19.03.2020
München

Münchner Stadtdekan Bernhard Liess: Kampf gegen Antisemitismus und Wohnungsnot

Bernhard Liess wird ab 1. September die Nachfolge von Barbara Kittelberger als Münchner Stadtdekan antreten. Neben dem Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenhass möchte Liess in Zukunft ein protestantisches Sprachrohr für alle Gesellschaftsgruppen sein.
Pfarrer Dr. Bernhard Liess

München bekommt einen neuen Stadtdekan: Bernhard Liess, bis dato Pfarrer in Planegg, tritt am 1. September in die Fußstapfen von Barbara Kittelberger.

Der 50-Jährige wolle den evangelischen Glauben in der Landeshauptstadt "mit viel Gespür für das, was die Menschen benötigen", sichtbar machen, hieß es in einer Mitteilung des Dekanats München vom Montag. Die amtierende Stadtdekanin Barbara Kittelberger geht am 31. Juli in Ruhestand.

Liess bringt für sein neues Amt einen Strauß an Qualifikationen mit:

Der promovierte Theologe ist seit 2018 stellvertretender Dekan von Fürstenfeldbruck, hat seit 2012 als geschäftsführender Pfarrer im Würmtal unter anderem die geräuschlose Fusion der Gemeinden Planegg und Stockdorf begleitet, war zuvor Öffentlichkeitsreferent im Dekanat Rosenheim und Mitarbeiter im Bildungswerk Rosenheim.

Außerdem dürfen sich die Münchner Protestanten auf einen Dekan mit Sinn für Humor freuen: Bernhard Liess ist zusammen mit drei Pfarrerskollegen Mitglied des Kirchenkabaretts "PfarrerMangel", das in seinen Programmen einen manchmal auch scharfen Blick auf das Treiben von Kirche wirft.

Wenn Bernhard Liess mit seiner Familie demnächst in die Münchner City zieht, freut er sich auf "ein wunderbares Pflaster für den Dialog mit Kunst, Kultur und Musik". Herzensthemen seiner Vorgängerin, wie den interreligiösen Dialog und den Kampf gegen Antisemitismus, wolle er weiterführen.

"Der Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenhass ist mir ebenfalls ein Herzensanliegen und ein starker Auftrag für die Kirche", sagte der gebürtige Münchner im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. 

Nach Amtsantritt wolle er deshalb baldmöglichst der Israelitischen Kultusgemeinde einen symbolischen Besuch abstatten. Vernetzung mit Politik und gesellschaftlichen Gruppen ist Liess genauso ein Anliegen, wie der kritische Blick auf drängende Themen wie Wohnungsnot.

"Ich möchte als Stadtdekan die Stimme eines offenen Protestantismus sein, in den verschiedenen Facetten aller Strömungen der Gesellschaft", so der Vater zweier 10 und 12 Jahre alter Kinder.

Doch derzeit ist auch Liess vollauf beschäftigt mit dem Thema der Stunde: Wegen der Corona-Krise legen auch die Protestanten in Planegg und Stockdorf ihr Gemeindeleben auf Eis. Kein Seniorencafé, kein Konfi-Unterricht, keine KV-Sitzungen, keine Passionskonzerte, auch der Kindergarten der Gemeinde ist ab heute dicht.

"Die Solidarität besteht jetzt darin, Menschen zu schützen, die zu den Risikogruppen gehören", sagt der Pfarrer. Und das bedeute eben, Rücksicht zu nehmen und auf Veranstaltungen zu verzichten.

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