Die Evangelische Jugend Bayern (EJB) hat sich für einen gesetzlichen Anspruch auf einen Freiwilligendienst und gegen ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr ausgesprochen. Die Ehrenamtlichen-Vertreter der EJB im Landesjugendkonvent erklärten bei ihrem Treffen in Pappenheim, junge Menschen müssten unabhängig von Herkunft, Bildung oder Einkommen einen solchen Dienst machen können, heißt es in einer Mitteilung der EJB am Montag.
Freiwilligendienste ermöglichten eine "wertvolle Zeit der Orientierung, Persönlichkeitsentwicklung und der gesellschaftlichen Teilhabe". Für ihren Dienst sollten die Freiwilligen mindestens die Höhe des BAföG-Grundbedarfs und Wohn- und Fahrtkostenzuschüsse erhalten, hieß es.
Ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr wurde von den in Pappenheim tagenden 160 Delegierten dagegen abgelehnt. Engagement müsse freiwillig geschehen und auf innerer Überzeugung beruhen.
Evangelische Jugend fordert Respekt, Gerechtigkeit und globale Verantwortung
Der Konvent formulierte auch ein Positionspapier an den Bayerischen Landtag. Darin fordert er Respekt, soziale Gerechtigkeit, gewaltfreie Kommunikation und Verantwortung für das globale Miteinander, stärker in den Mittelpunkt politischer Entscheidungen zu rücken. "Wir sind überzeugt, dass sich Themen wie Grenzpolitik, Katastrophen- und Klimaschutz und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, welche gerade eine hohe Aktualität in Bayern haben, direkt auf den Frieden bei uns auswirken", schreiben die Jugendlichen an den Landtag.
Der Landesjugendkonvent befasste sich mit dem Schwerpunktthema Spiritualität und beschloss dazu einen Arbeitskreis "Gelebte Spiritualität und gesunder Glaube", der neue spirituelle Formate für Jugendliche entwickeln und die Arbeit mit Konfirmanden besser mit der Jugendarbeit verzahnen soll. Zur neuen Vorsitzenden des Leitenden Kreises wurde Jana Meyer aus Neustadt/Aisch gewählt.
Der Landesjugendkonvent ist das jährliche Delegiertentreffen der Ehrenamtlichen in der EJB. Die EJB erreicht nach eigenen Angaben mehr als 250.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Angeboten. 17.500 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich für Gruppen, Angebote und Aktionen.
(om/epd)
Kommentare
Ich bin enttäuscht, dass die…
Ich bin enttäuscht, dass die EJB wie so viele, die nach dem Staat nur rufen, wenn sie Hilfe brauchen, bei der Frage eines Dienstes für das Gemeinwesen das hohe Lied der persönlichen Freiheit und inneren Überzeugung singt.
Ich komme aus einem Militärstandort und habe selbst in den 1970er Jahren Zivildienst gemacht. In meiner Altersumgebung hat seinerzeit niemand, also keine und keiner –z.B. aus meiner Abiturientenumgebung, aus meiner universitären Umgebung, aus meinen sonstigen sozialen Kontakten… – darüber lamentiert, dass die Gesellschaft von ihm (das Geschlecht ist hier richtig, weil es den verpflichtenden Dienst nur für Männer gab) verlange, 18/16/12 Monate einen entsprechenden Dienst zu leisten. Dass dieser Dienst zuerst in der Wehrpflicht begründet lag, war ein historisches gegebenes Faktum, über das auch niemand gejammert hat.
V.a. für Abiturienten ergab der Wehrdienst eine letzte Gelegenheit, sich während der Sozialisationsphase mit alle Bevölkerungsschichten in einer gemeinsamen Gruppe einrichten zu müssen. Der Zivildienst ergab für sie die vielleicht einzige Gelegenheit, Lebensumstände und soziale Situationen einigermaßen hautnah zu erleben, die nicht von Chancenreichtum, Gesundheit und Aussicht auf hohes Einkommen geprägt waren, sondern von Not, Einschränkung und Mühsal.
Wir erleben mehr als in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine Abwendung von der Gesellschaft, leider keine kritische, sondern eine Abwendung der „kalten Schulter“. Die Reichsbürger sind nur die extreme Spitze des Eisberges.
Da stellt sich die Frage:
Soll eine Gesellschaft nur anbieten (BAFöG, Bürgergeld, kostenlose KiTa-Plätze…) oder muss sie nicht auch einfordern? Einfordern, weil das Zusammenleben als Gesellschaft nur funktioniert, wenn jede/r gefordert ist, an diesem „Zusammen“ mitzuwirken – natürlich nicht unkritisch. Die Hoffnung auf Freiwilligkeit ist da ein (EJB!) „frommer Wunsch“.
Immer noch gilt John F. Kennedy: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frage, was Du für Dein Land tun kannst.“
Eine Projektgruppe dafür ist wichtiger, als eine für „Spiritualität“.
PS.: Übrigens finde ich auf der Internetseite der EJB nichts zu diesem Thema.
Fritz M a r t i n, Neu-Ulm
Die Evangelische Jugend sehe…
Die Evangelische Jugend sehe ich im Alltag nirgendwo.EJB?
Auch erreicht sie wohl die allermeisten Jugendlichen nie.