19.06.2018
Ökumene

Lebenszentrum Ottmaring feiert 50-jähriges Bestehen

In der Siedlung in dem Friedberger Ortsteil leben rund 80 Menschen unterschiedlicher christlicher Konfessionen. Von hier gingen etliche Impulse für die Ökumene aus.
Ökumenisches Lebenszentrum Ottmaring
Im ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring wohnen rund 80 Menschen unterschiedlicher Konfessionen.

Brigitte Horneber trifft man an diesem Tag mit der Gartenschere in der Hand an. Zusammen mit knapp einem Dutzend weiterer Bewohner ist sie an den Hecken und Sträuchern des ökumenischen Lebenszentrums zugange. "Wir machen nochmal sauber, bevor die Gäste kommen", sagt sie. Etwa 220 Besucher werden erwartet, wenn die Gemeinschaft im Friedberger Ortsteil Ottmaring bei Augsburg vom 22. bis 24. Juni ihr 50-jähriges Bestehen feiert. "Die Besucher kommen aus verschiedenen Ländern", sagt Horneber: "Italien, Litauen, Holland, Österreich – und Deutschland."

Zentrum steht für alle Getauften offen

Die Internationalität ist kein Zufall. Denn das ökumenische Lebenszentrum Ottmaring ist weit über seinen dörflichen Standort im Westen Augsburgs hinaus bekannt. Am 23. Juni 1968 wurde es von der Italienerin Chiara Lubich und dem Deutschen Klaus Heß eröffnet. Lubich war Gründerin der im katholischen Umfeld entstandenen Fokolarbewegung, Heß evangelischer Pfarrer und Verantwortlicher in der ökumenischen "Bruderschaft vom gemeinsamen Leben". Beide geistlichen Bewegungen haben sich der Einheit der Christen verschrieben. Von Anfang an war daher auch das Ottmaringer Lebenszentrum ein Modellprojekt der Ökumene. Hier sollten Menschen unterschiedlicher christlicher Konfessionen zusammen leben. "Ottmaring war von Anfang an für alle christlich Getauften offen", sagt Brigitte Horneber: "evangelisch, katholisch, anglikanisch, orthodox oder auch freikirchlich."

Mit drei Häusern auf einem kargen und hügeligen Feld begann das Projekt. Heute umfasst die Siedlung etwa zwei Dutzend Gebäude, in denen rund 80 Menschen leben. "Hinzu kommen 30 bis 40 Freunde, die sich ebenfalls zugehörig fühlen und in der Nähe wohnen", erläutert Gerhard Horneber, der wie seine Frau Brigitte dem Vorstand des Lebenszentrums angehört. Eine "Gemeinschaft der Gemeinschaften" sei Ottmaring, sagt er. Familien leben hier ebenso wie alleinstehende Frauen und Männer. Zudem gibt es eine Wohngemeinschaft von Priestern, in der mittlerweile auch ein evangelischer Diakon wohnt.

"Wir schauen auf das, was uns verbindet"

"Was uns alle verbindet, ist das Berufensein von Gott", erläutert Brigitte Horneber. Wer nach Ottmaring ziehe, habe sich entschlossen, "das Evangelium im Alltag zu leben – mit Jesus in der Mitte", meint die Religionslehrerin, die vor zehn Jahren íhren Beruf aufgegeben hat, um "ganz frei zu sein für das Lebenszentrum", wie sie sagt. Jeden Abend gibt es hier ein gemeinsames Gebet für die  Einheit der Christen. Zweimal pro Woche feiern die Bewohner Gottesdienste mit Abendmahl – einmal evangelisch, einmal katholisch. Ein gemeinsames Abendmahl gibt es aber nicht.

"Wir haben unterschiedliche religiöse Prägungen, doch wir schauen auf das was uns verbindet", sagt Andrea Rösch. Die Katholikin gehört der Fokolar-Bewegung an. Vor drei Jahren ist sie nach Ottmaring gezogen, um hier "die Idee der Ökumene zu leben, die vom Lebenszentrum ausgeht". Ähnlich ging es Maria Kny, ebenfalls im Vorstand des Zentrums. Sie wohnt seit 2010 hier: "Für mich ist Ottmaring ein Modell dafür, wie die Einheit der Christen im Alltag aussehen kann", sagt die Fokolarin: "eine Einheit trotz unterschiedlicher Konfessionen – eine Einheit in Vielfalt."

Ökumene reißt niemanden mehr vom Hocker

Von Ottmaring seien im Laufe der Jahre etliche Impulse für die Ökumene ausgegangen, meint Brigitte Horneber. So trafen sich Katholiken und Protestanten hier im Jahr 1999, nach der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Daraus entstand des Ökumene-Netzwerk "Miteinander für Europa." Welche Impulse das Lebenszentrum heute liefern könnte, darüber wollen sich die Teilnehmer bei ihrem Treffen zum 50-Jährigen Gedanken machen. "Das Stichwort Ökumene reißt heute niemand mehr vom Hocker", meint Gerhard Horneber. In vielen Kirchengemeinden sei man da schon weit vorangekommen. Dennoch: Ein Modell könne Ottmaring auch heute noch sein, ergänzt Brigitte Horneber: "Dafür, was es bedeutet, gemeinsam Christsein im Alltag zu leben."

 

Hinweis

Bei einem Tag der offenen Tür mit Sommerfest zum 50. Jubiläum kann man das Lebenszentrum kennenlernen. Termin: Sonntag,  22. Juli, ab 14 Uhr, Eichenstraße 31, Ottmaring. www.ottmaring.org

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