Bei einem meiner vielen Besuche im Krankenhaus betrat ich das Zimmer eines älteren Herrn. Kurz zuvor hatten mich die Stationspfleger darauf hingewiesen, dass vor nicht allzu langer Zeit sein Sohn verstorben war. Nachdem ich mich vorgestellt und gefragt hatte, ob er Interesse an einem Gespräch habe, sagte er:

"Alles traurig. Aber wahr."

Ich dachte zunächst, es ginge um den Tod seines Sohnes. Doch nein – er sprach über alles Mögliche: über Politik, über das Leben heutzutage, über seine Zeit als Koch, und vieles mehr.

Manchmal schloss das Erzählte an die Schwere und Tiefe Eingangsworte an. Manchmal hingegen hatte es mit Traurigkeit überhaupt nichts zu tun.

Das Gespräch hallte in mir nach:

Können nur Dinge, die wahr sind, auch wirklich traurig sein? Ist die Trauer um etwas, das nicht real ist, eigentlich eine Spinnerei? Empfinden wir echte Traurigkeit nur über das, was tatsächlich wahr ist?

Und wo war in diesem Gespräch der verstorbene Sohn, über den er kein Wort verlor? Steckte er vielleicht in der ersten Aussage: "Alles traurig. Aber wahr."? War das viele Erzählen ein Weg, die Trauer zu umschiffen – ein Zeitvertreib, um nicht vom Verlust erdrückt zu werden?

Und schließlich: Was ist für mich wahr? Und was macht mich traurig?

Ein Satz – viele angestoßene Gedanken.

Berge, Gott und Menschen: Erlebnisse aus dem Vikariat