16.06.2019
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Wer lehrt uns den Glauben? (2. Kor. 13, 3-11)

Können Sie sich erinnern, wer Ihnen den Glauben beigebracht hat? Die Eltern? Die Freunde? Der Religionslehrer, die Pfarrerin im Konfirmandenunterricht? Mir würde es schwerfallen, einen einzigen Menschen zu benennen, der mir den Glauben geschenkt hat, sagt Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik. In ihrer Evangelischen Morgenfeier begibt sie sich trotzdem auf die Suche.
Apostel Paulus
Apostel Paulus schreibt seine Briefe, Gemälde von Valentin de Boulogne

Als Kind merkt man sich manche Situationen ganz genau. Da war Frau Bergmeister meine Lehrerin in der ersten Klasse: Sie nahm schon mal meine kleinen Hände in ihre mollig weichen und wärmte sie, wenn ich im Winter nach dem eiskalten Schulweg blaugefroren vom Fahrrad gestiegen war. Setz Dich neben mich, Johanna, Deine Hände sind ja ganz blau. Und dann saß ich in einer Mischung von Stolz und Befangenheit vorne am Lehrerpult und meine Lehrerin wärmte mich für wenige Augenblicke. Frau Glenk, das war dann der Name meiner Lehrerin in der dritten Klasse und Herrn Strobel, hatten wir in der vierten. Bei Herrn Herr Strobel konnte man noch mit dem Lineal Bekanntschaft machen, wenn man sich zu intensiv mit der Nachbarin unterhielt.

Man vergisst sie nicht, die Lehrerinnen und Lehrer, die einem beigebracht haben zu schreiben und zu lesen, die einem ganze Welten eröffnet haben. Die Welt der Zahlen und die der Buchstaben. Ja wir verdanken unseren Lehrern ganze Welten. Wir verdanken ihnen, wie wir sie sehen und wie sie sich anfühlen. Sie bringen uns bei, wie wir uns in unserem Leben orientieren können. Solange wir klein sind, sind wir ihnen auch ausgeliefert: Unsere Lehrerinnen können uns ermutigen oder entmutigen, sie können uns Selbstbewusstsein schenken oder rauben. Ein Leben lang erinnern wir ihre Namen, ihre Gesichter ihre Angewohnheiten und Marotten.

Wenn wir dann etwas älter sind, suchen wir uns unsere Lehrer selbst aus: Den Schreinermeister, der dem Lehrling das Hobeln und Zuschneiden beibringt, den Elektromeister, der uns zeigt wie wir Leitungen aufspüren oder legen, die Pflegedienstleitung, die lehrt, wie man mit Patienten umgeht, die Professorin, die ihre Schülerinnen und Schüler in die Zukunftswelten dieser Gesellschaft entführt, der Gitarrenlehrer, der mir Klangwelten erschließt. Eines Tages blicken wir zurück und bei einigen dieser Menschen spüren wir eine heftige Dankbarkeit, dass wir sie treffen durften, auf andere hätten wir verzichten können – aber von jedem haben wir etwas mitbekommen und mitgenommen.

Selbstverständlich gelebte Religion

Können Sie sich erinnern, wer Ihnen den Glauben beigebracht hat? Die Eltern? Die Freunde? Der Religionslehrer, die Pfarrerin im Konfirmandenunterricht? Der Firm- oder Kommunionsbegleiter? Mir würde es schwerfallen, einen einzigen Menschen zu benennen, der mir den Glauben geschenkt hat. Der Glaube an einen gütigen, verzeihenden, behütenden Gott, das war so ein selbstverständliches Grundrauschen in meiner Kindheit. Die Mutter, die beim Zubettgehen mit uns Kindern betete: Breit aus die Flügel beide o Jesus meine Freude und nimm Dein Küchlein ein, will Satan mich verschlingen, so lass die Engel singen, dies Kind soll unverletzet sein!

