14.01.2020
Gemeinsam essen

Schweinfurter Vesperkirche öffnet 2020 nur zwei statt drei Wochen

Vor sechs Jahren als Pilotprojekt von Landeskirche und Diakonie Bayern gestartet, findet auch heuer wieder eine Vesperkirche in der Schweinfurter St. Johanniskirche statt. Wegen personeller Engpässe dauert sie diesmal nur zwei Wochen.
Schweinfurter Vesperkirche
In der Schweinfurter Johanniskirche wird im Januar und Februar wieder getafelt.

Zum sechsten Mal startet Ende Januar dieses Jahres die Vesperkirche in der Schweinfurter St. Johanniskirche. An insgesamt 15 Tagen vom 26. Januar bis 9. Februar sollen insgesamt 6.000 Mittagessen ausgegeben werden, sagte Schweinfurts Dekan Oliver Bruckmann am Donnerstag. Die Vesperkirche wird von Kirche und Diakonie organisiert, den etwa 400 Gästen täglich wird von 11.30 bis 14.30 Uhr für einen symbolischen Preis von 1,50 Euro je Erwachsenen und 50 Cent je Kind ein warmes Mittagessen mit Kaffee und Kuchen angeboten. Erstmals und einmalig wird die Vesperkirche nur zwei Wochen statt bisher drei dauern.

Dekan Bruckmann sagte, die aktuell noch vakante zweite Pfarrstelle an St. Johannis erlaube in diesem Jahr keine dreiwöchige Vesperkirche.

An weiteren Neuerungen wies er darauf hin, dass es diesmal keine Suppe vor dem Hauptgericht geben wird. "Nicht, um sie einzusparen, sondern um die Essensausgabe zu beschleunigen", betonte er. Zwar soll in der Vesperkirche kein Zeitdruck herrschen: "Aber in den letzten Jahren gab es teilweise Wartezeiten von 45 Minuten und mehr, bis unsere Gäste ihr Essen bekamen." Etliche Gäste hätten deswegen "nicht mehr kommen können", weil sie keine so lange Mittagspause nehmen können.

Grundsätzlich bleibt bei der Vesperkirche aber fast alles beim Alten. An den 15 Vesperkirchentagen sind außerdem wieder verschiedene soziale Beratungs- und Informationsangebote geplant, ebenso wie konkrete Hilfen wie Blutdruckmessen, Fußpflege und mehr. Ein Schwerpunkt bei diesen Angeboten werde dieses Jahr auf der angespannten Situation am Wohnungsmarkt in der Industriestadt liegen, wie Luisa Mühlstein von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit des Diakonischen Werkes sagte. Zudem sei am 6. Februar um 19 Uhr wieder ein musikalischer "Ohrenschmaus" mit Pfarrern des evangelischen Dekanats geplant.

Die Vesperkirche sei inzwischen ein "ganz großes Ding", eine "sehr, sehr große, umfangreiche und aufwendige Veranstaltung", erläuterte Bruckmann. Man sei deshalb inzwischen an dem Punkt angekommen, "dass diese Verantwortung nicht mehr nur auf den Schultern einer Person lasten darf". Erstmals gibt es ein dreiköpfiges Leitungsteam, bestehend aus Diakon Norbert Holzheid, Brunhilde Käser (Gemeinde St. Johannis) und Inge Stephan (Diakonie).

Finanziell sei das Angebot nur über Spenden zu schultern. Insgesamt seien 30.000 bis 40.000 Euro dafür nötig: "15.000 Euro haben wir bereits", sagte Bruckmann.

Die Vesperkirche sei "mehr als Essen und Trinken", sagte Bruckmann. In erster Linie sei sie ein "Begegnungsraum" für das Miteinander ganz verschiedener Gäste untereinander und mit den Gastgebern. Während der Vesperkirche spielen auch die theologischen Angebote eine große Rolle. So gibt es jeweils täglich um 13 Uhr den geistlichen Impuls "Wort in der Mitte" sowie an allen drei Sonntagen jeweils um 10.30 Uhr einen Gottesdienst in St. Johannis. Gestemmt wird die ganze Logistik nur von ehrenamtlichen Helfern, die Gastgeber genannt werden. An einzelnen Tagen könne man noch Unterstützung gebrauchen, hieß es.

Die Schweinfurter Vesperkirche ist vor sechs Jahren als bayernweites Pilotprojekt von bayerischer Diakonie und Landeskirche gestartet. In Baden-Württemberg haben Vesperkirchen eine lange Tradition. Dort gibt es mehr als 30 solcher Angebote, meist in größeren Städten und oft ökumenisch organisiert. In Bayern gibt es neben Schweinfurt unter anderem zwei Gemeinden in Nürnberg, die regelmäßig Vesperkirchen anbieten. In katholischen Kirchen gibt es aktuell keine Vesperkirchen. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm unterstützt die Schweinfurter heuer mit einer Spende von 5.000 Euro.

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