Im Frühjahr 2023 wählt die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern die Nachfolge für Heinrich Bedford-Strohm als Landesbischof. Zwei Bildungswerke in Franken und die Professur für Praktische Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wollen die Öffentlichkeit mehr in die Wahl dieses Kirchenamtes einbeziehen.

Guter Anlass, um über Bedeutung des Bischofsamts ins Gespräch zu kommen

Am Samstag, 14. Mai findet dazu in Erlangen ein Studientag im Haus der Kirchen "kreuz & quer" statt. "kreuz & quer"-Chef Hans Jürgen Luibl hält die Wahl für einen guten Anlass, um im Wandel von Kirche und Gesellschaft über die Bedeutung des Bischofsamtes ins Gespräch zu kommen, wie er im Sonntagsblatt-Gespräch sagt.

Im Kontext der Frage, wer die Kirche leitet, sei es wichtig sich zu vergewissern, "was die Kirche eigentlich leitet", erklärt Luibl. Menschen sollen befähigt werden, in Sachen Glauben sprachfähig zu werden.

Katholiken wüssten, dass und inwiefern sie Teil der Kirche sind, die sich vom Papst bis zu den Ortspriestern präsentiert, erklärt er. Evangelischen sei dagegen eine gewisse "distanzierte Kirchlichkeit" eigen.

"Sich als Teil der organisierten und institutionalisierten Kirche bis hin zur Gemeinde verstehen lernen, ist neu. Sozusagen die andere Seite einer erodierenden Kirchlichkeit",

meint der Leiter von "bildung evangelisch Erlangen". Dabei komme es nicht darauf an, dass alle wissen müssten, wer oder was der Landesbischof ist, was die Synode ist oder wie die Gelder fließen. Es käme wohl aber darauf an, sich in den Strukturen bewegen zu können, um sie zu verändern.

Workshop als öffentliches Diskussionsforum

In Erlangen bot man daher bereits für Kirchenvorstände einen Grundkurs "Kirchenvorstand - Kirchenverstand" an, damit Ehrenamtliche konstruktiv mit Organisationsformen umzugehen lernen. Weitere Formate zur Diskussion über das Bischofsamt waren die im Korrespondenzblatt des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins abgedruckte Aktion "10 x 10 Thesen" oder verschiedene Video-Clips auf Instagram-Accounts.

Der Workshop am 14. Mai sei ein öffentliches Diskussionsforum, erklärt Luibl. Sechs Expertinnen und Experten, unter ihnen die Professorin für Christliche Publizistik, Johanna Haberer, oder der Professor für Praktische Theologie, Wolfgang Schoberth, geben Impulse. Die Runde befasst sich mit Fragen aus der Gesamtaktion "Bayerns Next Bischof/Bischöfin" und von Kirchenmitgliedern.

Luibl weiter:

"Dabei geht es nicht um in sich geschlossene akademische Wissenschaft, sondern um die spannungsreiche Frage, wie sich Kirche darstellt und künftig entwickeln könnte."

Der Workshop bilde eine Art Abschluss der Aktion "Bayerns Next Bischof/Bischöfin", sagt er. Alle Ergebnisse würden auf der Homepage präsentiert.

"Wir hoffen, dass damit auch Bausteine entstanden sind, die in anderen Gesprächsrunden oder Bildungsveranstaltungen verwendet werden können."

Die Frage, was Kirche leitet, werde vermutlich ihre Dringlichkeit behalten.

Heinrich Bedford-Strohm

EKD-Ratsvorsitzender und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Heinrich Bedford-Strohm ist seit 2011 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und war von 2014 bis 2021 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Bedford-Strohm wurde 1960 in Memmingen geboren. Er studierte Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley (USA) und promovierte anschließend. Als Professor lehrte und lehrt er an verschiedenen Universitäten, u.a. in Gießen, Bamberg, New York (USA) und Stellenbosch (Südafrika). Sein Vikariat absolvierte er in einer Kirchengemeinde in Heddesheim, als Pfarrer war er in Coburg tätig.