Oder: die steinalte Tante, die zwei Kriege überlebt hatte, die die Tageslosungen studierte jeden Tag und vor jeder Mahlzeit Gott dankte. Der Vater, der morgens am Frühstückstisch Texte aus der Bibel vorlas, aus einer wunderbaren Textsammlung, die damals gerade erschienen war: "Womit wir leben können", hieß das Buch. Der populäre Theologe Jörg Zink hatte für jeden Tag des Jahres eindrückliche Bibeltexte gesammelt und neu übersetzt. Über die Jahre hörten wir Kinder jeden Tag einen Abschnitt dieser gewaltigen biblischen Sprache.

Wie lernen wir glauben? Der heutige Sonntag, der dem Glauben an den dreieinigen und dreifaltigen Gott gewidmet ist, schenkt uns einen Text, der uns wie durch ein Schlüsselloch einen kleinen Einblick gibt in die Zeit, als die ersten Menschen auf Erden vom Glauben an diesen dreieinigen Gott erfahren haben.

Wir befinden uns im Herbst des Jahres 55. Also rund zwanzig Jahre nachdem Jesus gestorben war. Die Erinnerungen an Jesus, sein Leben, seine Lehre und sein Sterben waren noch ganz frisch. Das war weniger Zeit als der Fall der Mauer im Herbst vor 30 Jahren … Paulus, der unermüdliche Christusprediger hat gerade eine harte Zeit hinter sich. Er war eingesperrt gewesen, seine chronische Krankheit hat ihn wieder heftig gequält – ganz genau wissen wir nicht, was er hatte, aber er spricht darüber, dass diese Krankheit ihn martert, wie ein Pfahl im Fleisch. Schmerzpatienten kennen das.

Und nun kommt ihm zu Ohren, dass er bei seiner Lieblingsgemeinde in Korinth auf dem Peloponnes harte Konkurrenz bekommen hat. Er, Paulus hatte dort Christus gepredigt und die Demut und Stärke, die darin liegt, dass man seine Schwächen kennt und offenbart. Er hatte gepredigt, dass Gott groß wird, wenn wir klein sind. Er hatte den staunenden Griechen, die nur ihre korrupte Götterwelt kannten, diesen leidenden Christus ans und ins Herz gelegt: die Option für die Armen, der Respekt vor den Kleinen, der Mut zum Selbstopfer, die Hoffnung auf die Liebe Gottes über den Tod hinaus.

Die Konkurrenz der Glaubenslehrer

Und nun waren wohl einige Gutausseher und Lautsprecher in der Gemeinde aufgetaucht und hatten bei der jungen und überschaubaren Gemeinde in Korinth Zweifel gesät, ob Paulus auch autorisiert sei, die Lehre Christi weiterzugeben. Ob so ein unscheinbarer Mann, der noch dazu kränklich ist und der kein Geld annimmt von niemandem, ob der auch ein guter und rechter Lehrer sein kann? Ob man ihm glauben könne?

Ein geistlicher Lehrer, der kein Geld annimmt und sich nicht aushalten lässt von den Gemeindegliedern, der ist doch nichts wert, flüsterten seine Gegner. Der ist wohl selber von seiner Qualität nicht überzeugt. Denn wenn etwas gut ist, ist es auch teuer. Und außerdem: jemand, der so schwächlich und kränklich daher kommt, der kann doch Gott nicht auf seiner Seite haben. Nein. Paulus hatte in der frühen Christenheit keine Heldenrolle. Er hat wohl auch enttäuscht. Leute die ihn von seinen Briefen kannten und wegen seiner gebildeten Argumentation und der spirituellen Kraft seiner Worte Christen geworden waren, die waren nicht schlecht ernüchtert, wenn sie ihm das erste Mal persönlich begegneten. Ein schwächliches Männchen. Dürr, ausgemergelt. Blass. Das alles steht im Hintergrund, wenn Paulus nun zum zweiten Mal an diese Gemeinde schreibt und sich verteidigt und der großartige Satz fällt, dass Gott gerade in den Schwachen mächtig ist.

