Seit Beginn des neuen Schuljahres darf ich wieder evangelischen Religionsunterricht an einer Grundschule geben. Ich mag die Arbeit an Grundschulen sehr. Die Kinder sind meist ehrlich und direkt und haben oft einen tiefen, authentischen Glauben. Man könnte von einem "Kinderglauben" sprechen. Gerade dieser Kinderglaube berührt mich immer wieder neu, weil er so echt und unverstellt ist.
Eine Frage im Religionsunterricht: Wie beten Kinder?
Neulich habe ich die Klasse nach ihren Erfahrungen mit dem Gebet gefragt.
"Betet ihr? Mit wem betet ihr?"
Es gab viele verschiedene Antworten:
"Mit meiner Oma", "mit meinen Eltern", "ich bete immer vorm Schlafengehen" und so weiter.
Beten mit der Katze: Eine Antwort, die berührt
Eine Antwort stach besonders heraus und ging mir sehr nahe. Ein Mädchen sagte:
"Ich bete immer mit meiner Katze. Ich kraule sie und bete dabei zu Gott."
Mit einem strahlenden Lächeln erzählte sie davon. Diese Szene hat mich tief berührt. Einfach so beten, wie man sich am wohlsten fühlt – sei es mit dem Lieblingshaustier, mit lieben Menschen, in der Natur, auf einem Berg, auf dem Sofa oder im Bett.
Ich wünsche mir, so direkt und unverstellt wie ein Kind zu Gott beten zu können. Mit einem kindlichen Vertrauen.
Vielleicht probieren Sie es ja auch einmal aus?
Berge, Gott und Menschen: Erlebnisse aus dem Vikariat
Mit der Reihe "Berge, Gott und Menschen: Erlebnisse aus dem Vikariat" gibt Johannes Göpffarth einmal die Woche Einblicke in seine Zeit als Vikar in Oberbayern. Persönlich, nachdenklich und mitten aus dem Alltag erzählt er von Begegnungen mit Glauben, Kirche und Menschen.
Folge 1: Die Taube am Tauftag – ein unerwarteter Besuch im Vikariat
Folge 2: "Alles traurig. Aber wahr." – Gedanken über Verlust und Wirklichkeit
Folge 3: Ein Kreuz zum ersten Mal: Erinnerungen an meine erste Taufe als Vikar
Folge 4: Ein Marienkäfer am Grab – Hoffnung mitten in der Trauer
Folge 5: Ein Taschentuch zur rechten Zeit
Folge 6: Ein Salve zum Abschied
Folge 7: Beten mit der Katze: Was Kinder über Glauben lehren