Für viele Jugendliche war er der Wunschkandidat – jetzt ist es offiziell: Philipp Bäumer hat zum 1. Dezember das Amt des Dekanatsjugendpfarrers in München übernommen. Er folgt damit auf Michael Stritar.
"Ich wurde von einigen Jugendlichen dazu ermuntert, mich zu bewerben", sagt der 42-Jährige und lächelt. "Das werte ich als gutes Signal."
Vom Theologischen Referenten zum Jugendpfarrer
Bislang arbeitete Bäumer als Theologischer Referent des Münchner Regionalbischofs und als Pfarrer in Putzbrunn. Der Abschied fällt ihm schwer. Aber die Chance, Teil der Evangelischen Jugend München (EJM) zu werden, wollte er sich nicht entgehen lassen.
Schon in seiner Gemeinde arbeitete er viel mit Heranwachsenden und verfolgte mit zunehmender Begeisterung die Ideen und Projekte der EJM.
Begeisterung auf beiden Seiten: EJM-Vorstände loben Bäumers Qualitäten
Die Begeisterung beruht auf Gegenseitigkeit: "Philipp erfüllt unsere Anforderungen an einen Dekanatsjugendpfarrer in herausragendem Maße", betonen die Vorstände Melwin Langfeld und Ben Sievers in einem gemeinsamen Statement.
"Wir als Jugendverband sind mehr als glücklich, mit ihm in Zukunft zusammenarbeiten zu dürfen und freuen uns sehr auf die gemeinsame Zeit."
Doppelspitze und Teamarbeit: So führt Bäumer die Evangelische Jugend München
Die Geschäfte leitet Philipp Bäumer in einer Doppelspitze mit Diakon Werner Windisch. Insgesamt besteht das Team aus 60 Personen. Als Dekanatsjugendpfarrer ist Philipp Bäumer vor allem für die strategische Entwicklung und die Vertretung nach außen zuständig.
"Eine meiner wichtigsten Aufgaben sehe ich darin, die Leute zu unterstützen, die die konkrete Jugendarbeit machen." Außerdem will er die Themen der Jugendlichen selbst "empowern".
Die EJM erreicht rund 3900 Jugendliche, über die Gemeinden sogar noch deutlich mehr.
Neue Akzente setzen: Spiritualität, mentale Gesundheit und Freiwilligendienste
Gleichzeitig plant Philipp Bäumer, selbst Akzente setzen. In den Bereichen Spiritualität und mentale Gesundheit zum Beispiel. Auch die Freiwilligen-Dienste liegen ihm sehr am Herzen.
Aktuell arbeitet die EJM zusammen mit der Diakonie an der Gründung einer bayernweiten gGmbH, verrät Bäumer.
"Wir konzipieren die Freiwilligendienste neu und bauen etwas auf, das den jungen Menschen eine Alternative zum Wehrdienst bietet."
Privates und berufliches Leben in München: Familie, Kultur und Jugendnähe
Zusammen mit seiner Frau lebt Philipp Bäumer inzwischen in der Münchner Innenstadt. Rieke Bäumer arbeitet seit Kurzem als Pfarrerin in St. Matthäus, der neue Dienstort ihres Mannes ist die Jugendkirche am Innsbrucker Ring.
Das Paar genießt das Großstadtleben und die Nähe zu Kulturangeboten wie Theatern. Aber auch in Techno-Clubs, auf Rock-Konzerten und Festivals sind die Bäumers gelegentlich anzutreffen.
Auf Instagram, TikTok und Co. ist der neue Dekanatsjugendpfarrer nicht aktiv unterwegs. Aber er ist offen für Neues:
"Sogar ich als alter Mann kann noch ganz viel lernen – mit euch zusammen", sagt er mit einem Augenzwinkern in seinem Vorstellungsvideo für die Social-Media-Kanäle der EJM.
Jugendarbeit im Fluss: Bäumers eigene Jugend prägt seinen Ansatz
Die Stelle des Dekanatsjugendpfarrers ist auf zehn Jahre befristet. "Das ist eine gute Sache", findet Bäumer.
"Jugendarbeit muss immer im Fluss sein. Nur so bleiben wir an der Jugendkultur dran."
Mit seinen 42 Jahren erinnert sich Philipp Bäumer noch gut daran, was ihm als Teenager Spaß machte – und was ihm Schwierigkeiten bereitete.
Seine Jugend in Haar (Kreis München) beschreibt er als "wild". Mit Kirche hatte er damals noch nicht viel am Hut. Zwei charismatische Theologen aber prägten Philipp Bäumer so nachhaltig, dass er sich nach dem Abi für ein Theologie-Studium entschied: sein Religionslehrer Andreas Ebert. Und Thomas Kretschmar, in dessen Kirchengemeinde er seinen Zivildienst ableistete.
Ordination und Erfahrung im Regionalbischofsbüro
Ordiniert wurde Philipp Bäumer im Jahr 2019 von der damaligen Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler. Sie holte ihn kurz darauf als Theologischen Referenten in ihr Team. Diese Rolle übernahm er ein Jahr später auch für Christan Kopp, als dieser noch Regionalbischof war.
Zuletzt arbeitete er für Thomas Prieto Peral. "Wir lassen ihn nur sehr ungern ziehen", lässt dieser stellvertretend für das ganze Regionalbischofsbüro wissen. "Philipp hat als Referent eine hervorragende Arbeit gemacht. Ich freue mich für ihn und bin überzeugt, dass er die Evangelische Jugend in München gut in die Zukunft führen wird."