18.03.2019
Landeskirche

Landesstellenplanung der ELKB: Wie die Pfarrstellen in Bayern verteilt werden

Die bayerische evangelischen Landeskirche steht vor einer neuen Landestellenplanung. Keine einfache Aufgabe, denn es müssen demografische und städtebauliche Entwicklungen berücksichtigt werden, aber auch Aspekte des kirchlichen Reformprozesses "Profil und Konzentration" sowie der berufsübergreifenden Zusammenarbeit.
Pfarrerin

So ungefähr alle zehn Jahre beginnt im Landeskirchenamt das große Rechnen, weil die Pfarrstellen immer wieder neu und möglichst gerecht in den bayerischen Gemeinden und in den verschiedenen Bereichen der Sonderseelsorge und den übergemeindlichen kirchlichen Werken und Diensten verteilt werden. Damit will die Landeskirche auf Verschiebungen in der Bevölkerung reagieren, aber auch neue Schwerpunkte setzen, wie etwa in der Vergangenheit die neu entstandene Flughafenregion, in die auch viele evangelische Christen gezogen sind. Diese Verteilungen gingen häufig nicht ohne Schmerzen und Konflikten ab, weil eben auch Pfarrstellen umgeschichtet und deshalb in manchen Gemeinden abgebaut werden mussten.

Landesstellenplan 2020: Relation zwischen Pfarrern und Mitgliedern bleibt gleich

Der nächsten Landesstellenplanung, die 2020 von der Landessynode beschlossen werden soll, sieht der kirchliche Personalchef Stefan Reimers hingegen mit deutlicher Gelassenheit entgegen. Denn an der bisherigen Relation zwischen evangelischen Christen und Pfarrern beziehungsweise theologischem Personal wird sich auch in Zukunft nichts ändern: In Bayern arbeiten den Angaben zufolge 1.520 Pfarrer und Pfarrerinnen in den Gemeinden, im Durchschnitt werden 1.545 Protestanten in ihrer jeweiligen Gemeinde von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin betreut. Wenn man alle theologischen Stellen einbezieht, also beispielsweise auch die Krankenhaus-, Gefängnis- und Militärseelsorger, die Verwaltung oder die kirchliche Medienarbeit, kommt im Schnitt ein bayerischer Theologe auf 1.222 evangelische Christen. Insgesamt stehen in allen Bereichen der Landeskirche 2.307 Pfarrerinnen und Pfarrer im aktiven Dienst.

Das bisherige Zahlenverhältnis zwischen Pfarrern und Gemeindegliedern könne konstant gehalten werden, wie Oberkirchenrat Reimers in einem epd-Gespräch erläutert, weil zwar die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer zurückgeht, etwa durch die anstehende Pensionierungs-Welle, aber auch die Zahl der Gemeindemitglieder während der vergangenen zehn Jahre durch Kirchenaustritte oder die demografische Entwicklung rückläufig war. Als Ergebnis dieser Entwicklung müssen Reimers zufolge zehn Prozent der Pfarrstellen abgebaut werden.

Reimers: PuK und berufsübergreifende Zusammenarbeit berücksichtigen

Ganz neu ist hingegen die Einbettung der Landesstellenplanung in den übergreifenden kirchlichen Reformprozess "Profil und Konzentration" (PuK), wie Reimers betont. Weil die Regionen in Bayern sehr unterschiedlich sind - von großstädtischen Ballungsgebieten bis zu ausgeprägten Diaspora-Gegenden - sollen künftig die Dekanate als "mittlere Ebene" vor Ort die konkrete Verteilung der Stellen in ihrem Raum nach inhaltlichen Kriterien bestimmen. Dabei können sie - je nach Bedarf - auch bis zu 20 Prozent der Stellen "berufsgruppenübergreifend", wie etwa auch mit Religionspädagogen, Diakonen, Sozialpädagogen oder Kirchenmusikern, besetzen. Landesstellenplanung und Grundgedanken von PuK sowie Aspekte der berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit kommen in solchen Ansätzen ganz nah zusammen, betont Reimers.

Wie viele Stellen dafür in jedem Dekanat zur Verfügung stehen, soll ein Schlüssel bestimmen. Diese Formel ist abhängig von der Anzahl der Gemeindemitglieder und der Fläche: Je weniger Protestanten auf einer großen Fläche leben, desto größer der Faktor, erläutert Johannes Grünwald, Referent in der kirchlichen Personalabteilung. Die "Durchschnittsgemeinde" geht dabei rechnerisch von 75 Gemeindemitgliedern pro Quadratkilometer aus. Ein Fünftel der Planstellen für Pfarrer bleibt jedoch unabhängig von der Anzahl der Gemeindemitglieder. Dadurch soll verhindert werden, dass einzelne Gemeinden durch die Landesstellenplanung in ihrer Existenz bedroht sind. Erste, weitgehend positive Erfahrungen mit diesen Vorgaben haben, so die Personalplaner, bereits die "Erprobungsdekanate" Dinkelsbühl, Erlangen, Feuchtwangen, Fürstenfeldbruck, München-Ost, Nürnberg-Süd, Passau, Selb und Wassertrüdingen gemacht.  

Für den "landesweiten Dienst", unter den die verschiedenen Formen der übergemeindlichen Sonderseelsorge fallen, werden inhaltliche Kriterien erarbeitet, nach denen sich die Verteilung der Stellen richten soll. Sie sollen zugleich Arbeitsbereiche wie die Jugendarbeit flächendeckend sichern, den Dekanatsbezirken in der konkreten Gestaltung aber größtmögliche Freiheit lassen. Die Entscheidung für die Umsetzung der Landesstellenplanung liegt dann bei der Landessynode, dem Kirchenparlament der 2,4 Millionen bayerischen Protestanten, und wird abschließend wahrscheinlich im Herbst 2020 fallen.

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