Mit einer groß angelegten Aktion will sich die evangelische Kirche in Bayern mit dem Thema "Wasser" auseinandersetzen. Unter dem Titel "Erfrischende Kirche" feiern die Gemeinden besondere Aktionstage, zeigen eine Ausstellung zum Thema Wasser oder schenken den Besucherinnen und Besuchern frisches Quellwasser ein.
Die Urlauberseelsorgerin Christiane Lorenz erzählt im Sonntags-Interview, was ihre Gemeinde in Regen und Bodenmais geplant hat - und warum es sich auch für Kirchenferne lohnt, in diesem Sommer mal einen Blick in eine evangelische Kirche zu wagen - im Herzen des Bayerischen Waldes ebenso wie in den Voralpen oder auf dem flachen Land.
Wie sieht ihr Projekt aus mit dem Motto "Erfrischende Kirche"?
Christiane Lorenz: Den Auftakt unseres Projekts "Erfrischende Kirche" haben wir bereits beim "drumherum", dem großen Volksmusikfestival in Regen rund um das Pfingstwochenende, gemacht. Da wir wussten, dass sich während des Festivals rund 50.000 Besucherinnen und Besucher in unserer Stadt aufhalten würden, wollten wir nicht nur mit musikalischen Frühschoppen präsent sein, sondern auch ein besonderes Angebot abseits der Gottesdienste schaffen.
Unter dem Motto "Erfrischende Kirche" öffneten wir unsere Kirche als Ort der Ruhe, der Stille und des Gebets – als bewussten Gegenpol zum bunten Festtrubel. Eine im Kirchengarten aufgestellte Beachflag mit dem Logo der "Erfrischenden Kirche" machte auf das Angebot, welches natürlich auch im Festprogramm so stand, aufmerksam. Besucherinnen und Besucher konnten in Liegestühlen in der Kirche oder im Kirchengarten entspannen, zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen.
Für zusätzliche Impulse sorgte ein Glücksrad mit aufmunternden und humorvollen Sprüchen. Außerdem standen ein Wasserspender, Traubenzucker und Eisbonbons bereit. Wer wollte, konnte sich auch einen Segensspruch mit auf den Weg nehmen.
Nach dieser gelungenen Auftaktveranstaltung wandert das Projekt nun in unsere zweite Kirche nach Bodenmais. Der beliebte Urlaubsort bietet großes Potenzial für niedrigschwellige kirchliche Angebote. Viele Gäste suchen heute weniger klassische Gottesdienste als vielmehr Orte der Besinnung, an denen sie spontan einkehren, Ruhe finden und neue Energie tanken können.
Mit der "Erfrischenden Kirche" möchten wir genau diesen Raum schaffen – einen Ort, an dem Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch auftanken können. Wir freuen uns darauf, viele Urlauberinnen und Urlauber sowie Einheimische mit diesem Angebot willkommen zu heißen.
Was erhoffen Sie sich von der Aktion?
Mit unserem Angebot möchten wir wieder Teil schöner Urlaubserinnerungen werden – Erinnerungen, die Menschen mit nach Hause nehmen und die vielleicht auch im Alltag nachwirken. Positive Erfahrungen mit Kirche im Urlaub können dazu beitragen, dass Menschen später auch die Angebote ihrer Heimatgemeinden neu wahrnehmen und nutzen.
Dabei ist uns wichtig zu zeigen: Unsere Kirchen stehen offen, ohne sich aufzudrängen. Wir möchten Menschen einladen, nicht vereinnahmen. Gerade in einer Zeit, in der viele nach Ausgleich, Ruhe und Orientierung suchen, gewinnt das Thema "Auftanken" zunehmend an Bedeutung. Die körperliche Erfrischung durch Wasser, Süßigkeiten oder eine kleine Pause ist dabei nur die eine Seite. Mindestens ebenso wichtig ist die Möglichkeit, die Seele zur Ruhe kommen zu lassen, Kraft zu schöpfen und einen Moment der Besinnung zu finden.
Dieses Angebot richtet sich keinesfalls nur an Urlauberinnen und Urlauber, sondern gleichermaßen an die Menschen vor Ort. Deshalb sind auch alle Einheimischen herzlich eingeladen, vorbeizukommen, "erfrischen zu lassen".
Wie sind die Gemeindemitglieder eingebunden?
Grundsätzlich sind ja Gemeindeglieder bei allen Veranstaltungen für die Urlauberseelsorge eingeladen bzw. angesprochen. Aufgrund der Diasporasituation herrscht von je her eine große Offenheit für Neues und Anderes, und wir leben hier in und von einer wertvollen Co-Existenz: der eine kann ohne den anderen nicht und umgekehrt. Urlauber und Einheimische, das gehört bei uns hier zusammen. Und unsere Angebote werden meist wohlwollend und aufgeschlossen begleitet von den Gemeindegliedern. Zum Thema Wasser lassen sich gut Gemeindeveranstaltungen anbieten: Für die neue Kindergruppe ab September, für den Kaffeenachmittag, als Thema im Sonntagsgottesdienst.
Wie waren die Reaktionen ?