Den zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth nennen die Schriftgelehrten auch den Tränenbrief. Paulus weint, weil er spürt, dass der Glaube, den er weitergegeben hat durch andere Lehrer verwässert und verwischt wird, womöglich in sein Gegenteil verkehrt. Er hat Sorge, dass seine Schüler ihm nicht mehr glauben. Wo er Demut gepredigt hat und Selbstbeschränkung, wo er gepredigt hat, dass das Äußere nichts aber auch gar nichts über einen Menschen aussagt, da werden nun die Maßstäbe verschoben. Auftritt. Aussehen. Effektivität. Zählbarer Erfolg. Paulus weint über diese Situation, aber er hält auch dagegen. Er kämpft um seine Autorität und um die Menschen, die ihm als Glaubenslehrer gefolgt waren, die sich hatten taufen lassen und jetzt nicht mehr ganz sicher sind.

Er schreibt in scharfem Ton:

Ihr verlangt ja einen Beweis dafür, dass Christus in mir redet, der euch gegenüber nicht schwach ist, sondern ist mächtig unter euch.

Denn wenn er auch gekreuzigt wurde in Schwachheit, so lebt er doch aus Gottes Kraft. Und wenn wir auch schwach sind in ihm, so werden wir doch mit ihm leben aus der Kraft Gottes für euch. ...

Deshalb schreibe ich auch dies aus der Ferne, damit ich nicht, wenn ich anwesend bin, Strenge gebrauchen muss nach der Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat, zu erbauen, nicht zu zerstören.

Und dann etwas versöhnlicher schließt er:

Zuletzt, Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.

Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Die Kirchgänger unter Ihnen kennen diesen Ausruf:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Viele Prediger und Predigerinnen nutzen diese Grußformel, wenn sie auf der Kanzel stehen und ihre Predigt beginnen. Da wird der dreieinige Gott gerufen, der Gnade, Liebe und Gemeinschaft schenkt. Im Namen dieses Gottes kämpft nun Paulus um seine Gemeinde, um den Glauben der neuen Christen und nicht zuletzt um seine Autorität als spiritueller Lehrer.

Der heilige Kuss

Wie kann Paulus das vereinbaren? Er wird hinterfragt, seine Lehre wird für absurd erklärt. Üble Nachrede, abfällig Bemerkungen. In Zweifel gezogen wird der ganze Mann mit allem, was ihn ausmacht. Und trotzdem sendet er dann den Korinthern Gottes Gnade, Liebe und Gemeinschaft im selben Atemzug, in dem er Strenge androht und dass er niemanden und nichts schonen werde, wenn er kommt. Wie geht das zusammen? Er sendet seiner Gemeinde einen heiligen Kuss und tadelt sie zugleich.

Was wir Nachgeborenen nach 2000 Jahren Christentum aus diesem Briefende lernen können, das ist die Erkenntnis, dass es niemals eine Zeit unter Christen gegeben hat, wo alles Friede Freude Eierkuchen war. Christen haben schon immer miteinander um den richtigen Weg gestritten wie die Kesselflicker.

Paulus ganz besonders. Gegen den Willen des Jesusjüngers Petrus setzte er durch, dass das Christentum nicht nur dem jüdischen Volk weitergegeben wird, sondern der ganzen Welt. Petrus war überzeugt, dass zuerst Jude werden müsste, wer Christ werde: Also Sabbat halten und Speisegesetze und Beschneidung und das ganze Programm.Paulus hielt dagegen. Hartnäckig und streitbar. Er handelte für sich die Lizenz zur Heidenmission gegen den erbitterten Widerstand anderer Gemeindeleiter. Er war sich so sicher Christus richtig verstanden zu haben, dass er sich mit jedem anlegte, der anderer Meinung war.

