2.03.2014
Neue Regionalbischöfin

Gisela Bornowski: Auf dem Schwanberg nah bei Gott

An diesem Sonntag wird Gisela Bornowski in der Würzburger Kirche 
St. Johannis in ihr neues Amt als Regionalbischöfin eingeführt. Sie ist dann für mehr als 430.000 Evangelische in 19 Dekanatsbezirken und 450 Kirchengemeinden im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg zuständig.

Frau Bornowski, worauf freuen Sie sich in Ihrem neuen Amt, in Ihrer neuen Aufgabe am meisten?

Bornowski: Ich freue mich sehr auf die vielen Begegnungen, die ich haben werde, und dass ich den Kirchenkreis in seiner Gesamtheit noch besser kennenlernen kann. Ich bin ja bislang vor allem in Mittelfranken unterwegs gewesen - und Unterfranken gestaltet sich schon anders, da bin ich sehr gespannt darauf. Inzwischen freue ich mich auch sehr auf die Zusammenarbeit im Landeskirchenrat - da habe ich Lust drauf.

Sie verstehen sich ja als Teamspielerin und wollen auch delegieren. Wie kann das im Amt als Regionalbischöfin aussehen?

Bornowski: Ich kann mir vorstellen, dass ich mich auch gut mit meinen Dekans-Kolleginnen und -Kollegen absprechen kann, wer von uns einen Termin wahrnimmt. Es muss ja nicht immer die Regionalbischöfin sein. Aber natürlich will und werde ich immer da sein, wenn ein Vertreter der Kirchenleitung mit dabei sein soll. Und ich kann mir auch vorstellen, den Lohrer Dekan Michael Wehrwein als Stellvertreter stärker einzubinden.

Der Kirchenkreis ist groß - bis wann wollen Sie alle Ecken mal besucht oder bereist haben?

Bornowski: Ich will schon allerspätestens nach einem Jahr zumindest in jedem Dekanat einmal gewesen sein. Vorgenommen habe ich mir auch, bald alle Pfarrkonferenzen einmal besucht zu haben - und die ein oder andere Dekanatssynode. Natürlich gibt es auch verschiedene andere Termine in den Regionen, wo man viele Vertreter der Dekanate oder Gemeinden auf einem Ort trifft.

Das betrifft ja vor allem das evangelische Leben im Kirchenkreis. Aber wie wollen Sie die Landschaften, die Mentalitäten erkunden? Auf Motorradtouren mit Ihrem Mann?

Bornowski: Ja, das wäre eine gute Idee. Mit dem Motorrad kann man das sehr gut erfahren - im wahrsten Sinne des Wortes.

Halten Sie das Berufsbild des evangelischen Pfarrers denn nach wie vor für attraktiv und erstrebenswert?

Bornowski: Ich finde, Pfarrerin ist der schönste Beruf, den es gibt. Er ist vielseitig - das ist eine große Stärke und auch seine Schwäche. Denn mit dieser Vielseitigkeit, mit der daraus entstehenden Freiheit muss man auch umgehen und haushalten können. Die Landeskirche ist ja gerade daran, sich Gedanken zum Pfarrerbild zu machen - die Gesellschaft hat sich verändert und damit auch die Anforderungen an den Beruf.

Spiritualität, fränkische Mundart und ein Herz für die Ökumene - das war Ihr Vorgänger. Wie sind Sie?

Bornowski: Ich glaube, ich bin nah an den Menschen, auf gut Fränkisch "leutselig", ich schaffe und schenke gerne Vertrauen. Ich bin aber auch nah bei Gott und pflege meine Spiritualität, etwa auf dem Schwanberg. Wo ich meine Schwerpunkte setze, das wird sich zeigen. Wichtig ist mir allerdings, dass Kirche und Diakonie wieder enger zusammenrücken. Und eine Kooperation auf allen Ebenen ist mir wichtig: zwischen Gemeinden, Pfarrern, über Dekanatsgrenzen hinweg. Nur so werden wir die Fülle an Aufgaben gemeinsam bewältigen können!

Es gibt Schulen ohne evangelischen Religionsunterricht in Unterfranken, die Kinder gehen zu den Katholiken. Ist das Ökumene?

Bornowski: Ja, warum nicht? In Mittelfranken gibt es sicher auch Gemeinden, in denen das andersrum ist. Gerade in der Schule ist viel an Ökumene möglich, etwa in Schulgottesdiensten oder bei Bibeltagen.

Also wäre auch generell ein ökumenischer Religionsunterricht an Grundschulen denk-bar?

Bornowski: Wir Evangelischen beschäftigen uns ja viel mit biblischen Geschichten in den ersten vier Schuljahren - das tun die Katholiken auch, aber dort spielt in der dritten Klasse logischerweise auch die Erstkommunion eine große Rolle. Das würde sich eher beißen. Deshalb glaube ich nicht, dass ein generell ökumenischer Grundschulunterricht sinnvoll ist - aber stellenweise könnte man mehr zusammenarbeiten.

Wann wird es die erste gereimte Faschingspredigt von Ihnen geben?

Bornowski: Niemals, so etwas kann ich nicht. Da sind Christian Schmidts Fußstapfen auch einfach viel zu groß!

Können Sie wenigstens einen Pfarrerwitz erzählen?

Bornowski: (lacht) Ja, klar: Dem Papst wird von seinen Kardinälen empfohlen: "Heiliger Vater, gehen Sie doch Ihrer Gesundheit zuliebe ab und zu in die Sauna, das würde Ihnen guttun! Nur dienstags sollten Sie nicht gehen, da ist immer gemischte Sauna!" Antwortet der Papst: "Ach, ein paar Evangelische machen mir nix."

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