Vom 23. bis 26. November kommt die bayerische evangelische Landessynode zu ihrer letzten Tagung in dieser Wahlperiode in Amberg zusammen. Danach wird am 7. Dezember die neue Synode gewählt. Der aktuellen Synode steht bei ihrer Herbsttagung volles Programm bevor. Im Mittelpunkt steht traditionell der landeskirchliche Haushalt für kommendes Jahr.
Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel blickt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in die Zukunft der Kirche mit weniger Mitgliedern und weniger finanziellen Ressourcen - aber auch zurück auf 18 Jahre Synode, davon 12 als Präsidentin.
Frau Preidel, Ende November steht nach 18 Jahren die letzte reguläre Synodaltagung für Sie an. Sie haben federführend den landeskirchlichen Reformprozess "Profil und Konzentration" mit auf den Weg gebracht. Sind Sie zufrieden, wie der PuK-Prozess verlaufen ist?
Annekathrin Preidel: Die Idee zu PuK entstand in erster Linie im Zusammenhang mit dem 500. Reformationsjubiläums 2017. Die Reformation war ein weltweit historisches Ereignis.
Wir wollten zeigen, dass sich Kirche auch heute verändern kann.
Der Ansatz von PuK ist, weniger von der Struktur her zu denken, sondern den kirchlichen Auftrag und die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Der gesellschaftliche Wandel war zu dem Zeitpunkt gar nicht so sehr der Auslöser. Zu meinem Amtsantritt 2014 waren die Spaltung der Gesellschaft durch den Flüchtlingszuzug ab 2015, dem damit einhergehenden Aufstieg der AfD und die Verschärfung des Ganzen durch die Corona-Pandemie noch kein Thema.
Es war eine glückliche Fügung, den Prozess in einer Zeit zu beginnen, in der es noch Freiräume gab. Bis zur Corona-Pandemie war das eine Luxussituation. Wir konnten unser Profil schärfen und Schwerpunkte setzen. Spiritualität sollte im Zentrum stehen. Wir wollten christliche Bildung und Kommunikation - auch digital - stärken. Und wir haben Doppelstrukturen abgebaut, auch wenn es Widerstände gegen PuK gab.
Warum? Zumindest der demografische Wandel wird seit Langem prognostiziert, auch die Kirchenmitgliedszahlen gehen seit Jahren stetig zurück. Wie kann man da gegen einen Reformprozess sein?
Veränderungen und Abschied von gewohnten Dingen sorgen seit jeher auch für Angst und Unsicherheit. Manche reagieren mit Resignation oder denken: Es ändert sich doch sowieso nichts. Solches Denken begegnet uns nicht nur in der Kirche - es ist zutiefst menschlich.
Hat sich das geändert?
Der PuK-Prozess ist inzwischen akzeptiert. Andere Landeskirchen und katholische Bistümer haben interessiert nach Bayern geschaut, was wir da genau machen, und haben eigene Konzepte entwickelt. Die Corona-Pandemie ab 2020 hat den PuK-Prozess in einigen Bereichen beschleunigt, zum Beispiel in der Digitalisierung. Wir sind heute eine papierlose Synode, wir haben digitale Tagungsformate und ein effizienteres Gremienmanagement. Angesichts des anhaltenden Mitgliederschwunds und der zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen ist ein Reformprozess ohnehin unerlässlich.
Haben Sie da konkrete Zahlen? Immerhin steht die Herbsttagung ganz im Zeichen der Verabschiedung des landeskirchlichen Haushalts.
Die Kirchensteuereinnahmen werden mit um die 770 Millionen Euro auf Vorjahresniveau bleiben.
Bis 2035 wird die bayerische Landeskirche erheblich weniger Mitglieder haben. Wir rechnen mit einem Rückgang zwischen 30 und 50 Prozent.
Entsprechend erwarten wir bei den Kirchensteuereinnahmen bis 2035 eine deutliche Reduzierung. Nicht nur deswegen werden wir in den kommenden zehn Jahren auch unseren Immobilienbestand um die Hälfte reduzieren müssen. Alle Dekanate sind aufgefordert, zu prüfen, welche Immobilien mittel- und langfristig abgegeben und welche erhalten werden sollen.
Das sind durchaus dramatische Zahlen, die Sie da nennen …
Ja. Veränderungen sind nicht vermeidbar, sie bieten aber auch Chancen. Jetzt müssen wir nochmal die PuK-Brille aufsetzen und genau schauen, wo wir nachjustieren müssen. Das zeigt auch:
Der PuK-Prozess ist nicht zu Ende, er geht immer weiter.
Bei der Herbsttagung wird ja traditionell der landeskirchliche Haushalt verabschiedet, was steht noch auf der Tagesordnung?
Neben vielen anderen Themen wird die Landessynode über die Zusammenlegung der drei nördlichen Kirchenkreise beraten. Aus den drei Kirchenkreisen Ansbach-Würzburg, Bayreuth und Nürnberg kann dann ab 1. Januar 2027 ein Kirchenkreis werden. Damit würde es nur noch zwei große Kirchenkreise geben - nämlich Franken und Schwaben-Altbayern. Außerdem berät die Synode, ob sie ihre eigenen Tagungsmodalitäten ändert und künftig von Donnerstag bis Sonntag - also vermehrt am Wochenende - tagen wird.