Und es gab ein paar Punkte an denen er beharrlich festhielt - und die spätere Geschichte gab ihm recht. Erstens: Christus und mit ihm der Vater und mit beiden der heilige Geist, die drei in eins, das ist der wahre Gott und der ist für die ganze Welt da. Zweitens: Dieser Gott will keine äußeren Gesetze. Der will die Freiheit. Nur wenn Menschen frei sind, werden sie aus vollem Herzen glauben können. Sie werden keine Angst mehr haben, sondern sie werden ihre Kraft aus Gott schöpfen, der wärmt und ausstrahlt wie ein heißer Backofen voller Liebe – wie Martin Luther später formulieren wird. Drittens: Der Maßstab, mit dem dieser Gott misst, steht quer zu allen Erfolgskriterien dieser Welt. Und zuletzt: Dieser Gott ist ein Gott des Friedens, aber kein Gott eines faulen Friedens. In dieser jungen Gemeinde in Korinth kann man einen Konflikt nachzeichnen, der das Christentum von Anfang an begleitet. Wie misst man Erfolg?

Wie misst man Erfolg?

Auch wenn Paulus sich sehr verletzt und attackiert fühlte, als er an die Korinther schrieb, in der Rückschau war er ein extrem erfolgreicher Missionar. Wie von Engeln gehetzt trieb es ihn durch die ganze damals bekannte Welt. Immer wieder geriet er zwischen die Fronten, wurde vertrieben, angezeigt, eingesperrt. Aber er erfuhr eben nicht nur Ablehnung, noch mehr Ärger bekam er, wenn er Erfolg hatte. Wenn Juden und die sogenannten Heiden, also Männer und Frauen, die andere Kulte feierten und an andere Götter, wenn die zusammen eine christliche Gemeinde gründeten. Wenn die sich taufen ließen und nun einen Gekreuzigten anbeteten, der angeblich vom Tod auferstanden war.

Dieser Glaube an einen gekreuzigten Gott, der die Hölle durchquert hat und den Tod überwunden, dieser Glaube erschien schon vor 2000 Jahren absurd. Fremd. Unlogisch. Quer zu allen Glaubenskonzepten, die der Überzeugung waren, Religion hilft, um im Leben erfolgreich zu sein. Hilft, dieses Leben schmerzfrei und wohlhabend zu bestehen. Kurz: der Glaube hilft zu siegen. Nein, der dreieinige Gott, der sich auffaltet in die Gnade des Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der ist kein Erfolgsgarant, aber er eröffnet einen ganz neuen Lebensraum.

Eine neue Dimension

Können Sie sich noch erinnern, als Sie in der Schule zum ersten Mal gelernt haben, räumlich zu zeichnen? Dreidimensional. Plötzlich wurde aus einem flachen Quadrat, ein Würfel. Wir lernten mit einem Mal eine neue Dimension darzustellen. Ein solcher Moment trat mit dem Glauben an Christus in die Welt: Die Entdeckung einer neuen Dimension und die spielentscheidende Frage: Wie misst man Erfolg in der Welt. Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das ist die neue welterschütternde christliche Dimension. Das hat Gott dem Paulus geflüstert. Das ist der Kern der Lehre dieses christlichen Lehrers. Die Kraft in der Schwachheit. Das ist die neue Dimension in Gott.

Da ist einmal der Gott der Schöpfer, der den Kosmos und die Erde geschaffen hat. Der Gott, der die Erde segnet und fruchtbar macht, der den Menschen und Tieren seinen lebendigen Atem geschenkt hat und der uns beauftragt hat, auf seine Schöpfung aufzupassen. Die neue Dimension, das ist die Christusdimension. Diese umwerfende und weltverändernde Erfahrung, dass dem Tod die Macht über unser Leben genommen wird. Wir hören auf, unser Leben von der Grenze des Todes her zu denken, sondern wir denken in den Strömen der Zukunftshoffnung. Wir lassen uns keine Angst machen von denen, die uns Opfer und Loser nennen, oder von denen die Kirchensteuereinnahmen zählen und die die Kirchenaustritte in die Schlagzeilen schreiben und das Christentum in Deutschland zu den bedrohten Arten rechnen.

