Die Taufe ist eines der ältesten Sakramente des Christentums. Ihr Ursprung liegt in einem konkreten Moment: um das Jahr 28 n. Chr. taufte Johannes der Täufer Jesus im Jordan. Das war der Beginn von Jesu öffentlichem Wirken, und der Beginn einer Praxis, die bis heute anhält.
Der theologische Hintergrund der Taufe
Für die evangelische Kirche ist die Taufe keine bloße Formalität. Sie ist eine Zusage: Gott wendet sich dem Kind zu, unwiderruflich. Nicht zuerst die Eltern sprechen ein Versprechen aus, sondern Gott spricht das Kind an. Dieser theologische Kern bleibt bestehen, unabhängig davon, wo und wie getauft wird. Zugleich übernehmen Eltern und Pat*innen eine wichtige Verantwortung: Sie versprechen, das Kind im christlichen Glauben zu begleiten und es entsprechend zu erziehen.
Was passiert bei einer evangelischen Taufe?
Dreimal fließt Wasser über den Kopf des Täuflings, die beauftragte Person, zum Beispiel eine Pfarrerin, eine Religionspädagogin oder eine Diakonin, spricht die Taufformel und entzündet anschließend die Taufkerze. Die Gemeinde singt, die Eltern bekommen den Taufschein und die Kerze mit nach Hause, und dann wird geredet, gegessen und gefeiert.
Das Wasser, das dabei verwendet wird, ist gewöhnliches warmes Leitungswasser, mehr nicht. Das ist bewusst so, denn im evangelischen Verständnis, braucht das heilige keine besondere Zutat.
Einblick in die Taufpraxis
Pfarrerin Karola Schürrle von der Segen Servicestelle der Evangelischen Landeskirche in Bayern, die täglich mit Taufen in Berührung kommt, kennt trotzdem den Wunsch nach etwas Besonderem: ,,Ich habe schon Kinder mit Wasser aus dem Jordan getauft. ’’ Familien bringen manchmal Wasser von einer Reise mit, oder Großeltern besorgen es aus bedeutsamen Orten. Theologisch ändert das nichts, aber es bedeutet den Menschen etwas, und das lässt sich respektieren.
Schürrle betont dabei auch eine weitere Dimension des Wassers: seine Kostbarkeit. In Taufhandlungen weist sie darauf hin, wie lebensnotwendig Wasser ist, nicht als Mahnung, sondern als Bewusstmachung dessen, was dieses Element bedeutet und in diesem Moment symbolisiert. Zugleich erinnert sie daran, dass Wasser auch reinigt. Die Taufe steht daher theologisch für Vergebung und einen Neuanfang, der dem Menschen zugesprochen wird.
Tauforte und Zuständigkeiten
Die evangelische Taufe ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Kirche, Krankenhaus, See oder Strand, vieles ist möglich. Entscheidend ist, dass eine dafür beauftragte Person die Taufe vollzieht und die Gemeinde informiert ist. Das können Pfarrer*innen sein, aber ebenso Religionspädagog*innen oder Diakon*innen, sofern sie den entsprechenden Auftrag erhalten haben.
Früher brauchte man ein sogenanntes Dimissoriale, wenn eine Taufe nicht in der eigenen Gemeinde stattfinden sollte. Schürrle betont im Gespräch, dass sie sich wünscht, dass solche formalen Hürden weiter abgebaut werden. Sie setzt sich bereits dafür ein, weist aber darauf hin, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist und daher nicht als bestehende Regel verstanden werden sollte.
Aktuell ist das Verfahren noch im Wandel. Schürrle wünscht sich, dass die Gemeinden künftig nur noch eine einfache gegenseitige Information benötigen, wenn eine Taufe außerhalb der eigenen Gemeinde stattfindet. Dazu sagt sie: „Wir sollten dazu übergehen, dass wir uns gegenseitig informieren.“ Damit beschreibt sie ihr Ziel: Die formale Genehmigung soll langfristig durch eine unkomplizierte Mitteilung ersetzt werden, ein Schritt, für den sie sich bereits engagiert.
Für die Taufe eines Kindes ist die Zustimmung beider Elternteile erforderlich, mindestens ein Elternteil oder eine Patin bzw. ein Pate muss Mitglied der evangelischen Kirche sein, damit das Kind im Glauben seiner Konfession begleitet werden kann. Pat:innen sind nicht immer Familienmitglieder.
Der Babysegen: ein Einstieg
Nicht alle Eltern sind sofort bereit zur Taufe. Manche stehen der Kirche fern oder sind noch unsicher, manche wollen dem Kind die Entscheidung später selbst überlassen. Für diese Familien gibt es den Babysegen.
Kurz nach der Geburt werden Eltern eingeladen, ohne Erwartung, ohne Bedingung. Schürrle beschreibt, was dabei oft passiert: „Wir machen die Erfahrung, dass tatsächlich in einem gewissen Abstand danach die Taufe dann auch angefragt wird." Der Babysegen ersetzt die Taufe nicht, er ist ein Start. Familien, denen es gutgetan hat, kommen zurück und fragen: Warum machen wir das nicht ganz? Und dann wird getauft.
Unterschiede in der evangelischen und katholischen Taufe
Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente, die evangelische nur zwei: Taufe und Abendmahl. Der Grund ist, dass die Reformatoren nur Handlungen als Sakramente anerkannten, die direkt auf Jesus zurückgehen. Die katholische Taufe hat einen festen Ablauf. Kreuzzeichen, Wasser, Taufformel, Chrisam-Salbung, Taufkleid und Taufkerze gehören immer dazu, der Effata-Ritus ist optional.
Die evangelische Taufe kennt ähnliche Grundelemente, wie Taufkerze, Kreuzzeichen, Taufspruch, Taufschein und Taufsegen gestaltet sie aber freier, mit stärkerem Fokus auf das Wort Gottes. Die meisten evangelischen Gemeinden taufen im Gottesdienst, bieten aber auch eigene Taufgottesdienste an. Katholische Taufen finden als separate Feier statt.
Was beide verbindet: Sie erkennen die Taufen der jeweils anderen an. Wer evangelisch getauft wurde und zur katholischen Kirche übertritt, muss nicht erneut getauft werden – und umgekehrt. Das bedeutet: Beide Kirchen sagen, hier hat Gott gehandelt. Nicht die Institution macht die Taufe gültig.
Was Gott zusagt
Die Taufkerze begleitet das Kind nach Hause und erinnert an den Tauftag: sie kann an Geburtstagen, an Ostern oder bei besonderen Anlässen sowie in Zeiten von Freude oder Sorge in der Familie angezündet werden. Die Taufe selbst ist unwiderruflich: Auch wenn jemand später aus der Kirche austritt, Zweifel hat oder sich von der Kirche entfernt, bleibt die Taufe als einmal vollzogene Handlung bestehen.
Die Taufe ist mehr als ein Ritual: Sie markiert die Zusage Gottes, die dem Menschen dauerhaft gilt. Zwar geben Eltern bei der Kindertaufe ein Versprechen, das Kind im Glauben zu begleiten: doch die Wirksamkeit der Taufe beruht nicht allein auf diesem menschlichen Versprechen oder auf einer kirchlichen Formalität.
Unabhängig davon, wo oder wie die Taufe gefeiert wird, begründet sie eine bleibende Verbindung zwischen Gott und dem Getauften, die Zweifel, Austritt oder Distanz nicht verändern werden.