Walter Joelsen wäre am 15. Juni 100 Jahre alt geworden. Mit einem Festabend in der Christuskirche in München-Neuhausen erinnern Wegbegleiter:innen, Kirchenvertreter:innen sowie Schülerinnen und Schüler an den Shoah-Überlebenden, Pfarrer und Zeitzeugen.
Walter Joelsen: Verfolgung, Zwangsarbeit und der Weg zurück ins Leben
Die Veranstaltung beginnt am Montag, 15. Juni, um 19 Uhr in der Christuskirche am Dom-Pedro-Platz. Walter Joelsen, der 2023 wenige Wochen vor seinem 97. Geburtstag starb, war eng mit der Gemeinde verbunden. Während der NS-Zeit fand er dort zunächst Schutz und Gemeinschaft, nachdem er wegen der jüdischen Herkunft seines evangelischen Vaters zunehmend ausgegrenzt wurde. Dennoch wurde er 1944 in ein Zwangsarbeitslager verschleppt.
Nach Kriegsende holte Joelsen sein Abitur nach, studierte Theologie und wurde Pfarrer. Lange sprach er nicht öffentlich über seine Verfolgungserfahrungen – auch, weil er nach 1945 in kirchlichen Zusammenhängen antisemitische Erfahrungen machte. Erst im Ruhestand trat er als Zeitzeuge verstärkt öffentlich auf. Besonders verbunden war er der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, wo er über viele Jahre Gottesdienste gestaltete.
Erinnerung an Walter Joelsen: München blickt auch kritisch auf die Kirche
Wie Kirchenrat Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, mitteilte, soll der Abend Erinnerung, Musik und kritische Auseinandersetzung verbinden. Geplant sind Lesungen aus Joelsens Predigten, musikalische Beiträge der Chöre der Christuskirche und des Wittelsbacher Gymnasiums sowie persönliche Erinnerungen von Wegbegleiter:innen.
Auch Schülerinnen und Schüler des Wittelsbacher Gymnasiums, das Joelsen bis zu seinem Ausschluss besucht hatte und später einen Saal nach ihm benannte, beschäftigen sich mit seinem Vermächtnis.
Antisemitismus in der Kirche: Warum Joelsens Geschichte bis heute nachwirkt
Zugleich soll der Blick auf den Umgang der evangelischen Kirche mit Menschen gelenkt werden, die wegen ihrer jüdischen Herkunft Ausgrenzung und Antisemitismus erfuhren – sowohl während der NS-Zeit als auch danach. Landesbischof Christian Kopp wird Walter Joelsen würdigen.
Außerdem stellt Gisela Joelsen eine biografische Broschüre über ihren Vater vor. Im Anschluss ist ein Empfang geplant.