Und sie wird über die Rahmensetzung der Landesstellenplanung beraten. Es wird eine Fülle von Berichten geben, unter anderem von der Leiterin der Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt, Martina Frohmader. Der Synode wird auch ein Schutzkonzept zur Prävention von Missbrauch für die kirchenleitenden Organe und die ihnen zugeordneten Dienststellen vorgelegt. Und sie wird über den Stand des Evangelischen Campus Nürnberg informiert.
Am 7. Dezember wird die neue Synode gewählt, diesmal wollten sich weniger Menschen aufstellen lassen als früher. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Darüber kann ich nur spekulieren. Womöglich ist das sechsjährige Ehrenamt mit zwei jährlichen Präsenztagungen in der heutigen Zeit vielen Menschen zu aufwendig. Oder es fehlt schlicht das Wissen darüber, welche Funktion eine Landessynode überhaupt hat. Es gibt 288 Kandidierende, also deutlich weniger als noch 2019, als sich 326 Menschen haben aufstellen lassen. Nicht alle Wahlkreise haben diesmal genügend Kandidierende gefunden, sodass es nicht überall die vorgesehenen zwei Vertretungspersonen für den Fall einer Verhinderung geben wird. Aber: Die Synode bleibt handlungsfähig, die vorgesehenen 108 Synodalen wird es geben. Die Arbeitsbelastung für Einzelne wird aber steigen.
Bei der Frühjahrstagung 2025 hat die Synode gegen ihre eigene Verkleinerung gestimmt. Die wäre jetzt mit weniger Kandidierenden und weniger Kirchenkreisen doch ganz günstig gewesen?
Eine Verkleinerung wäre meiner Meinung nach sehr sinnvoll gewesen.
Die neue Synode wird angesichts des dramatischen Mitgliederschwundes in der bayerischen Landeskirche nicht umhinkommen, erneut über eine Verkleinerung nachzudenken. Es wäre unvernünftig, so weiterzumachen wie bisher.
Ein Großteil der Synodalen hört auf, das heißt: Die Synode wird viele neue Gesichter bekommen. Auch Sie wollen nicht mehr antreten. Warum?
Ich bin 68 Jahre alt und seit 2008 in der Synode. Drei Wahlperioden sind genug. Die Ziele, die ich mir für die vergangenen zwölf Jahre gesetzt hatte, habe ich erreicht. Da auch die beiden Vizepräsidenten, Hans Stiegler und Walter Schnell, aufhören, wird es auf alle Fälle ein komplett neues Präsidium geben. Langweilig wird es mir nicht werden: Ich habe vier Enkelkinder und einige Ehrenämter. Und ich freue mich auf etwas mehr Freiräume in meinem Terminkalender.
Was ist Ihnen in all den Jahren besonders in Erinnerung geblieben?
Die konstituierende Sitzung 2020 mitten in der Corona-Pandemie war schon sehr ungewöhnlich. Eigentlich sollte sich die neugewählte Synode im März 2020 treffen, also nur wenige Tage nach dem ersten Lockdown. Wir mussten alles absagen und haben die Sitzung in den Herbst verschoben. Von da an haben wir mehrere Male das Eventzentrum Geiselwind direkt an der Autobahn für unsere Tagungen gewählt. Ich erinnere mich noch, als sich die Arbeitskreise bei der konstituierenden Sitzung auf dem Parkplatz an der Autobahn getroffen haben. Das Kennenlernen unter solchen Bedingungen hat diese Synode geprägt.
Ein weiteres bleibt in Erinnerung: der Beschluss zur Einführung einer Frauenquote in Leitungspositionen. Das war ein deutliches Signal für Gleichberechtigung und Fortschritt auf dem Weg zu einer ausgewogenen Beteiligung von Frauen in hauptamtlichen Führungsfunktionen.
Damit sprechen Sie schon wegweisende Entscheidungen an. Welchen Themen waren noch wichtig?
Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Bereich der Landeskirche und der Diakonie. Das war unverzichtbar und dringend nötig. 2020 haben wir ein Präventionsgesetz beschlossen. Darauf aufbauend wurden unter anderem ein Rahmenschutzkonzept, eine Risikoanalyse in Kirchengemeinden, der Ausbau der Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt und die Bildung einer unabhängigen Anerkennungskommission geschaffen. Das macht das Leid der Betroffenen nicht ungeschehen. Aber: Wir schauen hin, wir hören zu, und wir handeln. Das sind wir den Betroffenen schuldig. Die Aufarbeitung bleibt eine Daueraufgabe.
Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft der Kirche?
Ich wünsche mir für die Zukunft der Kirche, dass sie ein verlässlicher Ort für Hoffnung und Orientierung bleibt. Und ich wünsche mir, dass die Kirche weiterhin eine aktive, prägende Rolle in unserer Gesellschaft übernimmt.