hoher Versiegelung – etwa Brandenburg, Sachsen, Teile Niedersachsens und das Rheintal. In über 200 Landkreisen herrscht laut BUND sogenannter Grundwasserstress: Es wird mehr Wasser entnommen, als sich durch Niederschläge neu bilden kann. Die Speicher leeren sich, langsam, aber kontinuierlich. 

Eine Krise mit wachsenden Folgen

Der Klimawandel verändert die Niederschlagsmuster, dominiert Trockenperioden und erhöht die Verdunstung. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf, für Bewässerung, Industrie, Energieerzeugung und wachsende Städte. Versiegelte Flächen wie Straßen, Dächer und Parkplätze verhindern, dass Regenwasser versickert und die Speicher auffüllt. Was abregnet, fließt oft ungenutzt ab, in Kanäle, in Flüsse, fort. 

Außerdem kommt die Belastung durch Schadstoffe. Pestizide, Düngemittel und chemische Rückstände gelangen in den Boden und ins Grundwasser. Die Reinigung ist technisch möglich, aber teuer, und nicht überall vollständig. In manchen Regionen ist Wasser zwar vorhanden, aber nicht mehr bedenkenlos nutzbar. Die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung betont, dass Wasserknappheit und Wasserqualität künftig gemeinsam gedacht werden müssen. Denn das eine verschärft das andere. 

Diese Entwicklung ist ernst zu nehmen. Nicht, weil sie laut ist, sondern weil sie immer noch verläuft. Deutschland verliert Wasser, und das nicht nur in trockenen Sommern. Die Grundwassermessstellen verzeichnen neue Tiefststände, und die ökologischen Folgen reichen von geschwächten Wäldern bis zu schrumpfenden Feuchtgebieten. 

Wasser bleibt vorhanden, aber seine Verteilung verändert sich. Die Knappheit wächst schrittweise, kaum relevant im Alltag, doch deutlich in den Messwerten. Es ist eine Entwicklung, die sich fortsetzt.