Dass es mit dem Reformationstag etwas ganz Wesentliches zu feiern gibt, dafür steht die Church Night. Die 2005 im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW) entwickelte Idee zündete nicht nur im Ländle. Bundesweit möchten zahlreiche Kirchengemeinden, CVJMs und weitere Veranstalter vor allem junge Menschen für die Themen der Reformation begeistern und evangelische Identität stärken.

Auch wenn das beim EJW angesiedelte Projekt vor fünf Jahren ausgelaufen ist - die besonderen Jugendgottesdienste und kreativen Events unterschiedlichster Art sind zu einem Selbstläufer geworden. Die Church Night ist in vielen Orten nicht mehr wegzudenken.

Church Night: Nicht nur in Kirchen, auch an der Haustür

Nicht nur in Kirchen findet die Church Night statt. Am späten Nachmittag des 31. Oktober trifft sich eine siebenköpfige Theatergruppe in Weissach im Tal, Ortsteil Cottenweiler (Rems-Murr-Kreis). Bei jedem Wetter gehen sie in historischen Gewändern, von der Initiatorin Silke Kriese größtenteils selbst genäht, von Tür zu Tür, klingeln und bieten an, eine Szene aus dem Leben Martin Luthers zu spielen.

"Wir erleben alle Reaktionen", sagt Kriese, die das Projekt seit 2009 - zunächst in den Stuttgarter Ortsteilen Schönberg und Degerloch - leitet. Manche seien überrumpelt, andere warteten schon darauf, es werde einem auch mal die Türe vor der Nase zugeschlagen.

Durch das Projekt hat Kriese auch andere Christen am Ort kennengelernt. Einige folgen von vornherein der Einladung, die Gruppe als Zuschauer zu begleiten, andere gehen mit, nachdem vor der eigenen Tür eine Szene gespielt wurde, um noch weitere zu sehen. Die sieben Szenen samt Lied - angefangen beim Ablasshandel bis zum Reichstag zu Augsburg - hat Silke Krieses Großmutter Editha Humburg verfasst, die dieses Jahr - immer noch geistig rege - hundert Jahre alt geworden ist. In liebevoller Handarbeit hat Kriese Lutherrosen gebacken und mit der Erklärung des Reformators zu dem Symbol einzeln verpackt. Die verschenkt sie dann an das Publikum.

Fackellauf mit Eltern und Kindern

Mit viel Aufwand und Herzblut ist auch Susi Seibold dabei, bei der die Fäden der Church Night der evangelischen Kirchengemeinde Birkmannsweiler-Höfen-Baach (Rems-Murr-Kreis) zusammenlaufen. Das Programm richtet sich an Kinder zwischen sechs und zwölf, die gerne auch ihre Eltern mitbringen dürfen. Zu dem Fackellauf, der am Gemeindehaus Birkmannsweiler startet, werden laut Seibold zwischen 70 und 100 Kinder, die sich mittelalterlich verkleiden dürfen, sowie etwa 50 Erwachsene erwartet. Dann gibt es die Möglichkeit, sich am Kuchenbuffet gütlich zu tun, bevor das Theaterstück beginnt, das große und kleine Zuschauer in die Welt Martin Luthers entführt. Schauspieler sind Kinder und Teenager, die sich jedes Jahr zu einer Projektgruppe melden können, um unterschiedliche Theaterstücke rund um die Reformation einzustudieren.

Historische Gewänder von der 700-Jahr-Feier hat die Stadt Winnenden zur Verfügung gestellt. In früheren Jahren seien auch schon Melanchthon oder Cranach vorgekommen. "Wir möchten das Thema rundherum beleuchten, sodass man inhaltlich und historisch was dazulernen kann", sagt Susi Seibold. In Kleingruppen vertiefen Mitarbeitende mit den Kindern das Theaterstück, während den Erwachsenen Begegnungsmöglichkeiten und ein inhaltlicher Impuls geboten werde. Mitmachstationen bieten Bastelmöglichkeiten, Stockbrot, sportliche Aktionen und Geheimcodes, die zu Luthers Botschaft führen. Für den gemeinsamen Abschluss bietet schließlich der beleuchtete Gemeindehausgarten eine besondere Atmosphäre.

Einen echten Martin Luther treffen

In Nellmersbach (Rems-Murr-Kreis) soll man am Reformationstag auch schon "einen echten Martin Luther" getroffen haben, sagt die Vorsitzende des dortigen Kirchengemeinderates, Magdalene Kellermann. Ob das dieses Jahr auch der Fall sein wird, ist offen. Bei dem Programm, das die Kirchengemeinde bietet, ist jedenfalls für alle etwas dabei: Mit einem Kurzfilm in der Kirche können sich auch gruselige Halloweengestalten darüber informieren, warum es draußen Waffeln und Punsch gibt. Verbunden mit einem kleinen Spaziergang lassen sich an vier Stationen mit kreativen Aktionen die vier Säulen der Reformation entdecken - "allein Christus" beispielsweise mit Kerzenziehen oder "allein die Gnade" mit einem Chill-out-Bereich. Ein Abendgottesdienst mit alten und neuen Liedern, ein Umtrunk und Kirchenkino zu später Stunde runden das Programm ab.

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