Will man dem Lehrer Paulus glauben, dann ist die Masse und der Reichtum nicht der Maßstab des Erfolgs für die christlichen Gemeinden und die christlichen Kirchen, sondern die Kraft und Stärke der Hoffnung auf eine liebevolle und gerechte Zukunft dieser Welt. Man sieht dann schon mal alt aus und schwach. Trotzdem werden wir uns den Logiken derer entgegenstellen, die Erfolg nur nach Ranking rechnen und Wettbewerb, die das Recht des Stärkeren für die natürliche Ordnung der Welt halten, die ausgrenzen und polarisieren, anstatt Menschen in ihrer Schwäche zu unterstützen.

Paulus hält denen, die äußeren Erfolg für ein Gotteszeichen halten die Gemeinschaft des Heiligen Geistes entgegen. Diesen anarchischen aufständischen Geist der Kreativität und Innovation, die aus der Perspektive der Opfer wächst. Der Fluchtopfer und der Kriegsopfer und der Opfer rassischer Verfolgung. Aus dieser Perspektive entspringt die Phantasie der Liebe. Aller Einfallsreichtum fließt hier in die Gemeinschaft. In die Linderung von Leiden und in die Neugestaltung der Gesellschaft durch den Geist der Solidarität. Um diesen Geist darf man streiten und um den rechten Weg.

Und: Man kann diesen Heiligen Geistes immer wieder bei der Arbeit bewundern, wenn Gemeindeglieder ihren Glauben weitergeben als Kindergottesdiensthelfer oder Konfirmandenbegleiterinnen, als Kirchenvorsteher, Organistinnen und Küster. Oder wenn sich Christen für die Menschengemeinschaft einsetzen: Bei den Friedensdemonstrationen, die vor 30 Jahren die Mauer ins Wanken brachten. Bei den Seenot-Rettern. Wenn heftig und lebendig debattiert wird auf der Suche nach neuen Wegen für die Gesellschaft und die Menschengemeinschaft, dann spüren wir den Spirit der Zukunft. So wie nächste Woche auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Die Rechnung: was wäre wenn...kann man nicht seriös aufmachen, aber fragen kann man schon: Was wäre, wenn es die Kirchentage auf denen Bürger und Christen und Politikerinnen und Wissenschaftler um die Zukunft ringen und auf die Bibel hören, wenn es die in den vergangenen siebzig Jahren in Deutschland nicht gegeben hätte. Diese großen Feste des Heiligen Geistes, diese überdimensionalen Lehrhäuser, in denen die christlichen Lehrer und Lehrerinnen ihre Gedanken zum Menschen und seiner Seele entfalten und die zur Zukunft der Welt.

Eine dieser Lehrerinnen war eine Institution auf dem Kirchentag. Sie ist schon seit vielen Jahren tot, aber wir vermissen sie noch immer. Die Gottessängerin Dorothee Sölle: Sie war eine Poetin der großen Befreiung durch Christus, der uns Menschen die Angst vor dem Tod genommen hat. Und das hört sich so an:

 

Gegen den Tod[1]

Ich muss sterben
aber das ist auch alles
was ich für den tod tun werde

Alle andern ansinnen
seine beamten zu respektieren
seine Banken als menschenfreundlich
seine erfindungen als fortschritte der wissenschaft
zu feiern werde ich ablehnen

All den anderen verführungen zur milden depression
zur geölten Beziehungslosigkeit zum sicheren wissen

dass er ja sowieso siegt will ich widerstehen

Sterben muss ich
aber das ist auch alles was ich für den tod tun werde

Lachen werd ich gegen ihn geschichten erzählen
wie man ihn überlistet hat und wie die frauen ihn

aus dem land trieben

Singen werd ich
und ihm land abgewinnen mit jedem ton

Aber das ist auch alles

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