Dekanat Bad Tölz
Leitungswechsel im evangelischen Dekanat Bad Tölz: Zum 1. März 2021 hat Heinrich Soffel die Nachfolge von Martin Steinbach als Dekan im Oberland angetreten
Dekan Heinrich Soffel
Dekan Heinrich Soffel

Seit 1. März 2021 ist der Theologe Heinrich Soffel der Dekan für das evangelische Dekanat Bad Tölz. Soffel  sagte, er wolle Netzwerke knüpfen, attraktive Erlebnisräume schaffen und einen bodenständigen Glauben leben, "damit eine lebendige Kirche wächst und gedeiht". Heinrich Soffel ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Zum Dekanatsbezirk Bad Tölz gehören zwölf evangelische Gemeinden mit rund 30.000 Mitgliedern, die sich auf die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach verteilen.

Pfarrer Heinrich Soffel war in Niederbayern

Heinrich Soffel hatte seit 2006 die erste Pfarrstelle im niederbayerischen Pfarrkirchen inne. Der 55-Jährige gebürtige Münchner, der selbst jahrelang in der evangelischen Jugend aktiv war, hatte dort Schwerpunkte auf Jugendarbeit und diakonische Fragen gelegt.

Der Tölzer Dekan Martin Steinbach war zum 31. Januar 2021 in den Ruhestand gegangen.

Der Münchner Regionalbischof Christian Kopp begrüßte die Wahl: "In Pfarrer Heinrich Soffel bekommen die Evangelischen im schönen Dekanat Bad Tölz einen Menschen mit großem Herz für alle Menschen, mit Weitblick und viel Lust auf die Gestaltung kirchlicher Zukunftsfragen", so Kopp.

Evangelische Dekanat Bad Tölz

Evangelisch im Oberland - so nennt sich das Dekanat Bad Tölz. In der Region nahe an den bayerischen Alpen leben rund 30.000 Evangelische, hier stehen zwölf Kirchen. Alle Infos zum Dekanat - inklusive Links zu den Gemeinden - finden Sie unter diesem Link.

Dekan Heinrich Soffel
Dekan Heinrich Soffel auf dem Liegefahrrad.

Dekan Heinrich Soffel über seinen Amtsantritt im Lockdown

Er fährt schonmal mit dem Liegerad um den Altar oder bastelt mit seinem 3D-Drucker Geschenke für Gottesdienstbesucher. Nach Stationen in Franken, Schwaben und Altbayern ist Heinrich Soffel vor 100 Tagen, also mitten in der Corona-Pandemie, als neuer Dekan von Bad Tölz zurückgekehrt zu seinen oberbayerischen Wurzeln. Wir haben mit ihm über Amtsantritt im Lockdown gesprochen.

Herr Soffel, seit 1. März sind Sie verantwortlich für die zwölf evangelischen Gemeinden und ihre 30.000 Mitglieder in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. Konnten Sie das Dekanat trotz Lockdown überhaupt schon richtig kennenlernen?

Soffel: Die meisten Kirchenvorstände habe ich schon besucht, ich war in einigen Besprechungen und bei vielen Kolleginnen am Ort. Aber das Gemeindehaus und die Gottesdienste bieten ein anderes Bild, fast geisterhaft leer, Gesichter nur hinter Masken. Da freue ich mich, dass wir uns hoffentlich bald mehr persönlich treffen.

Für alle die, die noch keine Gelegenheit hatten, Sie kennenzulernen: Wer ist Heinrich Soffel?

Soffel: Meine Wurzeln reichen nach Berlin Dahlem zur Gemeinde von Niemöller und Bonhoeffer. Ich bin nicht verwandt, aber meine Vorfahren waren zu dieser Zeit dort und meine Mutter wurde da auch getauft. Ich selbst bin in München geboren und in Gauting aufgewachsen. Eigentlich wollte ich Physik studieren. Aber dann habe ich festgestellt: Mich interessiert nicht nur die Frage "Wie funktioniert alles?", sondern besonders: "Welchen Sinn hat das alles?"

Gleichzeitig ist Nächstenliebe für mich nicht nur ein Wort, sondern etwas, das täglich gelebt werden will. Darum habe ich mich immer für Schwache und Ausgegrenzte eingesetzt, für Kinder, aber auch alle anderen Formen der Diakonie.

Privat bin ich 25 Jahre verheiratet mit einer Pädagogin. Gemeinsam haben wir drei frisch erwachsene Kinder. In meiner Freizeit bastele ich gerne, bin viel in der Natur, spiele klassische Gitarre am liebsten aus der Renaissance-Zeit und liebe Science-Fiction oder Fantasy-Romane. Freizeit ist für mich auch in der Bibel zu lesen und über Gott und die Welt zu diskutieren. Ich male gerne, treffe mich zu Gesellschaftsspielen, engagiere mich in Vereinen. Langweilig ist mir nie. Mein Motto ist: Wer glaubt, hat mehr vom Leben!

Sie haben zwei Hobbies, die neugierig machen: Liegerad-Fahren und 3D-Druck. Kommt beides auch beruflich zum Einsatz?

