4.06.2019
Auf zwei Rädern im Namen des Herrn

Motorradgottesdienst: Bedford-Strohm unterwegs mit christlichen Bikern

Blauer Himmel, warme Temperaturen und Sonnenschein. Da zieht es wieder viele Motorradfahrer auf die Strecken. Zu Beginn der Saison gibt es einige Motorradgottesdienste, bei denen die Biker sich einen Segen abholen. In München war Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Schirmherr des Gottesdienstes und ist selbst wieder mal gefahren.

Zu seinem Motorrad ist der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als letzter gekommen, weil er noch aus seinem Talar in die passende Biker-Schutzkleidung wechseln musste. Zum Abschluss der christlichen Spirit Tour 2019 mit dem Motto "Unterwegs im Namen des Herrn", die 12 "Kradapostel" von Flensburg bis ins Kleinwalsertal fuhren, hielt der Bischof die Predigt in der Münchner Matthäuskirche. Über 100 Biker, unter ihnen auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), waren zu dem Gottesdienst erschienen, der ein besonderes Bild abgab: Vor dem Altarraum standen zwei schwere Maschinen der Polizei und der Hilfsorganisation Johanniter, Helme waren zu einem großen Kreuz gelegt, die Fürbitten hielten Biker in ihrer Kluft. 

Der gemeinsame Glaube verbindet unterschiedlichste Menschen

Die christlichen Biker zeigen nach Überzeugung des Bischofs die ganze Bandbreite von Kirche und Frömmigkeit. Eindringlich wandte sich Bedford-Strohm gegen klischeehafte Vorstellungen, mit denen auch in der Kirche Motorradfahrer konfrontiert seien. Manchen Gemeindemitgliedern seien Menschen etwas suspekt, die eine "derbere Sprache" pflegen oder deutlich sichtbare Tätowierungen und Tattoos tragen. Es sei jedoch großartig, dass der gemeinsame Glaube an Jesus Christus auch die unterschiedlichsten Menschen verbinden könne, sagte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Wie der Bischof sagte, soll das Motorradfahren nicht vorschnell auf negative Aspekte wie Klima-Belastung oder das Unfall-Risiko reduziert werden. Die Umweltbelastungen rührten auch von vielen anderen Faktoren, die die Menschen in ihrem Alltagsleben häufig ausblendeten, wie etwa die Ernährung. Die Unfallgefahr könne durch eine verantwortliche und vorausschauende Fahrweise reduziert werden.

Vom Fahrrad auf die Maschine

Bei einer improvisierten Pressekonferenz inmitten der christlichen Biker ging auch Innenminister Herrmann in seiner Lederkluft auf die "viel zu vielen" Motorrad-Unfälle ein. Der Minister appellierte an die Biker, rücksichtsvoll zu fahren, um so das Motorradfahren genießen zu können: "Wir brauchen keine Raser."

Nach dem Gottesdienst wechselte Bedford-Strohm wieder in die Motorradkleidung und setzte sich an die Spitze eines Biker-Corsos. An seiner Seite fuhr auf einer schweren Polizeimaschine Innenminister Herrmann. Inzwischen ist Bischof Bedford-Strohm zwar ganz auf das Fahrrad umgestiegen, mit dem er auch jeden Tag in sein Bischofsbüro fährt. Die Motorrad-Ausfahrt brachte ihm aber Jugenderinnerungen zurück, als er ein MZ 50 aus damaliger DDR-Produktion erwarb, an der er auch eifrig herumgeschraubt habe.

Ziel der Abschluss-Etappe war die Klosterkirche in Fürstenfeldbruck, wo der Landesbischof den christlichen Motorradfahrern einen Reisesegen mit auf den Weg geben wollte. Gestartet waren die Biker am 18. Mai in Flensburg. An jedem Fahrttag standen Andachten, Motorrad-Gottesdienste und Treffen mit anderen Bikern auf dem Programm. Mit ihrer Tour wollten die christlichen Biker ein Zeichen eine "versöhnte Verschiedenheit" der Menschen über soziale, religiöse und nationale Grenzen hinweg setzen, sagte Frank Witsel, evangelischer Pfarrer der Kirchengemeide Kleinwalsertal und einer der Organisatoren der Spirit Tour 2019.

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