Die bisherigen Rückmeldungen auf die Aktion sind durchweg positiv. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich dankbar für die Möglichkeit, eine kurze Auszeit vom Trubel nehmen und in ruhiger Atmosphäre entspannen zu können. Besonders geschätzt wurden die liebevolle Gestaltung des Angebots und die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die zum Verweilen und Auftanken einladen. Darüber hinaus wird die "Erfrischende Kirche" auch von Menschen positiv wahrgenommen, die das Angebot bislang noch nicht selbst genutzt haben.
Die Aktion fällt auf, weckt Interesse und wird als kreative und zeitgemäße Form kirchlicher Präsenz wahrgenommen. In dieser Form gab es ein vergleichbares Angebot in unserer Region bislang nicht. Für unsere evangelische Kirchengemeinde in der Diaspora ist die Aktion zudem eine schöne Möglichkeit, sichtbar zu sein und Präsenz zu zeigen. Sie macht deutlich: (Unsere )Kirche ist da, offen für alle und mitten im Leben der Menschen.
Haben Sie das Projekt spezifisch an den Ort angepasst?
Um die Menschen vor Ort ebenso wie unsere Gäste auf sympathische Weise anzusprechen, haben wir die Hinweisschilder und Plakate bewusst in die regionale Mundart übertragen. So wird aus dem schlichten "Hier entlang" ein herzliches "Do geht's eina". Diese kleine sprachliche Besonderheit sorgt nicht nur für Aufmerksamkeit und ein Schmunzeln, sondern unterstreicht auch den einladenden Charakter der Aktion. Die Botschaft dahinter ist einfach: Unsere Türen stehen offen – und jeder ist willkommen.
Wie geht es jetzt weiter in den nächsten Wochen/Monaten?
Mit dem Start in Bodenmais beginnt nun die eigentliche Projektphase. In den kommenden Wochen werden wir aufmerksam verfolgen, wie das Angebot angenommen wird und welche Erfahrungen Besucherinnen und Besucher damit machen. Die ersten Rückmeldungen stimmen uns dabei sehr optimistisch. Unser Ziel ist es, Menschen mit einem niedrigschwelligen Angebot zu erreichen und Kirche als offenen, einladenden Ort erlebbar zu machen. Am schönsten wäre es, wenn wir dadurch wieder ein Stück näher an das Leben der Menschen heranrücken – ganz selbstverständlich und oft vielleicht sogar, ohne dass es ihnen bewusst wird.
Gottesdienst mit Regionalbischof Thomas Prieto-Peral
Das Thema Wasser steht auch im Zentrum eines Gottesdienstes am 12. Juli um 9.30 Uhr mit Regionalbischof Thomas Prieto Peral und Kirchenrätin Susanne Parche. Der Gottesdienst wird am Schliersee stattfinden und live im ZDF übertragen. Titel ist "Kopfüber ins Leben".
Wanderausstellung "Wasser - Quelle der Schöpfung"
Die Ausstellung "Wasser – Quelle des Lebens" lädt ein, eines der bedeutendsten Elemente unserer Welt neu zu entdecken. Mit fotografischen Arbeiten und journalistischen Texten nähert sie sich dem Element Wasser aus vier verschiedenen Perspektiven. Die Schau beleuchtet Wasser als physikalisches und chemisches Element, zeigt seine lebenswichtige Rolle im menschlichen Körper, erkundet seine tiefe Bedeutung in Religionen und spirituellen Traditionen und richtet den Blick auf die drängenden Umweltfragen unserer Zeit. Sie macht deutlich, wie allgegenwärtig Wasser in unserem Leben ist. Über QR-Codes ist ein digitaler Ausstellungsbereich mit weiterführenden Artikeln zum Thema abrufbar. Die Plakat-Ausstellung umfasst 15 Plakatmotive mit Fotografien und Texten.
Zielgruppen für Wanderausstellung Wasser
Die Ausstellung richtet sich an Kirchengemeinden, Bildungseinrichtungen, Umweltgruppen und Kulturinteressierte und soll durch den Verleih möglichst viele Menschen erreichen.
Kooperationspartner
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und im Rahmen des Projekts "Schatten, Stille, Segen – erfrischende Kirche” des Tourismusreferats.
Die Ausstellung ist ab 299,- Euro und kann hier im Shop gebucht werden.
Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter diesem Link.
Artikel zur Ausstellung
- Natur, Physik und Geographie des Wasserelements | Sonntags
- Wasser: Grundlage des menschlichen Lebens | Sonntags
- Wasser als heiliges Element in den Weltreligionen | Sonntags
- Die Taufe im evangelischen Glauben | Sonntags
- Wasser im Êzîdentum: Vom kosmischen Ursprung zur „Weißen Quelle“ (Kaniya Sipî) | Sonntags
- Die Flut im Arthal, ein Wendepunkt für Deutschland | Sonntags
- Wasserknappheit in Deutschland – eine unterschätzte Realität | Sonntags
- Klimafolgen vor Ort: Was Deutschland erlebt | Sonntags
Toolkit (PDF) mit allen Texten und weiteren Ideen für das Programm finden Sie unter diesem Link.