Der TSV Oberlauter feiert vom 18. bis 22. Juni seine Festwoche zum 125-jährigen Vereinsjubiläum – und das ausgerechnet in den Tagen, in denen auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 für viele Fans im Mittelpunkt steht. Für die Kirchengemeinde Lautertal war dieser zeitliche Zusammenfall eine willkommene Gelegenheit, Sport, Gemeinschaft und Glauben miteinander zu verbinden. Am Sonntag, 21. Juni, findet deshalb um 10 Uhr auf dem Sportplatz des TSV Oberlauter ein Fußball-Gottesdienst statt.

Für Pfarrer Ronald Henke ist diese Verbindung alles andere als künstlich. Die Idee sei aus dem Vereinsjubiläum heraus entstanden: "Während der WM, feiert unser Sportverein TSV Oberlauter seine Festwoche zum 125-jährigen Vereinsjubiläum – auch mit einem Gottesdienst am Sonntag", sagt Henke. Für die Kirchengemeinde sei schnell klar gewesen, dass dieser Gottesdienst nicht einfach irgendein Programmpunkt werden sollte: "Da wollten wir von der Kirchengemeinde natürlich die Begeisterung für den Sport vor Ort und für die Fußball-WM in einem bunten Gottesdienst aufnehmen."

Fußballbegeisterung und Glaube zusammenbringen

Der Fußball-Gottesdienst steht unter dem Motto "You’ll never walk alone". Besucherinnen und Besucher sind ausdrücklich eingeladen, im Trikot, in Fankleidung oder einfach so zu kommen. Im Anschluss geht es auf dem Sportgelände weiter mit Familientag, Mittagessen, Jugendturnier sowie Spiel und Spaß für alle – der Gottesdienst ist also eingebettet in ein Fest, das Verein, Ort und Menschen zusammenbringt.

Dass der Termin mitten in die WM-Zeit fällt, sieht Henke als besondere Chance: "Während der WM verbindet viele Menschen im Land ein mitreißendes und mutmachendes gemeinsames Gefühl", sagt der Pfarrer. Diese Stimmung sei etwas, das er sich auch für die Kirche wünsche:

"Das ist eine hoffnungsvolle Stimmung, wie wir sie uns auch wünschen, und hoffen, dass sie uns immer wieder in unseren christlichen Gemeinden erfasst."

Fußball und Glaube – das klingt zunächst nach zwei sehr unterschiedlichen Welten. Hier der Sportplatz mit Fans, Toren und Emotionen, dort der Gottesdienst mit Gebet, Bibel und Segen. Henke sieht die Verbindung trotzdem nicht nur im äußeren Rahmen, sondern in der inneren Haltung: "Der feste Glaube ist alles!", sagt er. Oft richte sich der Blick vor allem auf das, was man leisten und planen könne – "die anstehende Aufgabe, die Fitness, das Training". Doch das sei eben nicht alles: "Dabei merken wir aber immer wieder: Es kommt vor allem auch auf die innere Haltung an!"

Diese innere Haltung gehört für Henke zum Fußball genauso wie zum Leben. Menschen bräuchten Zuversicht, Vertrauen und das Gefühl, wertvoll zu sein: "Vor allem die Zuversicht oder das geschenkte Selbstwertgefühl führen das Spiel und auch unser Leben mit seinen Herausforderungen zu einem guten Ende!", sagt er. Der Fußball-Gottesdienst ist damit mehr als ein nettes Mottoformat zum Vereinsjubiläum – er soll zeigen, dass Glauben etwas mit Alltag, Leidenschaft und Hoffnung zu tun hat.

Was Kirche vom Fußball lernen kann

Besonders wichtig ist Henke der Gedanke der Gemeinschaft. Fußball sei deshalb so beliebt, weil Menschen nicht allein vor dem Bildschirm oder am Spielfeldrand stehen, sondern gemeinsam mitfiebern: "Fußball ist so beliebt, weil viele gemeinsam bangen, trauern, hoffen oder feiern. Da gibt es viel zu erleben!" Genau so erlebe er auch die christliche Gemeinde: "Genauso gehen auch wir in unserer christlichen Gemeinde gemeinsam ans Spiel des Lebens heran: Wir bangen, trauern, hoffen oder feiern gemeinsam." Solche Erfahrungen verbinden Menschen – "und solche Erlebnisse miteinander prägen und schweißen zusammen."

