24.08.2019
Interreligiöses Gipfeltreffen geht zu Ende

"Religions for Peace" wollen Klimaschutz und Frauenrechte stärken

Mehr als 900 religiöse Repräsentanten haben mehrere Tage am Bodensee über aktuelle Konflikte beraten. In welchen Bereichen die Konsultationen Fortschritte brachten und was die Abschlusserklärung von "Religions for Peace" beinhaltet, lesen Sie in diesem Bericht.
Lindau Hafen
Lindauer Hafenanlage.

Mit politischen Forderungen zu Klimaschutz, Frieden und Frauenrechten ist die 10. Weltversammlung von "Religions for Peace" in Lindau am Freitag zu Ende gegangen. Die neu gewählte Generalsekretärin von "Religions for Peace", Azza Karam, sieht die Bedeutung des Treffens vor allem im Zusammenwirken der mehr als 900 religiösen Repräsentanten. "Wir haben uns dazu verpflichtet, an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Wir sind zu einer Bewegung geworden", sagte die niederländische Religionswissenschaftlerin am Freitag vor Journalisten. Vertreter aller Weltreligionen hatten seit Dienstag über aktuelle Konflikte beraten.

Die Teilnehmer der Versammlung erklärten, das Bewusstsein ihrer Gemeinschaften für den Schutz der Regenwälder schärfen zu wollen.

"Wir wollen einen ökologisch ausgewogenen und nachhaltigen Lebensstil praktizieren und uns für Regierungsmaßnahmen zum Schutz der Urwälder einsetzen", heißt es in der Abschlusserklärung. Dazu gehöre auch das Engagement für die Rechte indigener Völker.

Um Konflikte zu entschärfen, will die religiöse Nicht-Regierungsorganisation ihre Mitglieder im Konfliktmanagement schulen. "Friedenserziehung von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter soll gewalttätige Konflikte verhindern", heißt es in dem vierseitigen Dokument. Weiter bekennen sich die Vertreter dazu, die Karrieren von Frauen in Institutionen unterstützen zu wollen.

Zugleich sollen Frauen als Vermittlerinnen in Konflikten unterstützt werden.

Zur Situation der Rohingya-Flüchtlinge gab es mehrtätige Beratungen zwischen religiösen Führern aus dem buddhistisch geprägten Myanmar und Bangladesch. Denzil Abel von "Religions of Peace" in Myanmar sagte, in den Konsultationen sei es gelungen, "Irritationen" aufzulösen. "Wir wollen noch weitere, tiefergehende Beratungen führen", erklärte er.

Vor zwei Jahren waren Hunderttausende muslimische Rohingya vor Myanmars Armee nach Bangladesch geflüchtet, wo sie seitdem ohne Perspektive ausharren. Die Vertreter äußerten sich nicht zu Ergebnissen aus weiteren nicht-öffentlichen Beratungen zwischen Religionsführern aus Krisenregionen wie Nord- und Südkorea oder dem Kongo. Auch der islamistische Terrorismus im Mittleren Osten und Afrika war Thema der mehrtägigen Beratungen.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann wird zukünftig eine wichtige Rolle bei Entscheidungen des religiösen Welt-Gipfels übernehmen.

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist in den aus 80 Mitgliedern bestehenden "World Council" gewählt worden. Der "World Council" ist das höchste Beschlussgremium von "Religions for Peace".

Der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn, würdigte das Treffen als "ein Zeichen der Einheit". "Die Vertreter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Religionen mehr verbindet als sie trennt", sagte der Pfarrer. Dies sei auch ein Signal an politische Kräfte, die Nationalismus propagieren und auf Abgrenzung setzen. "Die Religionsführer demonstrieren, dass sie sich dafür nicht instrumentalisieren lassen", erklärte Hahn. Stattdessen setzten sie auf einen gemeinsamen Einsatz für

Frieden, Versöhnung, gerechte Lebensbedingungen und Umweltschutz.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte die Konferenz am Dienstag eröffnet. Steinmeier betonte, die gemeinsame Botschaft von Lindau müsse sein: "Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein."

Die Weltversammlung fand erstmals in Deutschland statt, sie tritt etwa alle fünf Jahre zusammen. Teilnehmer berieten, teils hinter verschlossenen Türen, über Konfliktprävention und "gerechte Gesellschaften".

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