Pfarrer Johannes Müller, der die Gemeinde seit sechs Jahren leitet, weiß um die Aufbruchsstimmung der Gründungsjahre. In Ochsenfurt waren es vor allem die Eisenbahn und die Zuckerfabrik. Plötzlich kamen evangelische Beamte und Arbeiter in die Stadt, die ihren Glauben eigenständig leben wollten. "Jeder Stein, der da aufgeschichtet worden ist, wurde einzeln behauen" beschreibt Müller den Bau. Manchmal nennt er seine Kirche im Scherz auch gerne "Mauskirche", da sie mit ihrer grauen Muschelkalkfassade von außen fast unscheinbar wirkt. Doch der erste Eindruck täuscht: "Das Highlight an der Kirche ist definitiv, dass sie innen komplett hell und offen aussieht". Bei einer Umgestaltung im Jahr 1965 wurde der Innenraum mutig um 90 Grad gedreht, was der Kirche Helligkeit verleiht.

Ein Blick in die Chronik zeigt, wie steinig der Weg war: Was 1861 mit einem abgelehnten Gesuch um einen Gottesdienstraum im königlichen Bezirksamt begann, mündete 1880 in einem provisorischen Betsaal im Haus des Konditors Dehner, 1893 wurde die protestantische Filialgemeinde gegründet, 1896 der heutige Bauplatz erworben. "Hier stand bis dahin kein einziges Haus, nur die Kirche", sagt Müller.

Nach der Grundsteinlegung am Ostersonntag 1900 konnte bereits am 24. Juni 1901 die Einweihung der Christuskirche gefeiert werden. Es folgten wichtige Meilensteine wie die Erhebung zur eigenen Pfarrei (1921) und der Bau des Pfarrhauses (1930). Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten 1951 neue Glocken wieder vollen Klang in die Stadt, bevor 1965 eine mutige architektonische Zäsur erfolgte: Mit dem Anbau des Gemeindehauses wurde das Kircheninnere radikal nach Norden gedreht. Künstlerische Akzente wie der von 27 Frauen handgestickte Wandfries (1979), der in 700 Arbeitsstunden das "Große Abendmahl" darstellt, und die Orgel (1985) prägen bis heute das Gesicht der Gemeinde.

Gutes ökumenisches Miteinander

Die heutige Pfarrei Ochsenfurt ist weit verzweigt. Neben der Kernstadt gehören 15 Gemeinden mit dazu. Trotz der Herausforderungen, die der Strukturwandel im ländlichen Raum mit sich bringt, betont Müller: "Hier gibt's ein hervorragendes ökumenisches Miteinander. "Wir ziehen hier in unserem Glauben am gleichen Strang".

Einer, der die Kirche bis in den letzten Winkel kennt, ist Günter Popp (82). Seit 2004 kümmert er sich mit Hingabe um die Technik und das Gelände. "Ich betreue die Kirchenuhr und Glocken... das muss halt geschmiert und geschaut werden, dass alles fest ist", sagt er. Dank seines Einsatzes benötigt die Gemeinde für diese Arbeiten keine externe Wartungsfirma. Für Popp ist dieser Dienst Ehrensache.

Ebenso prägend für das Gemeindeleben ist Ingrid Schmidt, Vertrauensfrau des Kirchenvorstands. Als Prädikantin gestaltet sie aktiv das geistliche Leben mit. "Mein Antrieb ist, dass ich von Jesus geliebt werde und die Menschen wieder lieben möchte", erklärt sie ihre Motivation. Sie schätzt besonders die Atmosphäre des Kirchenraums, in dem man durch die zentrale Anordnung des Altars nicht nur Hinterköpfe sieht, sondern Gemeinschaft spürt. "Ich schätze an dieser Kirche das Licht", schwärmt sie von den Momenten, wenn die Vormittagssonne durch die Fenster über dem Altar scheint.

Das Festwochenende startet am Samstagabend mit einem Auftritt des fränkischen Liedermachers Wolfgang Buck. Am Sonntag folgt ein Gottesdienst, der von Regionalbischöfin Gisela Bornowski und dem Würzburger Dekan Wenrich Slenczka geleitet wird. Musikalisch wird der Gottesdienst vom Posaunenchor und dem Chor "Oh Capella" gestaltet. Das Etikett eines eigens kreierten Jubiläumsweins vom Weingut Grünewald ziert ein Aquarell der Christuskirche, das bereits für das 100-jährige Jubiläum im Jahr 2001 gemalt wurde.