Soffel: Mit dem Liegerad bin ich schonmal in der Kirche bei der Predigt um den Altar gefahren. Ich nutze meine zwei Trikes wie normale Räder, auch für weite Strecken oder zum Einkaufen. Mit dem Drucker erschaffe ich Zubehör für die Räder zum Regenschutz, aber auch kleine "Giveaways" für Gottesdienste, wie Fische bei meiner Einführung. Es fasziniert mich, wie man in Gedanken ein Ding entwirft und es dann in die Realität bringt und in der Hand halten kann.

Zu Ihrem Amtsantritt nannte der Münchner Regionalbischof Christian Kopp Sie "einen Menschen mit Weitblick und viel Lust auf die Gestaltung kirchlicher Zukunftsfragen". Was sehen Sie denn, wenn Sie mit Ihrem Weitblick in die Zukunft der Kirche schauen?

Soffel: Ein Prophet bin ich keiner und auch kein Freund allzu genauer Konzepte für die Zukunft. Mir ist wichtig zu erkennen, wie sehr sich Kirche immer wandelt und gewandelt hat. Als ich 1995 mein Vikariat antrat, bekamen wir gesagt: "Macht was anderes, wir haben zu viele Pfarrer". Und jetzt sehen wir: In spätestens zehn Jahren können wir mindestens jede dritte Pfarrstelle mangels Personal gar nicht besetzen. Ich weiß nicht was kommt, aber vieles was wir heute für "Das war schon immer so" halten, war nicht immer so. Darum bin ich zuversichtlich und klage nicht. Das Narrativ von der Kirche, die bald nicht mehr besteht, stimmt einfach nicht.

Was fällt Ihnen ein zum Dekanat Bad Tölz?

Soffel: Zwölf Gemeinden wie die zwölf Stämme Israels. Hochgradig miteinander verbunden. Viel Ähnlichkeiten, aber doch jede für sich etwas Besonderes. Eine Landschaft, die zum Danken über Gottes wunderbare Schöpfung einlädt. Sehr engagierte und kompetente Menschen. Hoher Freizeitwert mit Bergen, Flüssen, Seen und Forsten. Spannende Gewitter und traumhafter Sonnenschein.

Apropos Israel … Das Dekanat hat eine Partnerschaft mit der Evangelischen Kirche im Heiligen Land. Hat Corona etwas am Austausch verändert?

Soffel: Eine Gruppe trifft sich per Zoom zu Gesprächsabenden. Das ist sehr eindrücklich für junge Menschen, wenn plötzlich an einem Spieleabend ein Teilnehmer aus Palästina unterbrechen muss, weil vor seinem Haus Explosionen sind. Das ist dann nicht mehr weit weg, sondern sehr nah. Wir planen derzeit für den Herbst wieder eine persönliche Begegnung. Kirche ist für mich eine weltweite, und da finde ich den internationalen Austausch sehr wichtig, genauso wie Ökumene oder die interreligiöse Gebetsgemeinschaft.

Das Oberland ist eine beliebte Kur- und Urlaubsregion. Wie sehr wurde es von der Pandemie gebeutelt?

Soffel: Die Übernachtungszahlen sind stark eingebrochen. Viele Straßen waren leer und nicht wenige haben Existenzen verloren. Andererseits spüren wir hier auch, wie es ist, wenn Münchner nicht wegfliegen können, sondern halt hier die Naherholung suchen. Das schafft Spannungen.

Wie sind Sie selbst durch die Pandemie gekommen?

Soffel: Die Pandemie hat mich geerdet. Weniger außer Haus, mehr daheim. Mehr Zeit für die Familie. Gleichzeitig im Aufrechthalten von zwei Kindertagesstätten und zwei Altenheimen, Sonderschichten rund um die Uhr, acht Tage die Woche. Ich habe Neues gewagt und als Jugendpfarrer Osternacht auf Discord gefeiert oder Wochenendandachten an Haushalte verteilt. Was aber unbedingt wieder kommen muss, ist das gemeinsame Singen und Feiern. Wir sind nicht für Distanz gemacht, sondern brauchen Mitmenschen, die uns entsprechen. So fängt es ja schon in der Bibel an.

Was steht als nächstes an?

Soffel: Oben auf steht weiter das Kennenlernen. Endlich einmal "in echt" und nicht nur per Zoom. Miteinander Gottesdienste feiern, Meilen zu Fuß erlaufen, Essen und Trinken. Wie Jesus unterwegs sein, nahe bei den Menschen in ihrem Alltag. Unsere Aufgabe ist die Kommunikation des Evangeliums, den einfachen Zugang zur Liebe Gottes: "Free Hug". Es geht ums Erleben und Spüren und nicht um wohlfeile Worte.
 

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"In der biblischen Geschichte vom Sabbat geht es auch um die Frage: Wie verbringe ich die von Gott geschenkte freie Zeit? Welche religiösen Rituale und Gebote brauche ich und welche nicht? Jesus ist liberal und streng zugleich. Er interpretiert die Gebote nicht ein bisschen milder als andere Rabbis. Jesus erinnert daran: Der Sabbat ist für den Menschen da." Evangelische Morgenfeier von Pfarrer Florian Ihsen, München.

Nikolaus Blum

Nikolaus Blum, Leiter des Landeskirchenamtes, ELKB
Der evangelischen Kirche geht nicht das Geld aus, sondern das Personal, meint Oberkirchenrat Nikolaus Blum, Chef des Landeskirchenamts. In einem Interview spricht er über die Auswirkungen der Corona-Krise und die Zukunft der Kirche.

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