30.03.2018
Geistliches Wort zum Karfreitag

Regionalbischof Weiss: Not und Tod gehören zur Welt

Auf dem Kalender dieser Tage stehen besonders zwei Festtage: Karfreitag und Ostersonntag. Ihr Anlass und ihr Charakter könnten kaum unterschiedlicher sein. Davon spricht der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss in seinem geistlichen Wort zum Karfreitag.
Jesus am Kreuz

Das Osterfest ist von seiner Bedeutung und vom Anlass her, den ihm viele beilegen, präsent und populär. Ostern gilt gemeinhin bei uns als der Beginn der warmen Jahreszeit. Der Frühling setzt sich immer mehr durch, und die Freude auf helle und warme Tage bestimmt das Leben. Viele Menschen werden ungeduldig, wenn das, was sie sich von diesen Tagen wünschen, nicht so schnell - wie gewünscht - eintritt.

Manchmal - so auch dieses Jahr - lässt der Frühling auf sich warten. Dann wird er voller Ungeduld ersehnt. Überhaupt ist Ungeduld ein bestimmendes Merkmal für das heutige Lebensgefühl. Das Leben in vollen Zügen genießen und davon möglichst wenig versäumen, für einige ist das etwas wie ein Menschenrecht. Geduld passt zu einem solchen Lebensgefühl wenig oder fast gar nicht.

Der Karfreitag - so wie ihn die christliche Kirche feiert - steht für ein völlig anderes Lebensgefühl.

Er gibt einem eine Vorstellung davon, wie man sich in Krankheit und Tod verlassen und allein fühlen kann, wie einem Schmerzen zur unerträglichen Qual werden können. Jesus, der am Kreuz leidet, der von Schmerzen und Wunden gepeinigt wird, der seine Not erträgt und überwindet, der sagt: "Es ist vollbracht!", und der dann sein Haupt zur Seite legt und stirbt - er ist oft eine richtig sperrige Gestalt, die wenig mit dem eigenen Lebensgefühl zu tun hat. Aushalten, durchstehen, ertragen - vielen sind solche Lebenskonzepte heute fremd.

Es bringt wenig, deren Notwendigkeit mit Larmoyanz und Besserwisserei anzumahnen, und zu betonen, wie zweckmäßig sie seien, um das Leben zu bestehen. Zugleich bekommt es schon jedem einzelnen Menschen gut, wenn er für alle Fälle vorbereitet ist, wenn er wirklich weiß, was mit dem Sprichwort gemeint ist: "Geduld bringt Rosen!"

Das Kreuz, an das sie Jesus geschlagen haben, steht deutlich dafür, dass Not und Tod genauso zur Welt gehören wie das Leben und die Freude.

Das eine dürfen wir uns wünschen, das andere können wir nicht anders bestehen, als dass wir es aushalten. Schön wäre es, wenn wir uns beides ermöglichen könnten: die drängende Vorfreude auf schöne Tage und die Geduld in Leidenszeit. "Dein Will´ geschehe, Herrgott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich, gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorsam sein in Lieb und Leid. Wehr und steu´r allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen tut.'"

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