Auch der Zeitpunkt nach Pfingsten passt für Henke gut: In den Gemeinden wurde gerade erst die Begeisterung für Gott gefeiert. Begeisterung ist für ihn ohnehin ein Schlüsselwort, wenn es um Fußball und Glauben geht: "Fußball ist nicht nur für Taktiker, sondern für Fans", sagt Henke. "So ist auch Glauben nicht nur für den Kopf, sondern lebt im Herzen." Glaube ist für ihn also mehr als ein Gedankengebäude – er hat mit Emotion, Vertrauen, Trost und Freude zu tun.

Vom Fußball könne Kirche durchaus lernen, meint Henke. Auf die Frage, was Kirche vom Fußball lernen könne, antwortet er knapp: "Zwei Dinge: Wir stehen als Mannschaft auf dem Platz. Und es kommt auf den Glauben an." Gemeinde ist für ihn kein Einzelspiel, sondern lebt davon, dass Menschen miteinander unterwegs sind, sich gegenseitig stärken und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Umgekehrt könne auch der Fußball vom Glauben lernen: "Trotz allem Einsatz liegt nicht alles in unserer Hand. Und wenn wir uns verloren fühlen, gibt es jemanden, der zu uns steht." Gerade im Sport ist das eine Erfahrung, die jeder kennt: Man kann trainieren, planen, kämpfen und alles geben – und trotzdem lassen sich Niederlagen, Verletzungen und verpasste Chancen nicht immer verhindern. Der Glaube erinnert Henke daran, dass ein Mensch mehr ist als seine Leistung und dass niemand allein bleiben muss.

Gemeinschaft als Stärke von Verein und Kirche

Das 125-jährige Bestehen des TSV Oberlauter ist für Henke deshalb weit mehr als ein sportlicher Anlass. Der Verein ist ein wichtiger Teil des Lebens vor Ort, und Kirche wie Verein verfolgen aus seiner Sicht ein gemeinsames Ziel: Gemeinschaft zu ermöglichen und das Leben im Ort lebendig zu halten. "Unsere Kirche und die Vereine erkennen unsere Arbeit gegenseitig an und helfen immer wieder gerne zusammen in dem gemeinsamen Bemühen, unser Leben vor Ort attraktiv zu gestalten", sagt Henke. Viele Familienfreundschaften würden gerade durch Aktivitäten in Kirche und Verein gepflegt.

Die Botschaft des Gottesdienstes bringt Henke auf den Punkt: "Spiel befreit auf!" Dazu stellt er ein Wort Jesu aus der Offenbarung: "Ich habe das Tor vor dir aufgetan, und niemand kann es zuschließen!" Das passt natürlich zum Fußball – gemeint ist aber mehr als das Tor auf dem Spielfeld. Es geht um offene Wege, neue Möglichkeiten und um eine Hoffnung, die nicht bei der ersten Niederlage endet.

Eingeladen sind ausdrücklich auch Menschen, die mit Fußball mehr anfangen können als mit Kirche. "Wir teilen deine Begeisterung", sagt Henke. "Lass uns zusammen feiern und entdecke mit uns, woher unsere unverwüstliche Zuversicht kommt: von einem Gott, der uns aufrichtet und sich gerne mit uns freut!" Am Ende geht es beim Fußball-Gottesdienst also nicht darum, Kirche irgendwie sportlicher aussehen zu lassen. Es geht darum, dort anzuknüpfen, wo Menschen ohnehin verbunden sind: bei Freude, Hoffnung, Leidenschaft und Gemeinschaft. Und wenn dazu Trikots, Vereinsfarben und WM-Stimmung gehören, dann ist der Sportplatz des TSV Oberlauter am 21. Juni genau der richtige Ort dafür.